Aachen - Weißes Ohr weist auf besondere Qualität

Weißes Ohr weist auf besondere Qualität

Von: Peter Schopp
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Erweiterte Neuauflage des „induktiven Stadtplans für die Region Aachen“: Erich Stier, Josef Rothkopf, Marion Bergk, Anne Elsen, Helmut Thyssen, Simone Krauß und Ingeborg Jansen (von links) stellten den innovativen Wegweiser vor. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Wer nicht hören will, muss fühlen, sagt der Volksmund. Im Hörgeschädigtenzentrum (HGZ) Aachen an der Talbotstraße will jeder hören, und zwar so gut wie möglich. Aus diesem Grund arbeitet man hier intensiv im Projekt „Hören macht Verstehen“ an verbesserten Bedingungen für Hörgeschädigte. Ein immer bedeutenderes Instrument ist hierbei das induktive Hören.

Handwerklich ist das Prinzip schnell erklärt: Mit Hilfe von in Boden oder Wänden ausgelegten Kabeln wird ein Magnetfeld erzeugt, welches Signale auf direktem Weg vom Mikrofon in die Hörgeräte transportiert. Hierdurch wird ein deutlich besseres Hörerlebnis ohne Nebengeräusche erzielt als mit herkömmlichen Hörgeräten. Unabdingbares Muss beim induktiven Hören: Der Raum braucht eine entsprechende Verstärkeranlage, und die Hörgeräte müssen mit einer T-Spule ausgerüstet sein.

Das ist aber genau das Problem: „Bisher war es in Aachen unnötig, Betroffene auf die T-Spule hinzuweisen, da es kaum Örtlichkeiten gab, die induktives Hören anboten. Das hat sich in den letzten Jahren kolossal geändert“, erklärt Helmut Thyssen stellvertretender Vorsitzender des Vereins Arbeitsgemeinschaft Hörgeschädigter. Deshalb haben in der Vergangenheit noch viele Träger von Hörgeräten auf die T-Spule verzichtet.

Das soll sich nun ändern. Die Akustiker in Aachen sind auf das Thema fokussiert, nun müssen die Betroffenen es noch verinnerlichen. Die Mehrkosten für die Spule sind zu vernachlässigen, sogar die Kassen übernehmen diese Investition. Lediglich der Gerätekörper ist etwas größer. Dafür erhält man aber auch eine deutliche Qualitätssteigerung beim Hörgenuss.

Ein induktiver Stadtplan wird nun der Öffentlichkeit in einem kleinen Flyer vorgestellt, der bei der Stadt, bei Ohrenärzten und in Akustikgeschäften ausliegt. Hier wird schnell deutlich, dass die Anzahl der Örtlichkeiten mit diesem Angebot stetig zunimmt. Bei Neubauten öffentlicher Gebäude ist eine Induktionsschleife neuerdings Pflicht, bei bereits existierenden muss nachgerüstet werden. „Dabei ist es weniger ein finanzielles Problem als vielmehr ein fehlendes Problembewusstsein der Verantwortlichen“, berichtet Projektleiterin Marion Bergk.

Für sie sind die Behindertentoiletten ein tolles Beispiel: Früher eher die Ausnahme, sind die „stillen Örtchen für Behinderte“ heute selbstverständlich. Damit die „lauten Örtchen für Hörgeschädigte“ auch alltäglich werden, kämpft man am HGZ um ein größeres Problembewusstsein. So berichtet Karl Merkelbach, Ehrenvorsitzender des Vereins, davon, dass seit mehr als zehn Jahren Gespräche mit dem Stadttheater über die Beseitigung dieses „Funklochs“ geführt werden, ohne Erfolg.

Dabei könne man seitens des Theaters mit dem induktiven Hören durchaus auch neue Kunden gewinnen. Da sei man im Das Da Theater und im Grenzlandtheater deutlich weiter. Hier werden entsprechende Anlagen installiert und warten auf Nutzer, ebenso wie im Dom oder im Centre Charlemagne. Viele Kirchen sind ebenso gerüstet wie Hörsäle der RWTH und der FH Aachen.

Erich Stier von der Initiative für mehr induktive Höranlagen in Aachen würde auch gerne noch einmal im Krönungssaal des Rathauses eine Veranstaltung besuchen. „Aber solange ich keine besseren Hörmöglichkeiten vorfinde, ist ein Besuch in einer großen Menschenmenge einfach nur eine Qual“, ist er ein wenig traurig.

Die neue Behindertenbeauftragte der Stadt Aachen, Ingeborg Jansen, hat ihre Aufgabenliste deutlich verlängert: „Es ist gut zu erfahren, wo aktueller Handlungsbedarf besteht. Rathaus und Theater kommen ganz nach oben auf den Zettel“, versichert sie ihre Unterstützung. Erkennbares Zeichen für Räume mit induktiven Anlagen ist das stilisierte weiße Ohr auf blauem Grund mit einem T in der rechten unteren Ecke.

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