Wenn Musikinstrumente zum Leben erwachen

Von: Julia Gröbbels
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Sorgten für einen gelungenen Auftakt: von links Emily Hennessey, Ana Sofia Paiva, Chantal Dejardin, Hedwig Rost, Tormenta Jobarteh und Regina Sommer. Foto: Andreas Schmitter
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Passende Musik zur passenden Klaidung: Tormenta Jobarteh mit seinem Instrumen mit 21 Saiten. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ein Notenständer ist ein Notenständer. Ist er das? Oder kann er sprechen? Kann er vielleicht sogar singen? Beim 19. Internationalen Erzählfestival mit dem Titel „Zwischen-Zeiten“ geht es genau darum. Um den Eigensinn der im Material – in allem Hergestellten – steckt, das uns im Alltag wie selbstverständlich umgibt und darum, wie es erzählerisch aufgegriffen wird.

Bei der Auftaktveranstaltung zum Festival „Von einem der Flöten ging“ inspirierten Instrumente die fünf Erzähler des Abends in der Hochschule für Musik und Tanz zu ihren Geschichten. Und das nicht ohne Grund. Handelte es sich doch bei Emily Hennessey, Tormenta Jobarteh, Hedwig Rost, Chantal Dejardin, Ana Sofia Paiva nicht um „gewöhnliche Erzähler“. Sie alle sind sogenannte „Musikerzähler“, die eben nicht „nur“ Erzähler, sondern auch Musiker sind und diese beiden Seiten in ganz unterschiedlicher Art und Weise in ihre Erzählungen einbrachten.

Den Anfang machte der in München aufgewachsene Musiker Tormenta Jobarteh, der in Boraba (Gambia) zum „Griot“, also zum Koraspieler und Geschichtenerzähler ausgebildet wurde. Er begleitete seine Geschichten mit einer westafrikanischen Harfenlaute, deren fremde und faszinierende Klänge das Publikum direkt in ihren Bann zogen. „Der Korpus dieses Instruments besteht aus Kürbis, meinem Lieblingsmaterial. Es ist mit Kuhhaut bezogen und hat 21 Saiten“, erklärte der Künstler sein exotisch anmutendes Instrument.

In einer seiner Geschichten beschäftigte er sich mit dem Material „Kleidung“, und dessen nicht rein kleidende, sondern auch Status bestimmende Funktion. Anschließend verzauberte die aus Belgien angereiste Chantal Dejardin mit ihrem Akkordeon und zwei Geschichten, die zwar in Französischer Sprache erzählt wurden, aber durch die ausdrucksstarke Mimik und Gestik der Erzählerin auch für Menschen mit geringen Französischkenntnissen verständlich war, was die anschließende Übersetzung beinahe überflüssig machte.

Papierkunststücke

Die aus München stammende Musikerin Hedwig Rost überraschte mit Papierkunststücken, die ihre Erzählungen anschaulich werden ließen und brachte eine vermeintlich „alte“ Sage, nämlich die „Loreley-Sage“ wieder zurück ins kollektive Gedächtnis. Zum Schluss brachte sie das Publikum dazu, gemeinsam einen Kanon anzustimmen, mit der Begründung sie fände es „beschämend“, dass ein Land, das früher als Land der Lieder und des Gesanges galt nicht mehr die zweite Strophe von „Der Mond ist aufgegangen“ singen könne.

Die portugiesische Schauspielerin und Fado-Sängerin Ana Sofia Paiva erzählte in englischer Sprache die „wahre Geschichte“ der Entstehung ihres Instrumentes, einer Rahmentrommel, die in Portugal „adufe“ genannt wird. Auch die Engländerin Emily Hennessy erzählte auf lebhafte, mitreißende und phantasievolle Weise eine Geschichte von der Entstehung der „Mundharmonika“. So endete ein Abend voller Musik und spannend erzählter Geschichten, die zum Nachdenken, Fürchten und Schmunzeln einluden.

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