Wenn der Nachwuchs zur Belastung wird: Anlaufstelle „Frühe Hilfen“

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
15158859.jpg
Stehen für ein hilfreiches Angebot: Dorothe Roeb-Flemming und Helga Remmen (rechts) von den „Frühen Hilfen“ sowie Andrea Weyer (Mitte), Geschäftsführerin des Aachener Kinderschutzbundes. Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Je besser es den Müttern geht, desto besser geht es auch ihren Kindern“, betont Andrea Weyer, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes. Klingt einfach, ist es aber nicht immer. Denn nicht selten sind Mütter kurz nach der Geburt überfordert.

Das Gefühl der Freude über den Nachwuchs will sich nicht so recht einstellen, oder kaum durchgeschlafene Nächte strapazieren das Nervenkostüm. Bei diesen und vielen anderen Problemen wissen Dorothee Roeb-Flemming und ihr Team der Anlaufstelle „Frühe Hilfen“ des Kinderschutzbundes Rat.

Seit 2008 existiert die Einrichtung. Im Rahmen der Vorstellung des Tätigkeitsberichtes für 2016 wurde das breite Spektrum an Hilfestellungen deutlich. Sechs Mitarbeiterinnen, darunter Familienhebammen, Kinderkrankenpflegerinnen, Sozialarbeiterinnen oder Psychotherapeutinnen, kümmern sich um die Sorgen und Nöte der Ratsuchenden. Grundlage von „Frühe Hilfen“ ist ein gut funktionierendes Netzwerk.

Kooperation von allen Professionellen, die in Kontakt mit Familien mit Säuglingen und Kleinkindern sind, ist extrem wichtig. Besonders bedeutsam ist die Einbeziehung des Gesundheitswesens. In Aachen haben sich inzwischen 35 Institutionen und zahlreiche Einzelpersonen aus Gesundheitswesen, Jugendhilfe und anderen Bereichen unter der Federführung des Kinderschutzbundes zusammengeschlossen, um die Unterstützungsmöglichkeiten für Familien mit Kindern bis zum vollendeten dritten Lebensjahr zu verbessern.

275 Probleme gelöst

Finanziert wird die Anlaufstelle mit städtischen Zuschüssen, Bundesmitteln und Eigenmitteln. 2016 erreichten die Einrichtung 255 Anfragen, davon 47 Fachberatungen und 208 Unterstützungsanfragen für oder von Familien. Abgeschlossen wurden 275 Fälle. Ein großer Themenschwerpunkt sind Mütter mit postpartalen Krisen, früher als Wochenbettdepression bezeichnet, erzählt Roeb-Flemming: „Statistisch leiden zehn bis 20 Prozent aller Mütter an postpartalen Krisen, aber das Thema ist leider oft schambehaftet. Man malt sich aus, wie schön der Alltag als kleine Familie ist, und merkt dann, dass eben nicht alles so rosig ist.“

Verzweiflung, Hilflosigkeit oder eine immense Veränderung der Paarbeziehung lassen Familien und besonders Mütter an ihre Grenzen kommen. Durch Besprechungen, Hausbesuche, Vermittlungen von Hilfen aus dem Netzwerk oder auch durch videobasierte entwicklungspsychologische Beratung sorgen die Mitarbeiterinnen dafür, dass sich Konflikte Stück für Stück auflösen. „Unsere Unterstützungsformen sind für die Familien einfach zugänglich, wir haben keine Wartezeiten und reagieren ganz unbürokratisch und so schnell wie möglich“, so Roeb-Flemming.

Rund ein Drittel aller Familien kommt von sich aus auf die Mitarbeiterinnen zu, die übrigen werden von Ärzten oder Hebammen angemeldet. Familien mit Migrationshintergrund oder Flüchtlingsfamilien haben einen gesonderten Bedarf bei Ämter- und Behördengängen, die mit Säuglingen oder Kleinkindern anstehen.

Neben Müttern mit postpartalen Krisen bildet die Gruppe sehr junger Mütter einen weiteren Schwerpunkt innerhalb der Arbeit. „Unsere Gruppe ‚Junge Mütter‘ finanziert sich komplett selbst und richtet sich an Jugendliche, die unter 21 sind“, berichtet Familienhebamme Helga Remmen.

Oft fehlen Vorbilder

Vielfach seien die jungen Erwachsenen isoliert, ohne feste Partnerschaft und ohne Schulabschluss. Es fehle oft an Vorbildern, da der Kontakt zur eigenen Familie nicht selten gestört oder kaum vorhanden sei, so Remmen. Seit 2010 existiert das Gruppenangebot für Mütter bis 23, innerhalb dessen die Besucherinnen sich austauschen können, Einzelgespräche führen, mit den anderen Müttern kochen sowie kleinere Ausflüge unternehmen.

„Unser Ziel ist es, Eltern in der neuen und manchmal belastenden Lebenssituation zur Seite zu stehen, damit gute Grundlagen für die gesamte weitere Entwicklung gelegt werden“, resümiert Roeb-Flemming. Und Weyer ergänzt: „Hilfe in Anspruch zu nehmen tut nicht weh, und unsere Angebote richten sich an alle Familien, egal welcher Herkunft oder Kultur.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert