Aachen - Weltkriegsbunker: Anwohner wehren sich gegen Abriss

Weltkriegsbunker: Anwohner wehren sich gegen Abriss

Von: Jan Mönch
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Neubau geplant: Anstelle des düsteren Bunkers an der Försterstraße sollen Mehrfamilienhäuser mit 50 Wohnungen entstehen. Foto: Harald Krömer

Aachen. 22.000 Kubikmeter Stahlbeton stehen seit finsteren Weltkriegstagen am Fuße des Lousbergs und bringen ein gewaltiges Kampfgewicht auf die Waage. Wenn sie verschwinden, das befürchtet Torsten Rumor, gerät oberhalb alles ins Rutschen. „Schließlich besteht der Berg aus Lehm und Sand.“

Ins Rutschen bringen – genau das will die Bürgerinitiative (BI) Bunker Rütscher Straße erreichen, wenn es um die Pläne des Aachener Investors Norbert Hermanns geht. Wie mehrfach berichtet, hat dieser den Bunker zwischen Rütscher Straße und Försterstraße erworben. An dessen Stelle sollen Mehrfamilienhäuser mit 50 Wohnungen treten. Außerdem geplant: Autostellplätze sowie eine Tiefgarage. Gegen eine Umgestaltung des Bereichs hat die BI mit den Worten von Rumor zwar nichts einzuwenden. „Aber erst mal soll die Verwaltung ihre Hausaufgaben machen.“

Mitterweile versuchen Rumor und seine Mitstreiter gleich an drei Fronten, das Vorhaben in die aus ihrer Sicht richtigen Bahnen zu lenken.

Erstens: Der Rechtsweg. Die BI hat bereits Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Neubebauung gestellt. Auch mit der Bezirksregierung Köln als oberster Bauaufsichtsbehörde steht Rumor in Kontakt. Denn die Stadt Aachen hat seinen Antrag auf Aufhebung der erteilten Abrissgenehmigung abgelehnt – „mit blumigen Aussagen, die zum Teil unrichtig sind“, so Rumors Urteil. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Abrissgenehmigung so, wie sie ist, rechtswidrig ist.“Außerdem prüfe ein anderer Anwohner, ob er gegen die Pläne Klage einreichen soll. Bei der Stadt werden die Bedenken der BI bislang nicht geteilt. Hinsichtlich der angemahnten Gutachten sei für alles Notwendige gesorgt, heißt es sinngemäß in einer Mitteilung der Bauaufsicht an Rumor.

Zweitens: Unterschriften. Mittlerweile hat die Bürgerinitiative rund 500 Unterschriften gegen den Abriss des Bunkers gesammelt. Rumor: „Wir hoffen, die Unterstützerzahl nun auf über 1000 anzuheben, damit die Verwaltung erkennt, dass nicht nach Gutsherrenart verfahren werden kann und die Verwaltung nicht nur gegenüber dem Investor ihren Verpflichtungen nachkommen muss.“

Drittens: Der Stadtrat. Die Bürgerinitiative hat mittlerweile Ratsherr Hans-Dieter Schaffrath von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) für ihr Anliegen gewinnen können. In einer Ratsanfrage will er unter anderem wissen, wie es um die Erstellung eines Verkehrsgutachtens steht und seit wann der Bunker der Bauaufsicht als „störendes Element“ gilt. Auch stellt Schaffrath die Standsicherheit der an den Bunker grenzenden Gebäude infrage. Dabei teilt der Kommunalpolitiker mitnichten zu 100 Prozent die Ansicht der BI: „Der Bunker ist nicht schön, eine schöne Wohnbebauung hingegen kann ich mir an dieser Stelle vorstellen.“ Dennoch sei es Aufgabe der Stadtverwaltung, die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen. „Und leider hat die Verwaltung sich angewöhnt, in solchen Fällen Antworten zu geben, die nicht Fisch und nicht Fleisch sind.“

Bislang nur geplant: Um die Theorie vom nachgebenden Hang des Lousbergs fachlich zu untermauen, will die BI ein sogenanntes bodenmechanisches Gutachten in Auftrag geben. In diesem sollten die Auswirkungen des Abrisses auf den Untergrund untersucht werden.

Neben dem abrutschenden Lousberghang fürchten die Anwohner erheblichen Lärm bei den bevorstehenden Abrissarbeiten. Und sie fragen sich, ob die hierfür vorgesehen Firma, HP Demorec aus Maastricht, diese überhaupt meistern kann. Rumor: „Es geht nicht um irgendeine Hütte auf einer Wiese, sondern um einen Bunker. Und der wurde schließlich gebaut, um Granatbeschuss und Bomben auszuhalten. Mit der Abrissbirne kann man sich da einen Wolf arbeiten.“

Schon eine BI ist gescheitert

Abgesehen davon betrachten Denkmalschützer den Bunker als wertvoll. Hier nämlich wurde die Kapitulation Aachens gegenüber den Alliierten unterschrieben. „Hier endet am 21.10.1944 für Aachen die Naziherrschaft und es begannen Freiheit und Demokratie“, heißt es dort auf einer Tafel.

Torsten Rumor weiß, dass es nicht einfach wird, an den Plänen noch etwas zu ändern. „Wir wollen dem Herrn Hermanns sein Baurecht ja gar nicht nehmen“, sagt er. „Wir würden nur gern mit ihm an einen Tisch kommen. Die Chancen dafür stehen fifty-fifty.“

Allerdings weiß er auch, dass schon eine andere BI daran gescheitert ist, Hermanns vom Abreißen abzuhalten: Am Veltmanplatz wollten Anwohner vergangenes Jahr das ehemalige Wollforschungsinstitut retten. Das Gebäude ist mittlerweile Geschichte.

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