Wenn das Studium keine Selbstverständlichkeit ist

Von: Carolin Cremer-Kruff
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Für die Chancengleichheit: Uwe Stein, Sarah Cüpper und Katharina Schardt (rechts) engagieren sich für und in „arbieterkind.de“. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das neue Semester ist gestartet. Während auch in Aachen viele Erstis ihr Studentenleben einläuten, beginnt Sarah Cüpper schon ihr drittes Semester. Sie studiert Deutsch und Biologie auf Lehramt, ist schon fast ein „alter Hase“. Für sie war es nach dem Abitur jedoch keine Selbstverständlichkeit, ein aufzunehmen.

Aufgewachsen in einer Nichtakademiker-Familie stand diese Option nie auf der Tagesordnung. „Ich hatte jedoch Glück, dass meine Mutter mich immer wieder ermutigt hat, ein Studium zu beginnen“, so die 18-Jährige. Nicht alle Lebensläufe nehmen eine so positive Wende. Denn oft bleibt in solchen Fällen der Wunsch, zu studieren, ein Traum, der an den Nagel gehängt wird.

75 Ortsgruppen

Um dies zu ändern, wurde vor acht Jahren die Organisation Arbeiterkind.de gegründet, die bundesweit rund 75 Ortsgruppen umfasst. Eine davon ist in Aachen. Das Ziel besteht darin, Schülern, die als Erste aus ihrer Familie studieren möchten, den Einstieg in das Studium zu erleichtern, und ihnen darüber hinaus während des Studiums und beim Berufseinstieg mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Denn häufig sind es fehlende Informationen oder nicht vorhandene Netzwerke, die den Wunsch nach einem Studium gar nicht erst Realität werden lassen. „Viele Eltern haben zudem Angst, dass sie ein Studium finanziell nicht stemmen können, dabei gibt es heutzutage genügend Fördermöglichkeiten“, erklärt Cüpper.

Um entsprechende Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern und Lehrer möglichst früh erreichen zu können, halten die ehrenamtlichen Mentoren der Gruppe Schulvorträge, bieten regelmäßige Beratungsstunden an und haben einen Stammtisch ins Leben gerufen. Für Sarah Cüpper war das Angebot von Arbeiterkind.de damals goldrichtig. Mittlerweile hat sie den Sprung von der Mentee zur Mentorin geschafft und ist seitdem eine „Kollegin“ von Katharina Schardt.

Die 30-jährige Doktorandin möchte in ihrer Funktion als Mentorin ein Vorbild sein, jemand, der ermutigt. Ihr Vater ist Maurermeister, ihre Mutter Sekretärin. Themen rund ums Studium waren zu Hause nie Thema. Schardt hat sich dennoch durchgesetzt, hat einen anderen Lebensweg eingeschlagen als von ihren Eltern vorgesehen. „Ich hatte damals große Selbstzweifel. Kannst du das überhaupt? Traut man mir überhaupt etwas zu?“

Dass schon während der Schulzeit Weichen gestellt werden müssen, hat auch Dr. Uwe Stein erleben, der sich seit April dieses Jahres bei Arbeiterkind.de engagiert. „Ich habe als engagierter Vater in verschiedenen Fördervereinen von Schulen erlebt, wie sehr der berufliche Hintergrund der Eltern den Lebenslauf der Kinder prägt und welche Schwierigkeiten einige Eltern in Nichtakademiker-Familien haben, ihren Kindern den Weg zur Uni zu ebnen“, erzählt der promovierte Bauingenieur.

Stein ist selbstständig und unterstützt junge Menschen ebenfalls, wenn sein Know-how gefragt ist. Die Nachfrage ist groß: Zurzeit werden rund 100 Mentees betreut, die auch von den guten Kontakten zu der Studienberatung der RWTH, zum AStA, zum Mentorennetzwerk Aachen und zu den Ortsgruppen Köln und Düsseldorf von Arbeiterkind.de profitieren.

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