Aachen - Weiter Weg von der Talsperre bis ins Glas

Weiter Weg von der Talsperre bis ins Glas

Von: Lars Odenkirchen
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Glück auf! Regelmäßig steigen Stawag-Mitarbeiter hinunter in die Kanalisation. Dort wundern sie sich nicht selten, was sie so alles finden. Foto: Lars Odenkirchen

Aachen. Das flaue Gefühl im Magen ist schwer zu verdrängen. Allein das karge Licht der Neonröhren, der lange, dunkle Gang und die Betonwände, die entfernt an einen Bunker erinnern, wirken gewaltig, fast schon ein wenig bedrückend.

Doch das wirklich Beeindruckende kann man von hier, aus dem Inneren der Staumauer der Dreilägerbachtal-Sperre, gar nicht sehen: Drei Milliarden Liter Wasser befinden sich auf der anderen Seite der Wand, eine unvorstellbare Menge, die mit gewaltiger Kraft auf die Mauer wirkt und darauf wartet, Liter für Liter in Richtung Aachen zu fließen. „Den meisten Leuten ist gar nicht bewusst, dass mit diesem Wasser noch viel Aufwand betrieben werden muss, bis es beim Verbraucher ankommt”, meint Andreas Maul.

Er selbst weiß das schon von Berufswegen her: Maul ist Vertriebsleiter bei der Stawag, das Wasser an die Aachenerin und den Aachener zu bringen, ist sein täglich Brot.

An diesem „Unwissen” möchte die Stawag allerdings gerne etwas ändern und hat deswegen zu einer Pressefahrt unter dem Motto „Wege des Wassers” eingeladen. Los geht es dabei an der Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWA) in Roetgen, die direkt an der Dreilägerbachtalsperre gelegen ist und beinahe dreiviertel des Aachener Wasserbedarfs aus fünf miteinander verbundenen Talsperren für die Haushalte und Industriebetriebe liefert.

Idyllisch ist der Ausblick von der Spitze der Staumauer, das Umfeld ist unbewohnt, rund um den Stausee ist alles bewaldet. „Das sind ideale Vorraussetzungen”, weiß Walter Dautzenberg, Geschäftsführer der WAG, einer fünfzigprozentigen Stawag-Tochter, die die Aufbereitungsanlage betreibt. Die einsame Lage der Talsperre hat schließlich nicht nur einen romantischen Wert: Inmitten der Natur ist die Wasserqualität deutlich besser, weil Verschmutzungen durch den Menschen minimiert werden. Dennoch muss ein hoher Aufwand betrieben werden, um aus dem „Rohwasser” Trinkwasser zu machen. Die erste Station ist dabei die Halle mit der hochmodernen Membranfilteranlage.

Keinen einzigen Tropfen bekommt man hier zu Gesicht, sehr wohl ist aber ein leises, beständiges Surren zu vernehmen. Die Membranfilter sind lange Metallröhren, in denen sich jeweils tausende dünner Kapillare aus Kunststoff befinden, die ein wenig an Strohhalme erinnern. Das Wasser läuft zuerst in die Kapillare und dann durch deren Wände, Bakterien und Viren bleiben in den feinen Poren hängen und werden so herausgefiltert. Die Anlage ist die größte dieser Art in Deutschland: Würde man die feinen Rohre aufklappen, ergäbe die Filterfläche zwölf Fußballfelder.

Nach der Membranfilterung geht es dann durch einen weiteren Filter, der mit Kalkstein dem sehr weichen Talsperrenwasser ein wenig Härte verleiht. Aachens Wasser stammt allerdings nicht nur aus Talsperren. Rund ein Viertel der 18 Millionen Kubikmeter pro Jahr wird aus Grundwasserquellen gewonnen, etwa im ältestem Wasserwerk, dem Eicher Stollen in Oberforstbach. Über 2,3 Kilometer bis kurz vor Kornelimünster zieht sich der Stollen wie ein gewaltiger Schlauch durchs Erdreich. Die Leitung, in der das Wasser aus dem Stollen fließt, ist in Teilen noch ein Original aus dem Jahr 1880 - ganz anders als die Maschinen und Filter, die natürlich auf einem deutlich moderneren Stand sind.

In den Wasserrohren der Stadt fließen Eifel- und Grundwasser schließlich zusammen, wenn auch die Mischung in der Innenstadt eine andere als in den Bezirken ist. Rund 150 Kubikmeter verbraucht ein Durchschnittshaushalt im Jahr, der größte Industriekunde der Stawag hingegen bis zu einer Millionen Kubikmeter.

Irgendwann muss das Wasser aber auch wieder durch Abfluss oder Toiletten zurück in die Kläranlage. Dabei geht es durch sogenannte Rückhaltebecken, wie etwa das in der Hüttenstraße, das über eine Metallleiter und Wendeltreppen einen der komfortabelsten Einstiege ins weit verzweigte Kanalnetz bietet. Im Kanal angekommen überraschen gleich zwei Dinge: Der Gestank ist längst nicht so schlimm, wie man denkt - das Müllaufkommen aber dafür umso dramatischer. „Es gibt nichts, was man hier im Kanal nicht findet”, weiß Jörg Lütten von der Stawag und zeigt dabei auf Plastikflaschen und Lebensmittelreste, „das ist auch deswegen ein Problem, weil man damit allerlei Ungeziefer züchtet.”

Dennoch: Am Ende findet das Wasser einen Weg in die Kläranlage, von wo es gesäubert wieder ins Gewässer zurückfließt. Irgendwann kommt es dann vielleicht wieder in der Talsperre an und macht sich auf den nächsten weiten Weg - damit in Aachen Gläser, Kochtöpfe und Badewannen stets gefüllt bleiben.
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