Weltrekord beim ersten Aachener Zauberwürfel-Turnier

Von: Mischa Wyboris
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Der Dreh gegen die Zeit: Beim ersten „Speedcubing”-Turnier in Aachen jagten rund 90 Teilnehmer aus sieben Nationen die Bestmarken in 18 Disziplinen. Dabei fiel am Sonntag auch ein Weltrekord. Foto: Markus Schuldt

Aachen. Bis zum 16. Jahrhundert war man der Ansicht, die Welt sei eine Scheibe. Fortan dachte man, sie sei eine Kugel. Spätestens seit dem vergangenen Wochenende aber ist klar: Die Welt ist ein Würfel - bunt, komplex und irrsinnig schnell! Axel Häck weiß das schon seit langem. Der „Speedcuber” ist einer von rund 90 Teilnehmern beim ersten „Aachen Open” der Zauberwürfeldreher.

Noch ruhen seine Hände auf der Stoppuhr, die vor ihm auf dem Turniertisch liegt. Einziges Objekt aller Konzentration: ein wild verdrehter Zauberwürfel. Dann beinahe so etwas wie ein Urknall: Ein grünes Licht blinkt auf, seine Finger beginnen zu fliegen.

Ein kleines Farbenuniversum, das sich immer weiter ausbreitet, eine Bewegung scheinbar ohne Ecken und Kanten - mehr ist nicht zu erkennen, wenn sich der Blick im Würfelwunder verliert. Plötzlich fällt das Gebilde, als sei es heiß geworden wie die Sonne, vor ihn auf den Tisch zurück - das Rätsel ist gelöst.

Axel Häck hat die Weltformel herausbekommen. Genauer gesagt: Er kennt viele Algorithmen, jene Lösungsschritte bei bestimmten Konstellationen der bunten Steine, auswendig. „Im Turnier wird nicht mehr gedacht, man muss sich Automatismen antrainieren”, sagt der 23 Jahre alte Aachener Mathematikstudent und verrät: „Schon der Zweierwürfel mit nur vier Feldern pro Seite hat 3,6 Millionen mögliche Positionen. Beim Sechser-Cube sind es dann mehr Positionen als Physiker Atome im Weltall vermuten!”

Einige Schritte von ihm entfernt sitzt der 19-jährige Erik Akkersdijk. Hektisch und doch scheinbar ruhig lässt er einen Speedcube durch seine flinken Finger gleiten. Er hat den Viererwürfel eben in 47,94 Sekunden gelöst - Weltrekord! „Es macht zufrieden, wenn man in der Lage ist, in wenigen Sekunden zu lösen, was viele als das härteste Puzzle der Welt bezeichnen”, sagt der Niederländer, der seit mehr als drei Jahren etwa zwei Stunden täglich trainiert.

Vier Züge und mehr in einer einzelnen Sekunde - für Würfelvirtuosen ist das Normalität. Michael Pohl ist so einer. „In einem Monat habe ich alle 78 Algorithmen auswendig gelernt”, sagt der 18-Jährige über seine bevorzugte Strategie, die „Jessica-Fridrich-Methode”, und erklärt: „Später läuft das alles nur noch unterbewusst.”

Dann verliert er sich wieder in seinem Würfel. An den Turniertischen vor ihm versuchen unterdessen seine Kontrahenten, die von einem Rechner einheitlich vorgegebene Ausgangskonstellation des Würfels zu knacken.

Viele Aachener haben dabei den Dreh raus, weiß Robin Blöhm, Mathematikstudent, amtierender deutscher Meister im Zauberwürfeln und Veranstalter des Turniers, zu dem im Studentenwerk neben Drehkünstlern aus der Euregio auch Würfler aus Frankreich und Indonesien zusammengekommen sind.

„In Aachen hat sich eine große Gemeinschaft von Speedcubern entwickelt; da war es klar, dass wir hier auch ein Turnier brauchen.” Was den 21-Jährigen an seinem Sport meisten begeistert, liegt im Wortsinn auf der Hand: „Dass jeder diesen Würfel kennt, aber niemand weiß, in welchem Tempo man ihn lösen kann.” Wer die kubistische Weltformel nicht beherrscht, hält es jedenfalls für Lichtgeschwindigkeit.
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