Kornelimünster - Wenn Joscho Stephan jazzt, wird Zeit zur Nebensache

Wenn Joscho Stephan jazzt, wird Zeit zur Nebensache

Von: Christoph Classen
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Gipsy Swing vom Feinsten: Das „Joscho Stephan Quartett” begeisterte in der Alten Brauerei in Kornelimünster. Foto: Kurt Bauer

Kornelimünster. Irgendwann ist sie einfach stehen geblieben. Wann genau, lässt sich nicht beziffern. Die alte Uhr, die unter dem Wellblechdach des Verladehofs der ehemaligen Brauerei in Kornelimünster hängt, hat nur noch einen Zeiger. Den für die Stunden.

Kurz vor elf muss es gewesen sein, als sie den Dienst quittierte. Seitdem hat der Zahn der Zeit am Chronometer genagt, sie unbrauchbar gemacht. Was nicht schlimm ist. Zeit ist an diesem Tag ein vernachlässigbarer Faktor.

Denn hinter der Uhr, auf der einstigen Verladerampe, wo die Kutschen hielten, um Bierfässer aufzuladen, steht das Joscho Stephan Quartett. Wer sich mit Jazz auskennt, der weiß, dass die international renommierte, vierköpfige Formation für Gipsy Swing vom Feinsten steht. Und wer im Bereich Jazz weniger bewandert ist, der weiß es spätestens nach ihrem Gastspiel bei der 12. Auflage der Jazz Matinee.

So heißt die Veranstaltung, die einmal jährlich in der Alten Brauerei von der Kulturinitiative Kornelimünster (KIK) auf die Beine gestellt wird. Diesmal habe sich der Verein erstmals an „eine große internationale Band herangetraut”, sagt dessen Vorsitzender, Joachim Floegel. Eine erfolgreiche Premiere. „Wir haben noch nie so viele Anrufe im Vorfeld bekommen von Leuten, die sich in Kornelimünster nicht auskennen und die wissen wollten, wo genau das Ganze stattfindet.”

Was ganz im Sinne der KIK ist, weil sie ihre Aufgabe auch darin sieht, Kornelimünster fest auf der kulturellen Landkarte zu etablieren. Denn das Indestädtchen ist mehr „als ein Ort, wo Sie durchfahren, wenn Sie von Aachen nach Monschau unterwegs sind”, meint Floegel. Die Jazz Matinee bringt die Leute dazu, in Kornelimünster anzuhalten.

Etwa 550 dürften den Weg in die Alte Brauerei gefunden haben. Was nicht nur für die Veranstalter ein Erfolg ist: Ein Euro vom Preis jeder Eintrittkarte geht an die AZ-Hilfsaktion „Menschen helfen Menschen”. Natürlich: So eine Veranstaltung steht und fällt mit dem Wetter. Auf den malerischen Himmel angesprochen, sagt Floegel: „Das ist bei uns üblich.” Von zwölf Jazz-Matinees fanden elf bei strahlendem Sonneschein statt. Nur einmal hat es geregnet.

An diesem Tag bleibt den Schirmen nur die Funktion, Schatten zu spenden. Die meisten aber lassen sich die Sonne lieber ins Gesicht scheinen. Dazu ein kühles Getränk in der Hand und ein lockeres Gespräch auf den Lippen. So lässt es sich aushalten. Frankophone Fremdwort-Fans würden es vielleicht „Laissez-fair” nennen.

Die ganze Zeit ist es kurz vor elf

Das Joscho Stephan Quartett liefert den passenden Soundtrack. Unaufgeregt plätschern die Melodien dahin, in regelmäßigen Abständen von aufbrausendem Applaus untermalt. Nicht nur die Musiker kennen ihren nächsten Einsatz genau. Der Zeiger der alten Uhr weigert sich beharrlich, weiter voranzuschreiten. Es ist kurz vor elf, die ganze Zeit.
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