Wenn das Zuhause kein Hort der Liebe ist

Von: Felicitas Geßner
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Aachen. Oft aus Scham verschwiegen oder verharmlost wird, wenn in Familien Mütter oder Kinder Gewalt erfahren. Die Betroffenen warten oft sehr lange, ehe sie häusliche Gewaltanwendungen öffentlich machen.

„Wir bekamen im letzten Jahr durch das Gewalt-Schutz-Gesetz insgesamt 178 Mal eine Mitteilung der Polizei über häusliche Gewaltdelikte”, erklärte jetzt Shahla Zabardjadi von „Frauen helfen Frauen”, „rund 100 Frauen davon nutzten unser Bera-tungsangebot, 85 Prozent von ihnen haben Kinder”.

Aus dieser Erfahrung heraus und um betroffenen Müttern und Kindern effektiver helfen zu können, initiieren „Frauen helfen Frauen” und der Kinderschutzbund Aachen jetzt das gemeinsame Projekt „Hilfe für Frauen und Kinder nach häuslicher Gewalterfahrung”.

Große Angst bei Kindern

Schon Ende Februar soll in einer Frauengruppe mit mindestens acht Müttern einmal wöchentlich das Erlebte thematisiert werden, ihnen Möglichkeiten der gewaltfreien Konfliktlösung vermittelt und weiterer Hilfebedarf abgeklärt werden. Nicht zuletzt möchte man über die Situation der Kinder sprechen und herausfinden, ob diese ebenfalls Gesprächs- und Therapiebedarf haben.

„Häusliche Gewalt macht Kindern große Angst. Sie fühlen sich oft schuldig, weil sie ja beide Elternteile lieben”, schildert Dagmar Mingers vom Kinderschutzbund Aachen die Motivation, neben den betroffenen Frauen auch deren Kindern im Rahmen des neuen Projekts Hilfestellungen anzubieten. „Kinder erleben Gewalt in ihrem Zuhause als Konfliktlösung”, sagt Mingers.

Und das mit fatalen Konsequenzen: In 30 der von der Polizei gemeldeten Gewaltvorfälle im letzten Jahr waren es Kinder, die ihre Mütter gewaltsam attackierten. „Wir wollen auch diesen Erfahrungshorizont von Kindern möglichst frühzeitig begrenzen, indem wir ihnen gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien mit auf den Weg geben”.

Die wöchentlichen Treffen der Mütter im neuen Projekt sollen in den Räumen des Kinderschutzbundes Aachen stattfinden. Hier gibt es dann auch bei Bedarf separate Gesprächsrunden mit betroffenen Kindern. Beide Institutionen haben die finanziellen Mittel für das neue und erste gemeinsame Projekt durch Spenden realisieren können - noch in weiter Ferne hoffen sie, ähnliche Projekte durch städtische oder Landesmittel anbieten zu können.

„Zunächst hoffen wir, zwei Müttergruppen aufstellen zu können, die sich jeweils bis zu 15 Mal treffen werden, um konkrete Lösungsansätze beim Aufarbeiten von häuslicher Gewalt zu entwickeln”, erklärt Andrea Weyer, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Aachen. Hier soll es auch Informationen für Eltern über die Auswirkungen der miterlebten Gewalt auf ihre Kinder geben sowie Beratungen über eventuelle Auffälligkeiten im Verhalten der Kinder.
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