Aachen - Wenn Seeräuber für Freiheit und Demokratie plädieren

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Wenn Seeräuber für Freiheit und Demokratie plädieren

Von: Mischa Wyboris
Letzte Aktualisierung:
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Zwei von Aachens Piratenkandidaten: Felix Bosseler (links) und Thomas Gerger. Foto: Michael Jaspers

Aachen. So richtig furchteinflößend sehen sie nicht aus, die beiden Männer, der eine im karierten Hemd, der andere im gestreiften Pulli. Wenn man unbedingt möchte, kann man allenfalls bei Thomas Gerger einen verwegenen Blick erkennen.

Doch weder der 22-jährige Chemiestudent noch der 40 Jahre alte Parteifreund und IT-Projektleiter Felix Bosseler hat etwas Seeräuberhaftes an sich - vielleicht mit Ausnahme einer unbeirrbaren Entschlossenheit: „Wir sind uns sicher, dass wir einen Ratssitz erreichen”, sagen die beiden Vertreter der Aachener Piratenpartei. Gerger geht als Spitzenkandidat, Bosseler als Zweitplatzierter der Reserveliste in die Kommunalwahl.

Vor der haben die Piraten mit der Klärung einiger Missverständnisse zu tun. Ja, man sei für digitale Bürgerrechte und Freiheit im Internet - nein, man sei nicht für die Aufhebung des Urheberrechts.

Das größte Missverständnis dürfte aber sein, dass die Piratenpartei inhaltlich nur auf das Internet fixiert sei. „Wir stehen für die Bewahrung der Privatsphäre und gegen den Abbau von Freiheitsrechten”, wendet sich Bosseler gegen den Vorwurf einer „Ein-Themen-Partei” wie gegen die Videoüberwachung am Elisenbrunnen und Webcams in Aachener Kneipen.

Für Transparenz sind sie trotzdem, die Piraten: Es reiche nicht, wenn der Bürger bei politischen Entscheidungen zwar das Ergebnis einsehen, nicht aber die Entwicklung nachvollziehen könne. Bürgerbegehren sollen zudem künftig über das Internet möglich sein.

Man wolle auf kommunaler Ebene „die Digitalkultur in die Gesellschaft tragen, denn Kommunikation wird sich immer weiter auf das Internet konzentrieren”, erklärt Bosseler und plädiert für quelloffene Software in kommunalen Behörden, freien Zugang zu Kultur und Bildung sowie „ernst gemeinten Datenschutz”.

Die 2006 in Schweden entstandene Partei hat in NRW 885 Mitglieder - eine Verdreifachung seit der Europawahl, sagt Bosseler. In Aachen gebe es derzeit rund 50 „aktive Piraten”, allerdings ist die Partei nicht in Ortsverbänden organisiert, denn „über Delegationsebenen gehen Ideen verloren”, meint Gerger. „Wir sind erst in letzter Minute in den Kommunalwahlkampf eingestiegen”, begründet Bosseler, dass seine Partei nur in acht der 32 Wahlkreise antritt, „da haben wir einfach nicht die Personaldecke, und wir wollten keine Spaßkandidaten.”
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