Aachen - Wenn bereits die Jüngsten Fremdsprachen pauken

Wenn bereits die Jüngsten Fremdsprachen pauken

Von: Franziska Krämer
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Turnmatten und buntes Spielzeug statt Tafel und Tische: Vera Krumm bringt Kleinkindern mit Fingerpuppen spielerisch Englisch bei. Foto: Franziska Krämer

Aachen. Im Klassenzimmer von Vera Krumm gibt es keine Tafel oder Tische und Stühle, sondern Turnmatten und eine bunte Spielecke. Die Diplom-Sozialpädagogin bietet seit zehn Jahren Englisch-Kurse an – für Kleinkinder von zwei bis vier Jahren.

Der Gedanke: Je früher Kinder mit der Sprache in Berührung kommen, desto besser. Gerade in dieser Altersstufe sei das kindliche Gehirn am aufnahmefähigsten, sagt die 38-Jährige. In einer lockeren und spielerischen Atmosphäre könnten die Kleinkinder eine Fremdsprache genauso natürlich lernen wie die Muttersprache.

Mit einem englischen Malbuch, kleinen Fingerpuppen und vor allem viel Gesang üben die Knirpse einzelne Worte und Phrasen. „Der Spaß soll bei uns immer im Vordergrund stehen, denn Kinder lernen nur über Spiel und Spaß. Wenn es den Kindern keine Freude macht oder sie unter Stress stehen, dann lernen sie auch nicht“, sagt sie.

Ursula Genzmer kann dies für ihre Kinder bestätigen: Ihr elfjähriger Sohn geht heute auf die weiterführende Schule, mit drei Jahren besuchte er den Englischkurs von Vera Krumm. „Mein Sohn hat davon nur profitiert. Er kann sich viel schneller etwas im Englischen merken“, sagt die Mutter. Für sie und ihren Mann sei der Englischunterricht, den auch ihre siebenjährige Tochter besucht, eine Freizeitbeschäftigung wie jede andere gewesen. Die Kinder hätten daran viel Spaß gehabt.

Vera Krumm liegt mit ihren Kursen voll im Trend. Ihr aktueller für die „Minis“ ist restlos ausgebucht. „Ich könnte jetzt direkt den nächsten Kurs aufmachen.“ Und das, obwohl sie inzwischen keine Werbung mehr mache.

Sprachen mühelos lernen

Doch es gibt auch Kritiker. „Es kommen Kommentare, dass die Kinder zum Beispiel genauso gut Chinesisch lernen könnten. Das kommt aber von Menschen, die sich noch nicht näher mit dem Thema beschäftigt haben“, sagt Krumm. Diejenigen wüssten nicht, dass Kinder der Sprachforschung zufolge von Anfang an die Anlage haben, Sprachen mühelos zu lernen. Deshalb plädiert die Pädagogin dafür, die Kinder schon im Kindergarten an die englische Sprache heranzuführen, allerdings ohne Leistungsdruck aufzubauen.

Die Erziehungswissenschaftlerin Cornelie Dietrich sieht die Entwicklungen kritisch: „Das Ganze hat wie jedes Freizeitangebot, das wir Kindern geben, so etwas wie einen Subtext.“ Kinder verbrächten immer mehr Zeit in pädagogischen Institutionen, um gefördert zu werden. „Dass solche Angebote wie Frühenglisch dazu kommen, zeigt, dass es selbstverständlich wird, mit einer Fremdsprache zu beginnen.

Und das nicht mit irgendeiner, sondern mit einer für die Berufswelt nützlichen Fremdsprache“, sagt Dietrich. Weil nicht alle Kinder ein solches Angebot nutzen könnten, entstehe ein Wettbewerb, sagt die Professorin. Dafür dürfe man die Eltern aber nicht verurteilen. „Die Eltern sind auch Teil der großen Maschinerie unserer Leistungsgesellschaft.

Sie machen das nicht ganz aus freien Stücken, sondern werden in gewisser Weise auch von den eigenen beruflichen Ängsten oder unserem Wirtschaftssystem dazu getrieben.“ Argumentiere man aber nur mit dem Spaßfaktor, könne man die Kinder aber ebenso gut in den Garten oder den Wald schicken.

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