Wenn die Jecken auch noch das Gotteshaus stürmen

Von: Svenja Pesch
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„Fastelovvends-Joddesdengs met de Tropis“: Pfarrer Markus Frohn konnte am Samstag in St. Fronleichnam zahlreiche Jecken begrüßen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Dass ein roter Teufel in der Kirche sitzt, mag den ein oder anderen vielleicht etwas verwirren, aber diese Irritationen lösen sich bei genauerem Hinsehen schnell in Wohlgefallen auf. Denn der „Fastelovvends-Joddesdengs met de Tropis“ hat rein gar nichts mit Blasphemie oder Ähnlichem zu tun. Im Gegenteil.

Die traditionell am Karnevalssamstag stattfindende Messe in der Pfarrgemeinde Sankt Josef und Fronleichnam lädt alle Jecken ein, gemeinsam inmitten der närrischen Tage dem lieben Herrjott zu gedenken.

Und wie, wenn nicht in feinstem Öcher Platt könnte die Tropi-Garde dies besser machen? Pfarrer Markus Frohn begrüßt die Gemeinde, die die Kirche St. Fronleichnam restlos füllt, mit einem dreimal kräftigen „Oche Alaaf“. Doch Fastelovvend in der Kirche? Passt das wirklich zusammen? Aber selbstverständlich tut es das, da sind sich nicht nur die Tropis einig, die auch im Gotteshaus nicht auf ihr bekanntes Khakihemd, die schwarze Hose, das rot-weiße Halstuch und die Klobürste verzichten wollen. Denn schließlich geht es um das gemeinsame Feiern, bei dem keiner alleine gelassen werden soll.

So sind die Gedanken und Impulse, angelehnt an die Matthäus-Predigt, keinesfalls nur auf die närrischen Tage bezogen. Ob als Biene, Pirat oder Teufel verkleidet, viele verstecken sich gerade während der jecken Tage hinter einer Maske und geben vor, jemand zu sein, der sie in Wirklichkeit gar nicht sind. Dabei geht es weder zur Fastelovvend-Zeit noch sonst im Leben um den Schein, sondern darum, gemeinsam und ehrlich miteinander zu feiern. Und das gilt sowohl in Gotteshäusern, als auch auf den Straßen.

Auch in punkto Musik bietet die Messe einen Mix aus alt bekannten Karnevalssongs und herkömmlichen Kirchenliedern. Der Musikverein Hahn führt sowohl mit weichen Klängen wie dem „Halleluja“, als auch mit Coversongs bekannter Bands durch den Gottesdienst. „An Tagen wie diesen“ – den Hit der „Toten Hosen“ würde man sonst wahrscheinlich nicht gerade in der Kirche vermuten, aber die Reaktionen der Besucher sind eindeutig: Da wird in den Reihen geklatscht, zaghaft ein wenig mit der Hüfte gewackelt und wesentlich lauter mitgesungen, als es sonst der Fall ist.

Für Pfarrer Frohn ist der „Fastelovvends-Joddesdengs met de Tropis“ deshalb ebenfalls immer etwas ganz Besonderes, und so sind sich alle einig: Et liebe Herrjöttche hätte sicher seine helle Freude anden Öcher Narren!

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