Wenn Retter im Baustellenchaos stecken

Von: Stephan Mohne
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Ein Nadelöhr, das zeitweise f
Ein Nadelöhr, das zeitweise für Verkehrschaos sorgt: die Baustelle am Krugenofen. Gestern bliebt dort ein Notarztwagen im Einsatz stecken. Nächste Woche soll die Ampel abgebaut Foto: Andreas Steindl

Burtscheid. Da halfen auch kein Blaulicht und kein noch so lautes Martinshorn. Keinen Meter ging es an diesem Morgen mehr voran für jenen Notarztwagen der Feuerwehr, der sich eigentlich schnellstmöglich zu einem Notfall internistischer Art bewegen wollte.

Am Krugenofen wurde die lebensrettende Dienstfahrt jedoch jäh gebremst. An der dortigen Baustellenampel staute sich einmal mehr das Blech. Selbst für das Notarztfahrzeug gab es kein Durchkommen.

Notarzt rennt zum Auto

Adelbert Zieger, Einsatzleiter bei der Feuerwehr, bestätigte den Vorfall. Es habe sich um das dritte Notarztfahrzeug gehandelt, Dieses ist nicht wie die beiden anderen dauernd mit einem Notarzt besetzt. Vielmehr „gabelt” man den Mediziner auf dem Weg zum Einsatzort auf - meist bei ihm zu Hause. So war es auch diesmal.

Besser gesagt: So hätte es sein sollen, wäre da nicht das Verkehrschaos auf der wichtigen Burtscheider Achse gewesen. Nur einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass die Retter schließlich doch noch relativ flott zum Einsatzort kamen.

Der Notarzt nämlich wohnt nahe der Baustelle und sprintete seinerseits zum Wagen, der dann ein Wendemanöver schaffte und Richtung Ziel raste.

In mindestens 90 Prozent aller Fälle sollen die Helfer innerhalb von 12 Minuten am Einsatzort sein. Diese „Hilfsfrist” gilt im Rettungsdienst in NRW. Die Aachener Feuerwehr schafft diese Marke im Schnitt in deutlich über 90 Prozent der mehr als 7000 Notarzteinsätze jährlich.

Aber: Bei vielen internistischen Notfällen kann jede Minute über Leben und Tod entscheiden. Je schneller, die Helfer da sind, desto besser. „Bei einem Herz-Kreislaufstillstand ist das Gehirn nach fünf Minuten unwiderbringlich abgestorben”, so ein Aachener Notarzt, der in der Blechschlange am Krugenofen am Samstag ebenfalls Zeuge des Vorfalls wurde, gegenüber der AZ.

Am Krugenofen sei das Chaos indes fast täglich kaum zu ertragen. Zumal das Umfahren dieses Nadelöhrs, in dem seit Monaten durch die Stawag die Kanäle saniert werden, ebenfalls nicht gerade einfach ist.

Wenige hundert Meter entfernt fressen sich die Bagger an der Großbaustelle Boxgraben in die Erde. Hinzu kommt auf der anderen Seite die Baustelle Karl-Marx-Allee, die auch Umleitungen nötig macht.

Eingeschaltet wurde am Samstag auch die Polizei. Zunächst gab es Vermutungen, die Baustellenampel am Krugenofen sei falsch eingestellt. Das aber bestätigte sich laut Polizeisprecher Paul Kemen vor Ort nicht.

Als die Beamten in Burtscheid eintrafen, war laut Polizei zumindest hinsichtlich der Funktion der Anlage alles im grünen Bereich. Viel mehr als sich davon zu überzeugen, konnten die Beamten dann auch schon nicht tun.

Für die Stawag bekundete nach dem Notarzt-Vorfall deren Sprecherin Corinna Bürgerhausen, man werde die Ampelschaltung noch einmal einer Prüfung unterziehen.

Die Ampel soll überdies, so das Wetter trocken bleibt, Ende kommender Woche abgebaut sein, die Baustelle neigt sich nach starken wetterbedingten Verzögerungen ihrem Ende entgegen.
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