Weniger Taten, aber immer mehr Angst

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Fakten, die eine positive Tendenz verzeichnen. Jedoch macht sich das Gefühl der Unsicherheit bei vielen Bürgern in der Städteregion breit. Foto: Hans-Gerd Claßen

Aachen. Gefühl und Fakten – damit ist es in diesen Tagen immer so eine Sache. Nicht immer sind sie miteinander in Einklang zu bringen. So wird Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach derzeit nicht müde, durchaus positive Nachrichten zu verkünden. So etwa, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche in Aachen doch deutlich zurückgegangen sei.

Auch bei Straßenraub gehen die Zahlen herunter – nachdem es vor nicht allzu langer Zeit noch Raubserien in der Innenstadt gegeben hatte. Und im Bereich der Gewalttaten – gefährliche Körperverletzung zum Beispiel – sieht der Trend nicht weniger erfreulich aus.

Weinspach führt das auch darauf zurück, dass die Aachener Polizei seit einiger Zeit einen enormen Aufwand auf der Straße betreibt – etwa in Form von starker Präsenz in Schwerpunktbereichen der City wie am Bushof oder in der Pontstraße. Oder auch in Form von – immer häufiger gefahrenen – Großaktionen gegen Einbrecherbanden. Nur: Das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung ist ein ganz anderes. Die Angst, Opfer einer Straftat zu werden, nimmt immer mehr zu.

Dieser Widerspruch zeigte sich auch bei einer Podiumsdiskussion, der FDP – moderiert von Olaf Theissen – im Haus Löwenstein. Schon die Überschrift „Wachsende Kriminalität in Aachen – Verunsicherte Bürgerschaft?“ passte nicht zu den Zahlen, die Weinspach mitgebracht hatte.

Einsätze zeigen Wirkung

„Die Schwerpunkteinsätze in den vergangenen Monaten zeigen Wirkung: In allen Kriminalitätsbereichen – außer bei den Kfz-Diebstählen – können wir Rückgänge verzeichnen. Die gefühlte Lage ist schlimmer als die reale“, betonte er. Ebenso Stadtdirektorin und Ordnungsdezernentin Annekathrin Grehling: „Es gibt in Aachen keinen Anlass für ein extrem schlechtes Sicherheitsgefühl.“

Polizei, Ordnungsamt und Staatsanwaltschaft arbeiteten in Aachen schon deutlich länger intensiv zusammen, als das in anderen NRW-Kommunen der Fall sei. Dort seien entsprechende Arbeitsgruppen erst nach den Silvester-Übergriffen von Köln installiert worden.

„So konnten wir hier zum Beispiel einen drohenden Rockerkrieg verhindern, weil wir schnell in engem Verbund ein Konzept gefunden haben“, berichtete der Polizeipräsident. Die Stadt habe ein Kuttenverbot ausgesprochen, Polizei und Staatsanwaltschaft hätten schnell bei Straftaten ermittelt und Haftbefehle gegen die Führungsebene ausgestellt und vollstreckt.

Auch bei der Personaldecke der Polizei befinde man sich in einer „relativ guten Lage“. Als Schwerpunktbehörde habe Aachen mehr Personal besonders für den Wachdienst bekommen. Zudem meinte Weinspach: „Ich bin froh, dass wir nicht in einem Staat leben, wo an jeder Ecke Polizei steht.“

Rechtsanwalt Dr. Cliff Gatzweiler (FDP) monierte hingegen: „Die Ermittlungs- und Gerichtsverfahren dauern viel zu lange. Das schürt den Eindruck, dass kein Täter zur Rechenschaft gezogen wird.“ Gleichzeitig lehnte er Schnellverfahren ab. Und auch Videoüberwachung – wie für den Bushof vorgesehen – sei nicht unbedingt das richtige Mittel der Wahl.

Alle drei waren bemüht, sich des Unsicherheitsgefühls der Besucher anzunehmen. Denn genau das stand unverkennbar im Raum. Weinspach: „Jede Tat ist geeignet, das Opfer nachhaltig zu traumatisieren. Es gibt keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen.“ Grehling: „Jeder Übergriff auf Ordnungsleute kommt zur Anzeige. Wir wollen das Bewusstsein schärfen, dass so etwas nicht richtig ist.“ Auch die Polizei verfolge in dieser Sache eine Null-Toleranz-Strategie.

Was bleibt, ist das sich immer öfter einstellende ungute Gefühl. Rüpelhaftes Gegeneinander, Respektlosigkeit gegenüber allen Menschen in Uniform, Unaufmerksamkeit gegenüber den Mitmenschen, fehlende Zivilcourage – dagegen helfen keine Gesetze und keine Strafverfolgung. Deshalb blieb Weinspach nur der Appell: „Schauen Sie nicht weg, übernehmen Sie Verantwortung – für sich selbst und andere. Hass schüren ist der falsche Weg. Das treibt die Gesellschaft auseinander.“

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