Aachen - Welt-Aids-Tag: Ein Plädoyer für Normalität

Welt-Aids-Tag: Ein Plädoyer für Normalität

Von: svp
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Aachen. „Was machst du, wenn dein bester Freund HIV hat?“ „Alles, was wir immer machen.“ Mit solchen und anderen Aussagen macht die Aids-Hilfe Aachen im Rahmen des internationalen 28. Welt-Aids Tages am Dienstag, 1. Dezember, auf die Thematik aufmerksam.

Unter dem Motto „Positiv zusammenleben – gegen Diskriminierung“ möchten Betroffene und Organisatoren in einer landesweiten Kampagne über Gefahren sowie Schutzmöglichkeiten in Sachen HIV-Infektion informieren und Solidarität gegenüber betroffenen Menschen zeigen. Walter Brüsseler, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Aachen, hofft, dass die Kampagne möglichst viele Menschen erreicht: „In Deutschland leben rund 83.400 Menschen mit HIV oder AIDS, wobei 480 HIV-Infizierte im Jahr 2014 gestorben sind. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen im letzten Jahr wird auf 3200 geschätzt und bleibt damit gegenüber 2013 unverändert.“

Das Problem sei, dass geschätzte 13.000 der 83.000 Menschen mit HIV/AIDS noch gar nichts von ihrer Infektion wissen. Dabei könne dank einer schnelleren und früheren Diagnose die Gesundheit stabilisiert und die Vermehrung der Viren im Körper extrem vermindert werden, wodurch der Ausbruch von Aids verhindert werde. „Menschen mit HIV können hier also eine ganz normale Lebenserwartung haben und aktiv an allen Lebensbereichen teilnehmen.“

Doch während die Betroffenen selbst ihr Leben völlig gewöhnlich gestalten, sind laut Brüsseler die Einstellungen und Ansichten in der Bevölkerung oftmals von irrationalen Ängsten und Vorbehalten geprägt, die eine wirkliche Normalisierung des Lebens mit HIV verhindern. Das merkt leider auch Alexandra Frings ab und zu. Denn mit ihrer HIV-Infektion hat sie nicht nur Diskriminierung erfahren, auch moralische Bewertungen setzten ihr zu.

„Übertrieben Schutzmaßnahmen, wie zwei Paar Handschuhe anziehen, sind nur ein Beispiel für die Irrationalität mancher Leute. Ich habe es auch schon erlebt, dass mir in einer Arztpraxis der letzte Termin angeboten wurde mit der Begründung, man müsse ja anschließend die gesamte Praxis desinfizieren“, erzählt Frings. Allerdings seien solche Äußerungen nicht die Regel. Jedoch hätten viele Angst und seien Unsicher im Umgang mit HIV-Erkrankten, wenn sie dem Thema konkret begegnen.

Für die Aaids-Hilfe ist deshalb auch die Präventions- und Informationsarbeit ein wichtiger Aspekt. In Schulen informieren sie und klären auf. So sind bezogen auf das inländische Infektionsgeschehen Männer, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben, mit ungefähr 53.800 Infizierten nach wie vor die Hauptbetroffenengruppe.

10.500 Menschen haben sich auf heterosexuellem Weg mit HIV infiziert. 240 der Neuinfektionen entfallen auf Menschen, die sich Drogen injezieren. Für den Raum Aachen liegen keine gesonderten Daten vor. Ein Anhaltspunkt kann aber die Zahl der Patienten sein, die in der Aachener Schwerpunktpraxis behandelt werden. 2014 waren dort 658 Patienten in Behandlung. Die Aids-Hilfe Aachen hat in Beratung und Selbsthilfeprojekten in den letzten Jahren zu mehr als 400 Menschen mit HIV und AIDS Kontakt gehabt. Weitere Infos unter www.aidshilfe-aachen.de.

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