Wenn urplötzlich ein Fremder im Wohnzimmer steht

Von: Oliver Schmetz
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Achtung Einbrecher: Mit Plakaten am Ortseingang werden in Orsbach die Anwohner informiert – und die Täter abgeschreckt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die ältere Dame hatte die Tür zum Garten offen gelassen und war nur kurz im Keller, doch als sie zurückkam, fuhr ihr der Schreck in die Glieder: Ein fremder Mann stand in ihrem Wohnzimmer. Der ungebetene Gast suchte rasch das Weite, die Dame auf Anraten von Nachbarn den Kontakt zur Polizei, die wiederum auf einen typischen Fall tippte.

Nämlich dass da ein Haus für einen Einbruch ausgespäht werden sollte.

Für Gerret Friese war dieser Fall vor einigen Wochen Anlass, zur Tat zu schreiten. Der Mann, der sich im Verein Zukunft Orsbach engagiert, malte drei große Plakate, die er unter die Ortseingangsschilder hängte. „Achtung!!! Fremde spähen Wohnungen aus. Türen zu !!!“, steht darauf. „Ich finde es wichtig, wenn wir Nachbarn uns untereinander informieren“, sagt Friese. „Denn bei uns im Dorf funktioniert nicht nur die soziale Kontrolle, sondern auch die soziale Hilfestellung.“

Unter anderem an solch eine Nachbarschaftshilfe hatte die Aachener Polizei im Juni appelliert, als sie ihre Aufklärungskampagne „Riegel vor“ startete. Damals waren trotz der hellen Jahreszeit die Einbruchszahlen in die Höhe geschnellt, weswegen das Kommissariat Vorbeugung sogar Info-Mobile und „Banner-Bullis“ mit der Aufschrift „Aktuelle Warnung: Einbrecher zur Tageszeit aktiv! Dringend Hinweise an 110“ einsetzte.

Jetzt zieht man im Präsidium auf AZ-Anfrage ein erstes Zwischenfazit und erkennt eine leicht positive Tendenz. Die Info-Aktionen der Polizei seien von den Bürgern sehr gut angenommen worden, insbesondere die auffälligen „Banner-Bullis“ hätten viele Nachfragen provoziert und zu etlichen Beratungsgesprächen geführt. Auch die Zahl der technischen Beratungen darüber, mit welchen Mitteln man sich am besten vor Einbrüchen schützen kann, habe deutlich zugenommen. Und nicht zuletzt riefen mittlerweile auch mehr Leute auf der Leitstelle an, wenn sie Verdächtiges beobachteten.

Insgesamt hat sich die Situation laut Polizei „beruhigt“, liege die Zahl der Einbrüche nun wieder im Vorjahresschnitt. Durch reisende Täter verzeichne man aber bisweilen „Ausreißer“, weswegen es falsch sei, von einer generellen Entspannung zu sprechen. Spezielle Brennpunkte, in denen sich Einbrüche häufen, hat die Polizei zuletzt aber nicht registriert. Auch Orsbach ist keiner. Dort habe es in den vergangenen Wochen nur den einen besagten Fall gegeben, sagt die Polizei – was Gerret Friese auch seiner Plakat-Aktion zuschreibt: „Meine Intention war ja auch, die Täter abzuschrecken.“

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