Aachen - Weißer Saal hat seinen Namen wieder verdient

Weißer Saal hat seinen Namen wieder verdient

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
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Der weiße Saal, hier bei einem Empfang für die Mitglieder des Rathausvereins aufgenommen, erstrahlt wieder in blütenreinem Weiß. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Vorbei die Zeiten, da der Oberbürgermeister und seine Vertreter bei offiziellen Empfängen verstohlen an die Decke des Weißen Saales blickten und dachten: Hoffentlich sieht´s keiner. Das Grau an Wänden und Decke, das dem Namen des Saales diametral widersprach.

Oder die tausende kleinen Risse, die das Stukkwerk perforierten. Alles Geschichte in dem Vorzeigeraum des Rathauses, der selbst historische Ereignisse erlebt hatte. Der Weiße Saal ist wieder zum Vorzeigeraum geworden. Und das durfte gefeiert werden. Am Dienstagabend wurde der Saal denen präsentiert, die entscheidend zu seiner optischen Wiedergeburt beigetragen haben: den Mitgliedern des Rathausvereins.

15.000 Euro hat der Verein, der das wichtigste weltliche Gebäude unserer Stadt unterstützt, für die Arbeiten aufgebracht und damit einen weiteren wichtigen Beitrag zur Sanierung geleistet.

Georg Helg, der selbst grundlegende Werke über das Haus verfasst hat, kredenzte den Gästen einen Kurzvortrag über die edle Stube, in der von Kaisern über Könige auch Bundeskanzler und -präsidenten begrüßt wurden.

Im nachgotischen Bau sei der Saal ab dem 14. Jahrhundert als Ratsstube genutzt worden, seit der Barockisierung zwischen 1727 und 1731 dann aber als kleiner Festsaal. „Dieser Saal ist ein Geschichtsbuch”, erklärte Helg die verschiedenen Motive, die sich an den Wänden wiederfinden: Das Rutenbündel als Symbol der Unterwerfung unter den Kaiser, das Schwert als Zeichen der Stärke, der Dekalog mit der Waage als Motiv für Gerechtigkeit und der Löwe stehe für Mut und Tapferkeit. In den Fensterleibungen finden sich Symbole der pax augusta - ein Friedenssymbol mit Bezug auf die längste Friedensphase im Römischen Reich unter Kaiser Augustus.

Der Saal war immer wieder Veränderungen unterworfen. Bei der Regotisierung des Hauses zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der barocke Stil erhalten, allerdings von vielen Schichten Tünche überdeckt. Wie so viele Gebäude Aachens wurde aber auch das Rathaus bei einem Bombenangriff am 14. Juli 1943 erheblich beschädigt. „Ein Zeitzünder landete zwischen Weißem Saal und Werkmeistergericht und zerstörte diesen zu Vierfünftel. Man konnte vom Keller bis in den Himmel durchblicken”, schilderte der Rathauskenner die Schäden anschaulich. Und: „Die Fassade hatte sich um 50 Zentimeter nach vorne geneigt - fünf Zentimeter mehr und die Dachkonstruktion wäre eingebrochen. Dann wäre kein Stein auf dem anderen geblieben.”

Es kam anders, die Fassade wurde gestützt und gerettet. 1951 war der Weiße Saal anhand von Fotos vollständig restauriert. Die letzte Renovierung vor der aktuellen erfolgte 1978. Als im Rahmen der Euregionalen 2008 Mittel für die Neugestaltung des Rathauses bewilligt wurden, war der Weiße Saal ausgeklammert. Der Rathausverein wurde aktiv. Bei der Renovierung mussten Techniken des 18. Jahrhunderts angewandt und ausschließlich Mineralstofffarben verwendet werden.

Ausgeführt wurden die Arbeiten von der Malerei Philipp - der Auftrag erfolgte aber vor Marcel Philipps Kandidatur zum Oberbürgermeister. Der ist als Stadtoberhaupt auch Vorsitzender des Rathausvereins - und froh, dass er seine Gäste jetzt in den Weißen Saal führen kann und dabei hofft, dass möglichst viele von Ihnen den Blick an die Decke richten.
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