Aachen - Wenn dem Brunnenmeister die Düse geht

Wenn dem Brunnenmeister die Düse geht

Von: Robert Esser
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Wer hat dem Hühnerdieb das Wa
Wer hat dem Hühnerdieb das Wasser geklaut? Eigentlich müsste der 99 Jahre alte Brunnen bereits sprudeln - aber die unterirdische Leitung vom Paubach leidet noch unter saisonbedingter Startschwäche. In wenigen Tagen soll das Problem behoben sein. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn Brunnenmeister Norbert Vossen die Düse geht, hat das nichts mit Angst zu tun. Im Gegenteil. Dann läufts. Am Dienstag hat der Experte des Stadtbetriebs nach vierwöchiger Reparatur den Brunnen am Europaplatz geflutet.

Und sobald am heutigen Mittwoch 3600 Kubikmeter Wasser durch die Schleusen geschossen sind - das entspricht etwa der Füllung von 20.000 Badewannen -, schießen die Fontänen wieder in voller Pracht. Bis zu sieben Millionen Liter hatte das riesige Becken in den Vorjahren pro Saison verloren.

Jetzt ist wieder alles dicht, das Montagezelt eingepackt: „Wir sind froh, dass wir nicht nur im engen Zeitplan geblieben sind, sondern auch die kalkulierten Kosten um mehrere zehntausend Euro auf etwa 70.000 drücken konnten”, freut sich Architekt Albert Frey. Fugen überarbeitet, Randsteine saniert, 34 Düsen und 55 Scheinwerfer überholt: So können die zwei Achsen mit der knapp 20 Meter hohen Mittelfontäne, die eine Automatik windabhängig reguliert, Aachens sprichwörtliche „sprudelnde Vielfalt” an der Autobahnzufahrt wieder eindrucksvoll strahlen lassen.

Allerdings sinkt die Zahl der betriebsfähigen Brunnen im Stadtgebiet von Jahr zu Jahr. Von ehemals mehr als 80 Wasserspielen seien gegenwärtig noch 55 übrig, erklärt der verantwortliche Werkstattleiter Rainer Jennes auf Anfrage der Aachener Zeitung. Die Wartung ist teurer, aufwändig - und für sein Team gerade vor Ostern ein Wettlauf mit der Zeit. Spätestens zum Auferstehungsfest soll auch die Brunnen - quasi - aufleben. Dass einige der historischen Altstadtbrunnen wie Wehrhafter Schmied, Fischpüddelchen und Türelüre-Lißje noch schwächeln, die vom natürlichen Gefälle einer Leitung des Paubachs gespeist werden, will Jennes Team mit Hilfe der Stawag schnell ändern.

„Da müssen noch Rohre entlüftet, durchgespült und in Schwung gebracht werden. Dann sollten diese sogenannten Laufbrunnen - ganz ohne Pumpe - ohne weitere Druckschwankungen bis zum ersten Frost sprudeln”, sagt der Werkstattchef. Für eine andere Reihe von Brunnen gilt das leider nicht so kurzfristig: Im Brunnen an der Königsberger Straße haben Diebe die Gitterroste gestohlen; und der Nachguss aus Bronze braucht Zeit. Außer Betrieb sind ebenso der Mittelbrunnen im Rosengarten in der Nähe des Spielcasinos, ein benachbarter Wandbrunnen, ein Wasserspiel am Neuenhof und der gerade mal 40 Jahre alte Augustinerplatzbrunnen. Hier klaffen Risse zwischen Edelstahlelementen und den vier Betonbecken. Versiegt ist auch der Brunnen am Sandhäuschen, da mit dessen Abriss auch die entsprechenden Versorgungsleitungen weggebaggert wurden. Auf einen neuen Brunnen wartet zudem der Brander Markt. „Das ist einiges in Planung”, sagt Jennes.

Die geringsten Sorgen bereiten dem Team unterdessen Brunnen, die mit Thermalwasser gespeist oder temperiert werden. In dieser Kategorie halten Schmuckstücke wie der Geldbrunnen an der Ursulinerstraße, das Wasserspiel hinter dem Elisenbrunnen, Thermalquellen in Burtscheid und die imposante Wasserlandschaft vor dem Spielcasino das ganze Jahr durch. „Frost spielt hier keine Rolle; die laufen eigentlich immer”, sagt Jennes. Nur wenn Vandalen mal wieder Düsen verbiegen oder Ablaufgitter verstopfen, rückt seine zwei- bis dreiköpfige Mannschaft mit Brunnenmeister Norbert Vossen an. „Natürlich ist die wartung der brunnen ein Saisongeschäft. Über einen Mangel an Arbeit können wir uns aber nun wirklich nicht beklagen”, sagt er.

Vielleicht stößt man ja in der nächsten Saison mit der engagierten städtischen Truppe mal auf ein Jubiläum an. Nicht weil die Zahl der Brunnen dann auf 50 gesunken sein könnte, sondern weil der Hühnerdieb 100. Geburtstag feiert. Sein Erstguss stammt aus dem Jahr 1913, die Neuauflage folgte 1953. Dann darf man tapferen Herren gratulieren, denen - zum Glück - ständig die Düse geht.
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