Weiter Streit um Standort für Windpark

Von: Matthias Hinrichs
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Rotieren sie bald auch an der Himmelsleiter? Die Umweltverbände machen weiter mobil gegen den Windpark im Münsterwald. Sie argumentieren unter anderem, dass bestehende Anlagen wie hier in Vetschau zunächst „ertüchtigt“ werden sollten. Einen Termin zur Übergabe einer umfangreichen Stellungnahme lehnte die Stadt letztlich ab. Foto: Michael Jaspers
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Macht weiter Druck gegen die Windpark-Pläne im Aachener Süden: NABU-Vorsitzender Claus Mayr.

Aachen. Diese „Standortverlagerung“ in Sachen Windpark war so gar nicht im Sinne seiner prominentesten Kritiker. Denn eigentlich hatten die Vertreter der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) sowie von NABU und BUND am Montagmittag einen Termin mit dem zuständigen Dezernenten Dr. Lothar Barth vereinbart.

Der habe zunächst zugesagt, dass er das frisch gedruckte Positionspapier der Umweltschützer gegen die geplante Errichtung von sieben Rotoranlagen im Münsterwald offiziell entgegennehmen werde. „Dann wurde das Treffen plötzlich abgeblasen“, erklärte NABU-Vorsitzender Claus Mayr beim „Ausweichtermin“ im Verbandsbüro. Und machte aus seinem Ärger keinen Hehl: „Wir verstehen nicht, warum die Stadt als Genehmigungsbehörde sich hier einen schlanken Fuß macht.“ Schließlich sei die Eingabefrist für Stellungnahmen zum Großprojekt im Aachener Süden bereits am 4. März abgelaufen.

Eben drum – begründete Harald Beckers vom städtischen Pressebüro den kurzfristigen Korb auf Anfrage prompt. „Es handelt sich ja weiter um ein laufendes Verfahren.“ Und da habe man denn doch keine Veranlassung gesehen, den erklärten Windpark-Widersachern eine neuerliche Plattform zu bieten. Vielmehr habe der Eindruck bestanden, dass die Verwaltung „vorgeführt“ werden solle. „Außerdem wird es am 28. April einen Erörterungstermin geben, bei dem noch einmal alle Einwände dargelegt werden können“, so Beckers.

Ihre wichtigsten Argumente haben die Naturschützer um Mayr und Rainer Hülsheger vom LNU-Vorstand in dem 78 Seiten starken Papier freilich längst untermauert. Dabei stützen sie sich nicht zuletzt auf ein aus ihrer Sicht durchaus „unverdächtiges“ Gutachten, das Experten der RWTH Ende 2014 gemeinsam mit dem Energieriesen Eon vorgelegt hätten. „Daraus geht klar hervor, dass es weitaus geeignetere Standorte nördlich von Aachen gibt – was wir schon immer gesagt haben“, erklärt Hülsheger. „Deshalb fordern wir weiterhin einen Masterplan für die Ansiedlung entsprechender Energieparks in der gesamten Städteregion.“ Denn vom Grundsatz her unterstütze man „die politischen Ziele zum Ausbau der erneuerbaren Energien“ durchaus. Aber: Es gebe wesentlich bessere Alternativen als ausgerechnet das ökologisch hoch empfindliche Areal zwischen Walheim und Roetgen – auch aus wirtschaftlicher Sicht, weil die Winde im Münsterwald für die Stromerzeugung eben keineswegs ideal seien, was die TH-Studie ebenfalls belege.

„Zunächst wäre es ohnehin wesentlich effektiver, vorhandene Anlagen zu ertüchtigen“, bekräftigt Hülsheger. Überdies werde in der aktuellen Stellungnahme nochmals klar dargelegt, dass der Bau von sieben knapp 200 Meter hohen Windrädern massive Beeinträchtigungen für die vielfältige Pflanzen- und Tierwelt zur Folge hätte. Auch geologisch bringe das Areal erhebliche Probleme mit sich. So müssten zum Bau der Fundamente massive Sprengungen vorgenommen werden, prognostiziert Mayr. Vor allem aber würden seltene und besonders schützenswerte Vogel- und Fledermausarten – etwa Milan, Schwarzstorch, Kranich und Eule – durch die rotierenden Giganten vertrieben oder getötet. Schon angesichts der Tatsache, dass rund ein Drittel der in Europa brütenden Kraniche über das betroffene Gebiet zögen, dürfe das Vorhaben nicht realisiert werden. Schließlich stehe zu befürchten, dass auch geschützte Säugetiere vertrieben würden, etwa die ex-trem sensible Wildkatze, die gerade erst wieder dort gesichtet worden sei. In Dänemark etwa seien sämtliche geplanten Windprojekte erst vor wenigen Tagen gestoppt worden. Man habe dort Hinweise, dass die Rotoren bei besonders hörempfindlichen Tieren zu massivem Stress führten, berichten die Naturschützer.

Deshalb wolle man weiter mit Nachdruck dafür kämpfen, dass der Münsterwald bleibe, was er sei – ein wichtiges Biotop, das auch durch die großen Stürme der jüngeren Vergangenheit kaum in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Hülsheger: „Ich gehe weiter davon aus, dass wir Klage erheben werden, falls die Stadt das Projekt an der Himmelsleiter tatsächlich genehmigen sollte.“

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