Aachen - Wenn die Kamera zum „Pinsel“ wird, entsteht etwas Neuartiges

Wenn die Kamera zum „Pinsel“ wird, entsteht etwas Neuartiges

Von: Eva Onkels
Letzte Aktualisierung:
15745208.jpg
Seine Fotografien ziehen den Betrachter in den Bann: Thomas Goergers Ausstellung „Lichtbeute“ ist bis Sonntag, 3. Dezember, in der Galerie Artikel 5 zu sehen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Auf den ersten Blick könnte der Betrachter die Fotos von Thomas Goerger für Malerei halten. Auf den zweiten Blick wird klar: Es ist nicht das Motiv, das diesen Eindruck erweckt, sondern die Struktur der Kunstwerke selbst. „Lichtbeute“, so lautet der Titel der zweiteiligen Ausstellung von Thomas Goerger, die ab sofort in der Produzentengalerie Artikel 5 besucht werden kann.

Während Maler einst befürchtet hatten, dass durch die Entdeckung der Fotografie ihr Handwerk an ebenjenes verloren gehen könnte, betrachtet Goerger die Kamera selbst als „Pinsel“. Er weiß, was mit einem Bild passiert, wenn der Fotograf sich bewegt, die Belichtung verändert oder das Objektiv bewegt.

Der erste Teil seiner Ausstellung trägt den Titel „Variationen“ und zeigt eben solche Bilder, in denen die Motive so verfremdet und verändert erscheinen, dass gar nicht mehr klar zu erkennen ist, was genau fotografiert wurde. Die Fotografien sind nicht manipuliert worden, nicht aus mehreren Aufnahmen zusammengesetzt.

So wird aus den Steinen und Kacheln in einem kleinen Wasserlauf ein Bild, in dem der Betrachter eine Berghütte, eine Frau, eine Kerze oder auch einfach nur abstrakte geometrische Formen erkennen kann. In manchen Bilder möchte sich der Betrachter gleich ganz versenken.

Das Motiv ist unwichtig

Variationen VI, so der Titel eines dieser Bilder, ist in samtweichen Rottönen gehalten, wie Seide ergießt sich das Bild über den Zuschauer. Was das eigentliche Motiv mal war, ist nicht mehr zu erkennen, ist aber auch nicht mehr wichtig: „Es ist völlig egal, was auf dem Original zu sehen war, die Wahrnehmung des Betrachters zählt“, so Goerger über seine eigenen Bilder. Er wolle „mit der Unschärfe Angebote machen“.

Goerger ist erst im vergangenen Jahr zu dieser eigenen Form von Fotografie und damit auch zur Kunst gekommen. Schon früher arbeitete er als Pressefotograf, schoss dann aber jahrelang keine Fotos mehr. „Irgendwann war ich echt gelangweilt vom Fotografieren“, so Goerger.

Der Grund: Viele Dinge seien bereits aus allen Perspektiven fotografiert worden. Die Perspektive, die Goerger jetzt einnimmt, ist spannend und ungewohnt und überlässt die Deutung ganz dem Betrachter: ob dieser nun rätselt, was das ursprüngliche Motiv war, oder ob er neue Perspektiven im Bild selbst finden möchte – beides ist erlaubt.

Im zweiten Teil der Ausstellung, „Landschaft – Licht – Leben“ widmet sich Goerger dann aber doch der klassischen Fotografie, legt dabei aber vor allem Wert auf den Moment, auf die Perspektive, die sich nur einmal festhalten lässt. Ob es dabei um den Jungen geht, der in einem Brunnen steht, die Polder an einem Strand in den Niederlanden oder die Fassade des „Stadttors“ in Düsseldorf.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert