Weihnachtsmarkt: Mit Sicherheit viel entspannter als sonst

Von: Oliver Schmetz und Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
11310182.jpg
Besinnlich, nicht bedrohlich: Zehntausende Besucher zog es bereits seit Freitag auf den zauberhaft geschmückten und wundervoll beleuchteten Weihnachtsmarkt rund um Dom und Rathaus. Foto: Michael Jaspers
11310100.jpg
Haben die Sicherheit im Blick: Josef Wery (v.l.) und Silke Ulrich vom Ordnungsamt, Hauptkommissar Walter Frantzen, Dirk Oschmann und Kollegen vom Sicherheitsdienst sowie MAC-Geschäftsführer Manfred Piana. Foto: Andreas Steindl
11310113.jpg
Richtungsweisend: Der vorgegebene Fluchtweg vom Katschhof senkrecht nach oben über das Gerüst am Dom scheint nicht korrekt ausge(p)feilt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Vielleicht ist ein Besuch des Aachener Weihnachtsmarktes in diesen Tagen sogar noch schöner als sonst: gut besucht, aber eben nicht überfüllt. Während einige Gäste und Aussteller den etwas verhalteneren Auftakt beim diesjährigen Budenzauber am Freitag, Samstag und Sonntagabend mit Blick auf Paris und Brüssel mit Sicherheitsbedenken begründen, freuen sich viele andere über gewonnene Freiheiten.

„Ich lasse mir das von niemandem verderben“, sagt etwa Liselotte Schmitz. Die Rentnerin strahlt: „Diese Vorweihnachtsstimmung hier im Lichtermeer mit all den liebevoll geschmückten und beleuchteten Ständen ist wundervoll. Das ist nirgendwo so schön wie in Aachen. Und weil nicht ganz so viel los ist wie in den Vorjahren, hat man endlich mal genügend Muße zum Stöbern und Einkaufen“, stellt sie fest. Angst? „Ach was!“, wischt sie Bedenken weg. „Die meisten tödlichen Unfälle passieren doch zu Hause beim Fensterputzen“, sagt sie. Und bestellt den nächsten Glühwein...

Der ist für diese Runde tabu: Denn Josef Wery, Silke Ulrich und Sarah Jörres vom Ordnungsamt, der Erste Polizeihauptkommissar Walter Frantzen, Dirk Oschmann, Einsatzleiter der privaten Sicherheitskräfte, MAC-Geschäftsführer Manfred Piana und Marktleiter Alwin Fiebus müssen alle ihre Sinne beisammen haben. Am Nachmittag treffen sich die Mitglieder des sogenannten Koordinierungsgremiums, das die Sicherheit auf dem Weihnachtsmarkt im Blick haben soll, am Info-Stand. Auf dem Programm steht ein Rundgang durch das sich da erst zaghaft füllende Budendorf. Ein erster Praxistest also für all das, was in den vergangenen Tagen theoretisch besprochen wurde.

Für Josef Wery ist das Routine. Seit 1997 ist der städtische Beamte für den Weihnachtsmarkt zuständig. Seit dem Beginn des Aufbaus vor einigen Wochen hat er Tag für Tag vor Ort nach dem Rechten geschaut. Er kennt jede Ecke, jede Bude, jede potenzielle Gefahrenstelle. Und doch ist diesmal, in diesen Tagen der Unsicherheit nach den Pariser Anschlägen und angesichts der aktuellen Brüsseler Terrordrohungen, etwas anders. Er habe schon ein „komisches Gefühl“, räumt Wery auf Nachfrage ein.

Beim Kontrollgang merkt man ihm das aber nicht an. Effizient arbeitet der Mann vom Ordnungsamt mit seinen Sicherheitskollegen neuralgische Punkte ab: Der neue Glühweinstand „Wolke 7“ auf dem Markt – könnte eng vor der Theke werden, muss man im Blick haben, um den Durchgang freizuhalten. Gleiches gilt ein paar Meter weiter für die Passage vor dem Karussell. Auch Verbesserungen nimmt man in Augenschein, etwa auf dem Katschhof. Dort öffnet sich der Weg vom Rathaus hinunter zum Glühweinstand vor dem Dom nun breiter als in den Vorjahren. „Dort ist die Lage jetzt viel entspannter“, urteilt Wery.

Das gilt auch für die Sicherheitsbesprechung etwas später im Centre Charlemagne. Gelassenheit ist dort – mit Blick auf das Markttreiben – Trumpf, man befasst sich eher mit alltäglichen Parkproblemen als mit dem Terrorthema. Allerdings: Polizei, private Sicherheitskräfte und das Ordnungsamt haben ihr Personal drastisch aufgestockt, und auch die Feuerwehr ist nun permanent vor Ort präsent – jedenfalls zu den „besucherintensiven Zeiten“. Die müssten nun am frühen Abend so langsam anbrechen, aber das ganz große Gedränge bleibt zum Auftakt aus.

„Es war relativ entspannt“, bilanziert Josef Wery am Sonntag das Eröffnungswochenende. „Insgesamt hatten wir weniger Besucher als in den vorigen Jahren.“ Kein einziges Mal beispielsweise habe man Besucherströme an neuralgischen Stellen umleiten müssen, damit es sich nicht gefährlich staut. „Das war sonst anders.“ Gleichwohl ist Manfred Piana mit dem Auftakt zufrieden. „Es waren sehr viele Menschen da“, sagt der MAC-Geschäftsführer. Und auch wenn der eine oder andere vielleicht aus Sorge ferngeblieben sei: „Die Stimmung war mitnichten schlecht.“

Die Entscheidung, trotzt des Terrors am Weihnachtsmarkt festzuhalten, sei auf jeden Fall richtig gewesen, meint Piana. Und vielleicht wird es ja auch noch voller in den nächsten Tagen. Was dann für diejenigen, die im Gedränge stecken, nicht mehr ganz so schön ist, dürfte aber gleichwohl die Aussteller freuen. Insgesamt rund 1,5 Millionen Besucher erwartet man zu dem laut einer Internet-Umfrage „zweitschönsten Weihnachtsmarkt Europas“ in Aachen. Über 130 Händler, Handwerker, Künstler und Gastronomen sind vor ort. Neben Markt, Katschhof und Münsterplatz sind auch am Holzgraben und auf dem Willy-Brandt-Platz Buden aufgebaut. Die meisten Betreiber sind seit jahren dabei. zum Beispiel die Familie Dresse.

Seit 125 Jahren gibt es ihre Nougat-Manufaktur in Aachen, seit 29 Jahren verkauft man die süßen Spezialitäten auf dem Markt. „Ich bin sicher, dass die Besucher sich die Weihnachtsstimmung nicht verderben lassen“, sagt Tina Dresse. „Dafür ist der Weihnachtsmarkt einfach zu schön, die Stimmung viel zu gut“, fügt sie hinzu. „Wer hier eine Runde dreht und sich verzaubern lässt, fühlt sich mindestens so wohl wie in den Vorjahren“, sagt Dresse.

Natürlich: Alle Händler – 80 Prozent stammen aus der Region – freuen sich auf Besucher aus Nah und Fern. Am Eröffnungswochenende zum Beispiel waren auffällig viele asiatische Touristen in der Altstadt unterwegs. In den kommenden Wochen rechnet man mit mehr Engländern, Niederländern – und eben auch Gästen aus Belgien und Frankreich. „Wenn die sich zu Hause jetzt nicht ganz so wohl fühlen, kommen sie vielleicht zu uns“, überlegt ein Händler. „Hier sind jedenfalls alle willkommen.“ Vielleicht noch herzlicher als sonst.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert