Wenn das Auge Millionen Lichtjahre zurückblickt

Wenn das Auge Millionen Lichtjahre zurückblickt

Von: Mischa Wyboris
Letzte Aktualisierung:
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Große Augen bei den Kindern, andächtige Stille bei den Erwachsenen, als die Sternwarte zum Auftakt des Internationalen Jahres der Astronomie ihre Pforten öffnet. Foto Schuldt Foto: Schuldt

<b>Aachen. </B>Ein kurzer Blick in den Himmel reicht bereits: Tausende, Millionen, selbst Milliarden von Lichtjahren können wir in die Vergangenheit schauen.

Ob indes der Stern, den wir betrachten, überhaupt noch existiert, das weiß keiner so genau - schließlich sehen wir nur das Licht, das er vor Ewigkeiten einmal losgeschickt hat und das uns jetzt erst erreicht.

Große Augen bei den Kindern, andächtige Stille bei den Erwachsenen, als die Sternwarte zum Auftakt des Internationalen Jahres der Astronomie ihre Pforten öffnet. Herzstück des Observatoriums am Hangeweiher: das Zeiss-Teleskop, seit 1935 ständiger Späher in die Tiefen des Weltalls. „Damit können wir viele Millionen Lichtjahre entfernte Galaxien sehen”, erklärt Jürgen Balk, seit 2002 Leiter der Sternwarte. Und durchaus auch nicht ganz so weit Hergeholtes wie „die Explosionen auf der Sonne, die Krater auf dem Mond oder die Monde des Jupiter”.

Immer mehr Menschen strömen unterdessen in kürzester Zeit in Richtung Kuppelbau. „Wahnsinn, das sind schon fast 200 Besucher in der ersten Stunde”, stellt Mitarbeiter Kurt Schaefer erstaunt fest. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr zog es insgesamt rund 4000 Mondsüchtige und Nachtschwärmer zum Observatorium.

„Wenn man in den Sternenhimmel blickt, relativiert sich die Bedeutung unserer alltäglichen Probleme auf ein Nichts”, sagt einer der vielen hundert Besucher am Tag der offenen Tür. „Wir klammern uns zu viel an Kleinkram”, fährt er fort und möchte anonym bleiben. Nicht so Anita Amelong. Sie ist überzeugt: Irgendwo da draußen gibt es Leben. „Das Universum ist so unvorstellbar groß. Warum sollten wir die Einzigen sein?”

Vor 400 Jahren, erklärt Balk, hat Galileo Galilei als einer der ersten Menschen mit dem Fernrohr den Himmel betrachtet; im selben Jahr hat Johannes Kepler die Gesetze der Planetenbewegungen entdeckt. Zwischen Meteoritenausstellung und Spezialteleskop wirbt Balk für das spezielle Programm von Volkshochschule und Sternwarte im noch jungen Jahr der Astronomie, „um dem momentan grassierenden Desinteresse an den Naturwissenschaften entgegenzusteuern”. Deshalb sei es wichtig, auch Kinder zu begeistern.

Und die haben indes großen Spaß an der Veranstaltung. Einziger Wermutstropfen am Nachmittag: Ein kurzer Blick in den Himmel reicht bereits - Tausende von Regentropfen sorgen dafür, dass sich die acht Jahre alte Lisa noch ein wenig gedulden muss. „Schade, dass die Kuppel nicht geöffnet ist und ich nicht durchs Teleskop sehen kann”, sagt sie und sucht Schutz im Zelt vor der Sternwarte. Ein durchaus irdisches Problem - aber selbst das kommt von ganz oben.
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