Aachen - Weltmarktführer: Schwartz Gruppe produziert auch in Aachen Anlagen

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Weltmarktführer: Schwartz Gruppe produziert auch in Aachen Anlagen

Von: Robert Esser
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So groß wie eine Hausreihe: Schwartz-Chef Alexander Wilden vor einer Wärmebehandlungsanlage, made in Aachen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Quote imponiert. Wer heute in sein Auto steigt, darf mit nahezu 80-prozentiger Sicherheit davon ausgehen, dass ein oder mehrere Bauteile seiner Karosse auf gigantischen Anlagen der Schwartz GmbH mit Sitzen in Rollesbroich, Schanghai und inzwischen auch Aachen produziert wurden. Die Automarke ist dabei egal. Audi, BMW, Daimler, Ford, Fiat, VW, Volvo, Renault etc. – alle dabei.

Denn das hiesige Unternehmen Schwartz, 1984 in einer Garage in Gevelsberg mit einem einzigen Schweißgerät gegründet, ist Weltmarktführer. Die Schwartz Gruppe mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung und alleinigen Inhaber Alexander Wilden an der Spitze der weltweit über 200 Mitarbeiter hat sich auf die Fertigung und Konstruktion von Wärmebehandlungsanlagen für Stahl, Aluminium und andere Metalle spezialisiert – und ist rund um den Globus schon seit Jahrzehnten etabliert.

Ohne diese bis zu 60 Meter langen und haushohen Anlagen für das sogenannte Presshärten läuft in der Automobilbranche kein Fahrzeug vom Band. Weitere Kunden finden sich in den Segmenten Metallverarbeitung, Glasindustrie und im Flugzeugbau – zum Beispiel Airbus. Überall sind die zig Tonnen schweren Kolosse gefragt. Über 1000 sind weltweit in Betrieb, davon 160 Spezialsysteme zur Aluminiumverarbeitung. Unterm Strich stehen 2017 knapp 77 Millionen Euro Umsatz. Für 2018 werden 84 Millionen Euro erwartet.

„Der asiatische Markt ist für uns von entscheidender Bedeutung“, erläutert Geschäftsführer Wilden – zumal der nordamerikanische Markt in der Ära Trump „deutlich abgekühlt“ sei. Zwei Dutzend Anlagen gingen vergangenes Jahr allein nach China. „Mit 25 Millionen Fahrzeugen bauen die Chinesen etwa doppelt so viele wie ganz Europa“, ordnet der Chef die Größenordnung ein. Für die Entwicklung, Konstruktion und Fertigung der Anlagen braucht man Platz, bevor diese wieder zerlegt, verschifft und beim Kunden in Übersee erneut montiert werden. Das Problem: Optimale Gewerbeflächen zu finden, ist hierzulande schwierig.

14.000 Quadratmeter

Zu den 4500 Quadratmetern Produktionsfläche in Rollesbroich kamen 2017 mehrere tausend Quadratmeter in Aachen-Schleckheim hinzu. „Eine Erweiterung unserer Produktionskapazitäten am Hauptsitz der Schwartz-Gruppe in Simmerath war nicht mehr möglich“, erläutert Wilden. „Als wir davon erfuhren, dass auf dem Gelände der Schumag AG eine geeignete Halle mit angeschlossenem Bürogebäude verfügbar war, war für mich direkt klar, dass die Hütte GmbH, die seit Mitte 2016 ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Schwartz-Gruppe ist, dorthin umziehen wird.

Wir haben an dem neuen Standort über 14.000 Quadratmeter Fertigungsfläche. Die Hallen sind hell und bieten optimale Bedingungen für die Mitarbeiter der Hütte GmbH. Die Anbindung an die Autobahn ist sehr gut, was uns Vorteile bei der Anlieferung von Material und beim Abtransport der fertigen Anlagen zum Kunden bietet.“ Und noch mehr Kriterien sind in Aachen weniger problematisch als in der Eifel – mal ganz abgesehen vom Breitbandausbau im ländlichen Gebiet, den Wilden als „desaströs“ bezeichnet.

„Bei der vorgesehenen Produktionssteigerung und Entwicklung unserer Produkte war zudem die Nähe zu den Hochschulen der Stadt Aachen ein wichtiges Entscheidungskriterium.“ Hier engagiert sich Wilden mit seiner Schwartz-Gruppe nicht nur intensiv als Partner und Finanzier der Fachhochschule Aachen. Aber das ist nur ein Teil des Erfolgsrezepts: „Wir haben zum Glück keine Probleme, Fachkräfte zu halten oder neue zu finden“, freut sich Wilden. „Unsere Stammbelegschaft ist schon seit vielen Jahren dabei. Fluktuation haben wir so gut wie gar nicht. Weil die Schwartz-Gruppe mittlerweile auch überregional bekannt ist, haben wir viele Bewerber. Darunter auch Kandidaten außerhalb der Eifel, die für den Job hierherziehen würden.“ Und: „Durch den neuen Standort der Hütte GmbH in Aachen sind wir als Arbeitgeber auch für räumlich gebundene Bewerber attraktiver geworden.“

Gewebegebiet Pascalstraße

Sollten deswegen – für die Schwartz-Gruppe und andere hiesige Industrieunternehmen – die Ausweisung nötiger Gewerbeflächen von der Stadt Aachen forciert werden? „Ich denke, es geht weniger um die Masse als um die Qualität der Gewerbeflächen“, gibt Wilden zu bedenken. „Im Gewebegebiet Pascalstraße, das ja direkt um die Ecke zur Hütte GmbH liegt, ist noch Platz für neue Firmen. Nur sind die Gewerbesteuern und die Grundstückspreise viel höher als im Umland.“ Man müsse immer abwägen, worauf man seinen Fokus legt: entweder mehr Platz und geringere Kosten und dafür weiter entfernt von Aachen – oder man braucht die Nähe zur Stadt weil der Geschäftszweck das mit sich bringt und nimmt dafür die Kosten in Kauf. Schwartz-Chef Wilden rät: „Die Stadt Aachen sollte aber weiterhin flexibel auf den möglichen Bedarf an weiteren Gewerbeflächen vorbereitet sein.“

Gespräche dazu laufen bereits. Automatisch läuft das nicht, sonst sinkt die Industriequote in der Region Aachen – trotz beeindruckender Erfolgsstorys wie aus dem Hause Schwartz.

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