Weihnachtsmarkt: Polizei schickt Trickdieb

Von: Robert Esser
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Schnelle Beute: Laienschauspieler Thomas Menke demonstrierte gestern im Auftrag der Polizei auf dem Weihnachtsmarkt eindrucksvoll, wie leicht Diebe Geldbörsen aus Handtaschen fischen können. Natürlich wurde den „Opfern“ ihr Geld danach wieder ausgehändigt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Alle Jahre wieder warnt die Polizei vor Taschendieben auf dem Weihnachtsmarkt. Zwar sind 2012 erst zwei Fälle aktenkundig. Doch die Gefahr steigt mit den Besucherströmen. 15 bis 20 Busse pro Tag mehr als im Vorjahr zählt Bustouristik-Chef Rolf Offermanns auf dem Sammelparkplatz Bend. Vergangenes Jahr waren es insgesamt 1747 Busse, 2010 nur 1685. „Wenn der Trend hält, gibt das bis zum 23. Dezember ein tolles Plus“, sagt Offermanns.

Zwar kommen nach seiner Beobachtung wegen der ungünstigen Wirtschaftslage weniger Engländer, dafür aber umso mehr Luxemburger, Franzosen, Niederländer und Belgier – wegen des idyllischen Weihnachtsmarktes im historischen Stadtkern „und dann auch wegen der preiswerten Fabrikverkäufe rund um den Bendplatz“, wie Offermanns betont.

Novum 2012: Die Aachener Polizei warnt nicht nur auf Plakaten, sondern mitten im Budenzauber mit einer buchstäblich fingierten Diebstahlaktion vor Langfingern. Vor den Augen einiger Journalisten fingert Laienschauspieler Thomas Menke – natürlich unter den wachsamen Augen echter Polizisten – in fremden Jacken und Handtaschen nach Geldbörsen. Und wird im dichten Gedränge vor einem Glühweinstand schnell fündig.

Ein knallrotes Portemonnaie zieht er einer jungen Frau aus der – leichtfertig unverschlossenen – Umhängetasche. Als die Polizei das vermeintliche Opfer anspricht, reagiert die 20-Jährige völlig perplex: „Ich hätte nie gedacht, dass das so schnell geht. Ich habe nichts bemerkt“, sagt die junge Frau namens Aurélie Bouchez aus dem belgischen Namur, die mit einem Dutzend Freunden zu Gast auf dem Aachener Weihnachtsmarkt ist.

Die Beamten klären die Besuchergruppe auf: Im Gedränge auf offener Straße (295 Fälle im Jahr 2011), in Bussen beim Ein- und Aussteigen (74 Fälle) und in Kaufhäusern (350 Fälle) greifen Taschendiebe besonders gerne zu. Die Banden suchen dabei körperliche Nähe, lenken durch Rempeln, absichtliches Beschmutzen der Kleidung des Opfers oder fadenscheinige Fragen ab. Vor allem im Hochbetrieb an Samstagen, am Nachmittag und abends zeigt die Kriminalitätsstatistik die meisten Fälle. Dann greift der Täter blitzschnell zu. Und selbst wenn der Beutezug vom Opfer bemerkt wurde, stehen die Chancen schlecht. „Der Dieb gibt die Beute unmittelbar nach dem Zugriff weiter“, erklärt Polizist Holmer Milar. Der Dienststellenleiter des Kriminalkommissariats „Vorbeugung“ (KK 44) räumt ein: „Die Aufklärungsquote ist entsprechend niedrig.“

Kriminaloberkommissarin Nicole Frohne fasst die Tipps zusammen: Bargeld, EC- und Kreditkarten eng am Körper verteilt tragen, in Gürteltaschen oder Brustbeuteln verstauen! Hand- und Umhängetaschen mit der Verschlussseite zum Körper tragen! Besondere Aufmerksamkeit in Menschenmengen! Handtaschen stets geschlossen halten und nie unbeaufsichtigt lassen!

Die Belgierin Aurélie Bouchez beteuert sogleich, in Zukunft besser aufpassen zu wollen. Was sich offensichtlich auf dem Weihnachtsmarkt in Aachen nach zwei Jahren mit jeweils 45 Taschendiebstählen herumgesprochen hat. In den folgenden anderthalb Stunden gelingt Trickdieb Menke kein einziger weiterer Diebstahl.

„Klasse, die Leute passen auf ihre Wertsachen richtig gut auf“, lobt Polizeisprecherin Sandra Schmitz. Was sicherlich auch auf die vielen Lautsprecherdurchsagen zurückzuführen ist. „Wir warnen die Weihnachtsmarktbesucher mehrmals täglich in vier Sprachen vor Taschendieben“, erläutert Manfred Piana, Organisator und Geschäftsführer des Märkte- und Aktionskreises City (MAC). „Sicherheit steht bei uns an erster Stelle“, sagt er. Auch das gilt alle Jahre wieder.

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