Aachen - Wenn die Diagnose vor der Geburt eine Krankheit ankündigt

Wenn die Diagnose vor der Geburt eine Krankheit ankündigt

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Ein Paar freut sich auf ein Kind. Doch pränatale Diagnostik wie eine Nackenfaltenmessung oder die Untersuchung des Fruchtwassers haben eine Diagnose zu Tage befördert, die sich keiner gewünscht hat: Die Wahrscheinlichkeit einer Behinderung oder Krankheit beim Kind.

„Wenn Sorge um die psychische oder körperliche Unversehrtheit der Mutter besteht, kann auch nach der zwölften Schwangerschaftswoche ein Abbruch eingeleitet werden”, erklärt Dr. Karl-Ludwig Marquet, Aachener Gynäkologe mit Schwerpunkt Pränataldiagnostik, die gesetzlichen Grundlagen.

Das ist bereits seit Jahren Gesetz - neu ist, dass Frauen neben der medizinischen nun auch einen Anspruch auf eine kostenlose psychosoziale Beratung haben. Frauenärzte müssen die Schwangeren darauf aufmerksam machen. Außerdem muss die Frau drei Tage Bedenkzeit vorm Abbruch einhalten. Lange wurde über diese Regelung gestritten: Frauenrechtlerinnen fürchteten erneut Bevormundung, selbsternannten Lebensschützern ging der Gesetzentwurf nicht weit genug.

Die Leute aus der Praxis sind allerdings mit der Umsetzung zufrieden: Frauenärztin Judith Bewermeyer, die mit Marquet eine Gemeinschaftspraxis in Melaten führt, weiß, „die meisten greifen nach dem Strohhalm der Beratung und drei Mal Drüberschlafen ist eine gute Zeit”.

Die Praxis Marquet/Bewermeyer arbeitete bereits vor der Novellierung des Paragrafen 218 mit „Donum vitae”, einer Schwangerenberatungsstelle mit einem Schwerpunkt „Beratung nach Pränataldiagnostik”, zusammen. Aber auch mit Kinderärzten, die die mögliche Beeinträchtigung des Kindes durch Behinderung deutlich besser einschätzen können als Gynäkologen. „Die Unterstützung von Fachleuten entlastet uns sehr”, meint Marquet.

Martina Hartmann, Beraterin bei „Donum vitae” in Aachen, glaubt, dass die Paare nicht mit der Entscheidung für oder gegen Abbruch allein bleiben sollten. „Bei uns geht es zunächst einmal ums Zuhören. Es gibt kein richtig oder falsch.”

Obwohl „nur” drei Tage Bedenkzeit vorgeschrieben sind, kommen die Paare häufig öfter in die Beratungsstelle in der Franzstraße. „Es ist ein langsamer Prozess - da wird viel geweint, da werden Konflikte mit dem Partner ausgefochten. Es sind ja richtige Wunschkinder, da machen sich die Eltern vorher keine Gedanken über einen Abbruch”, erzählt Gertrud Feger-Strickstrock, Beraterin bei „Donum vitae”.

Sie und Hartmann besuchen die Paare auch im Krankenhaus und machen Beratungstermine sofort und zu jeder Tageszeit möglich. „Diese Form der psychosozialen Betreuung stellt eine wichtige Ergänzung zur rein medizinischen Beratung dar”, weiß Marquet.
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