Weiter Froststarre im Etat für die freie Kultur

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
ka20bild
In der ganzen Städteregion gefragt - aber nach wie vor nur in Aachen gefördert: Die mobile Kindertheatertruppe des Das Da Theaters steckt tief im finanziellen Engpass. Foto: Harald Krömer

Aachen. Echte Frühlingsgefühle dürften in der freien Kulturszene zumindest in Sachen Subventionen kaum aufkommen - seit Jahren ist der städtische Topf zur Unterstützung von Bühnen, Film- oder Musikinitiativen auf 313.000 Euro eingefroren.

Dennoch: Was die einen bitter beklagen, werten andere fast schon als Segen - je nach Standpunkt. Die Politiker im Kulturausschuss übten sich denn angesichts extremer Schwindsucht im Stadtsäckel in der Kunst des verbalen Spagats - Motto: Im Grunde dürfe man gar stolz sein, dass die Stadt sich die kreative Vielfalt allerhand kosten lasse. Andererseits sei eine Erhöhung der Mittel angesichts stetig steigender Kosten - und teils extremer Belastungen der Künstler - „eigentlich dringend geboten” (FDP-Ratsfrau Ruth Crumbach-Trommler).

Bestes Beispiel: Für die mobile Kinderbühne des Das Da Theaters werden erneut lediglich 10.000 Euro locker gemacht. Dabei wurde das Engagement der Schauspieler, die in Kindergärten und Schulen der gesamten Städteregion praktisch permanent präsent sind, allseits in höchsten Tönen gelobt. „Wir hoffen, dass der Entschluss der Fraktionen, sich baldmöglichst mit den Kulturpolitikern der Städteregion an einen Tisch zu setzen, etwas bringt”, sagte Theaterleiter Tom Hirtz der AZ am Freitag.

Schließlich profitierten die übrigen Gemeinden im Kommunalverbund kaum weniger vom Engagement der Truppe. Hirtz: „Die Kollegen spielen über 50 Vorstellungen pro Woche - und das bei einem Nettoeinkommen von um die 800 Euro. Wenn wir nicht mehr Hilfe erhalten, müssen wir das Programm zurückfahren.”

Dabei gehört das Ensemble immerhin dem kleinen Kreis von Initiativen an, die über Leistungsvereinbarungen zumindest ansatzweise auf Planungssicherheit setzen können. Das Das Da Theater darf, zusätzlich zum mobilen Angebot, demnach mit weiteren 40.000 Euro rechnen, ebenso viel soll das Theater K. erhalten. Ferner werden das Deutsch-Französische Kulturinstitut (37.800 Euro), die Gesellschaft für Zeitgenössische Musik (24.000 Euro), der Neue Aachener Kunstverein (30.000 Euro) und die Aachener Kulturinitiative (18.300 Euro) weiter unterstützt. Vorbehaltlich einer Prüfung der Angebote bewilligten die Fraktionen zudem den Vorschlag, drei weitere Vereine in den Zirkel aufzunehmen, nämlich Music loft (25.000 Euro), den Musikbunker (5000 Euro) und den Förderverein Kunst und Internet (10.000 Euro).

Damit sind fürs laufende Jahr bereits 240.100 Euro vom Kulturkuchen verfrühstückt. Mit den restlichen Mitteln werden unter anderem bedacht: Kaleidoskop Filmforum (10.000 Euro), Haus der Märchen und Geschichten, Accordate (je 5000 Euro), der Verein Jazzecke, der Jakobshof sowie der Malteserkeller (je 8000 Euro). Allerdings hatten vor allem die beiden Letzteren ihre Erwartungen weit höher geschraubt.

So beantragte der Jakobshof einen Zuschuss von 54.750 Euro. „Also wird uns nichts übrig bleiben, als unser Veranstaltungsangebot weiter über Partys zu finanzieren, die wir eigentlich zurückfahren wollten”, erklärt Betreiber Wolfgang Schumacher. Ähnlich ergeht es dem Verein Malteserkeller, der 36.316 Euro beantragt hatte.

Langjährige Dissonanzen rund um den Kammermusikverein Quintessence klangen unterdessen im Ausschuss heftig nach: Die Entscheidung darüber, ob die Initiative weiter unterstützt wird, wurde vertagt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert