„Wenn in Aachen keiner ins Kino kommt, muss der Film gut sein”

Von: „Ganz nah bei dir” (BRD 2009, Regie: Almut Getto mit Katharina Schüttler, Bastian Trost, 91 Min., FSK: o.A.)
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Aachen. Die Begegnung des eigenbrötlerischen Bankangestellten Philip mit der blinden Cello-Spielerin Lina in „Ganz nah bei dir” ist eine der schönsten Kinofilme seit langem. Die Tragikomödie erhielt bundesweit begeisterte Kritiken.

Trotzdem fanden sich im Apollo nur wenige Zuschauer ein, als die Kölner Regisseurin Almut Getto am Montag ihren Film persönlich vorstellte. Eine Tragödie der lokalen Kinosituation, der selbst die positive Filmemacherin nur mit Galgenhumor begegnete. Der Trost eines Zuschauers: „Wenn in Aachen keiner ins Kino kommt, muss der Film gut sein!”

Die eigentlich unmögliche und vielleicht deswegen so passende Romanze zwischen Philip und Lina überzeugt auch durch die tollen Hauptdarsteller Katharina Schüttler und Bastian Trost. Auf die Frage, wie Almut Getto sie entdeckt hat, verrät die Regisseurin des sehr erfolgreichen Aids-Dramas „Fickende Fische” ein kleines Geheimnis: Sie hat die junge Katherina Schüttler nicht wie die meisten zuerst als wilde „Sophiiiie!” auf der Leinwand gesehen. Nein, schon beim Studium an der KHM in Köln besetzte ein Regiekollege die Rolle seiner Almut mit der Schüttler. Und mit Almut war tatsächlich Almut Getto gemeint.

Die an originellen Einfällen und ungewöhnlichen Momenten reiche Filmgeschichte sorgte auch beim Dreh für viele Anekdoten. So war es gar nicht so einfach, im Winter eine Schildkröte aufzutreiben, die Philips Panzer gegenüber der Welt symbolisieren sollte. Die kleinen Stars halten zu dieser Zeit nämlich Winterschlaf.

Die Hauptdarstellerin, die keine Kontaktlinsen zum „Erblinden” trug, überraschte schon beim ersten Casting positiv. Ganz stolz meinte Katharina Schüttler, sie könne ihre Augen abstellen und ganz starr schauen. Dramatisch wurde es, als sie sich kurz vor Drehbeginn tatsächlich eine schwere Augenverletzung zuzog und eine Zeit lang mit verbundenen Augen leben musste. Die junge Schauspielerin war ideal, weil sie Cello spielen konnte und ganz ehrgeizig geübt hatte.

Da der Film völlig unverkrampft mit der Blindheit Linas umgeht, stellt sich die unausweichliche Frage: Was sagen Angehörige von Blinden zu dieser frechen jungen Frau, die ganz normal sein will? „Die haben alle gesagt, ganz genau so ist es!” Vor allem die Szene mit einer Baustelle auf dem Bürgersteig, in die Lina („Sag jetzt nichts”) voll reinrennt, um sich nachher zu beschweren: „Warum sagst du nichts?”, sei ein Volltreffer. Genau diese „Mischung aus lustig und tragisch” sei, was Almut Getto „einfach mag”. Dem schlossen sich die wenigen beglückten Zuschauer im Apollo an. Dort ist der Film nur noch am Mittwoch um 19 Uhr zu sehen. Ab Donnerstag, 19. November, wird die außerordentlich gelungene Geschichte auf 17.30 Uhr verschoben.
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