Wer gibt den Helden fürs Theater?

Von: Albrecht Peltzer
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Das Theater Aachen hat finanzielle Probleme. Abhilfe könnte auch eine Preiserhöhung bei den Tickets liefern. Foto: Rafaela Klafka

Aachen. Zwischen Lachen und Weinen bewegen sich die Befindlichkeiten beim Blick auf die größte Bühne der Region. Leider gilt das bekanntlich nicht nur für den Kunstgenuss zwischen Parkett und Loge, sondern eben auch, wenn es um die finanzielle Ausstattung des hochsubventionierten Kulturhorts namens Theater Aachen geht.

Einmal mehr nahmen die Politiker im zuständigen Betriebsausschuss des Rates am Donnerstagabend die Bilanz der jüngsten Spielzeit zum Anlass, den oft formulierten Appell an die städtischen Kassenhüter zu erneuern: An einer langfristigen Erhöhung der Zuschüsse für den Eigenbetrieb führe jetzt kein Weg mehr vorbei, um die Zukunft des Hauses in seinen bisherigen Strukturen zu sichern. Denn über mangelnden Publikumszuspruch kann das Ensemble weiterhin keinesfalls klagen – im Gegenteil: Nicht wenige Produktionen (der Spielplan musste zwangsläufig bereits um eine Inszenierung reduziert werden) waren in der Saison 2015/16 komplett ausverkauft.

Fragt sich nur, ob die Kämmerin sich gerüstet fühlt, umgehend die Heldenrolle als wackere Retterin zu übernehmen – und eine Art Einstiegsklausel zur pauschalen alljährlichen Erhöhung der Mittel in den Etat schreibt. Eben darauf wollen die Ratsfraktionen in anstehenden Gesprächen mit Annekathrin Grehling jetzt weiter drängen. Mindestens zwei Prozent Zuwachs per anno wären aus ihrer Sicht nötig, um vor allem die Personalkosten angesichts beständig wachsender Tarifsteigerungen nachhaltig zu stemmen. Denn rund 80 Prozent des 20 Millionen Euro schweren Zuschusspakets fließen in die Lohntüten der weit über 300 Mitarbeiter.

Schon in der kommenden Saison stehe man damit vor einem „Riesenproblem“, betonte Udo Rüber, Verwaltungschef des Hauses. Was die Grünen als Steilvorlage nahmen, insbesondere die große Koalition von CDU und SPD in die Pflicht zu nehmen – schließlich entscheide am Ende allein der Stadtrat darüber, wie weit die Finanzspritze fürs Theater aufgezogen werde.

So drohte die kleine Lehrstunde in Sachen souveräne Volksvertretung auf offener politischer Bühne kurzzeitig in ein veritables Wahlkampfscharmützel abzudriften. Denn auch das Land NRW unterstütze die kommunalen Kulturträger seit Jahr und Tag bei weitem nicht im erforderlichen Maße, konterte die CDU. Laut Rüber hat das Theater in der vergangenen Spielzeit gerade einmal 200.000 Euro aus Düsseldorf erhalten – allein das ohnehin karge Ausstattungs-Budget schlage aber mit derzeit knapp 430.000 Euro zu Buche. Zudem stelle sich die Frage, ob ein Dreh an der Preisschraube für Eintrittskarten, der nun notgedrungen ins Auge gefasst wird, sich nicht sogar kontraproduktiv auf die Einnahmen auswirken könne.

Konstruktive Antworten gab es vorerst auch im Hinblick auf diesen schwierigen Balanceakt keine. Nur die Erkenntnis: In den kommenden Wochen und Monaten werden sie geliefert werden müssen – manche (fraktionsinterne) Debatte steht also weiterhin obenan auf dem politischen Spielplan.

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