Weihnachtsmarkt geht auf Nummer sicher

Von: Oliver Schmetz
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Ein Weihnachtsmarkt in Zeiten des Terrors: Aachens Sicherheitskonzept ist vorbildlich, sagen die Verantwortlichen. Mehr Ordner sollen es weiter optimieren. Foto: Michael Jaspers
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Die Veranstalter Manfred Piana (l,), Kathrin Halcour und Klaas Wolters hoffen auf fröhliche Tage. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Nein, eine Absage des Aachener Weihnachtsmarktes habe zu keiner Zeit zur Debatte gestanden, versichern die Verantwortlichen am frühen Dienstagabend unisono. „Wenn wir eine konkrete Gefährdungssituation hätten, würde ich da keine Sekunde zögern“, sagt die städtische Rechtsdezernentin Annekathrin Grehling. „Aber laut Polizei gibt es keine konkrete Gefährdungslage.“

Dass eine Geschichte über den Weihnachtsmarkt, der am kommenden Freitag eröffnet werden soll, so beginnt, liegt daran, dass es so kurz nach den Terroranschlägen in Paris auch rund um Aachen hektisch zugeht. Zumal an einem Tag wie Dienstag, an dem im nahen Alsdorf sieben Menschen als Terrorverdächtige vorübergehend festgenommen werden und ein Fernsehsender sogar schon über Anschlagspläne auf den Aachener Weihnachtsmarkt fabuliert – ehe sich dann alles in Luft auflöst.

„Wir orientieren uns natürlich an der aktuellen Sicherheitslage“, sagt die Dezernentin, „und wir wissen, dass die im Moment sehr dynamisch ist.“ Wie man in der Tat am Dienstag bei der spontanen Absage des Länderspiels in Hannover gesehen hat. Heute werde das Innenministerium ergänzende Hinweise für Großveranstaltungen veröffentlichen. Und vielleicht ist dann manches, was beschlossen wurde, schon wieder hinfällig.

Dabei ist dieser Dienstag in Aachen in Sachen Weihnachtsmarkt schon „dynamisch“ genug. Morgens bittet der veranstaltende Märkte- und Aktionskreis City (MAC) zum Pressegespräch, um Details zur 43. Austragung des Budenzaubers zu verraten. Am gleichen Morgen diskutiert der Verwaltungsvorstand über die Sicherheitslage nach den Pariser Anschlägen. Nachmittags berät man dann mit Polizei, Feuerwehr und MAC. Und danach gibt es wieder ein Pressegespräch. „Es gibt zwar keine hundertprozentige Sicherheit“, sagt Annekathrin Grehling da, „aber ich glaube schon, dass wir auf dem Weihnachtsmarkt sicher sein werden.“

Dass der Pariser Terror auch bis nach Aachen wirkt, ist allen Beteiligten klar. Deshalb hat man sich am Dienstag noch einmal das Sicherheitskonzept vorgenommen, das seit 2011 – nach der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg – für den Weihnachtsmarkt gilt, um zu sehen, wo man es verbessern kann. Und nun will man vor allem dadurch auf Nummer sicher gehen, dass man mehr Sicherheitskräfte aufbietet: mehr Polizisten, mehr Mitarbeiter des Ordnungsamts, mehr private Security-Kräfte. „Wir werden die Präsenz massiv erhöhen“, sagt Grehling, „um dem subjektiven Empfinden der Besucher und dem Wunsch nach mehr Sicherheit Rechnung zu tragen.“ Über konkrete Zahlen schweigt man sich aus. Diese zu nennen, würde die Sicherheit wieder gefährden, heißt es.

Konzentrieren will man sich mit der Personaloffensive auf die besucherstarken Zeiten, also speziell auf die Freitagabende und die Wochenenden. Ansonsten setzt man weitestgehend auf das bisherige Sicherheitskonzept, „das seinesgleichen sucht“, wie Feuerwehrchef Jürgen Wolff unterstreicht. Entwickelt hat es federführend Guido Müller vom Sachverständigenbüro BFT Cognos – und Jahr für Jahr weiterentwickelt, wie er selber betont. Ein Kernpunkt ist, dass die Besucherkapazität des Budenzaubers rund um Dom und Rathaus auf 10.000 Menschen gedeckelt ist.

„Da ist noch viel Luft nach oben, wir könnten über die Fluchtwege viel mehr Menschen sicher evakuieren“, sagt Müller. Zum Konzept gehört auch, dass ein „Koordinierungsgremium“ ständig die Lage im Blick hat und notfalls korrigierend eingreift – zum Beispiel, indem die Zugänge dicht gemacht werden. Ein Mal hat das bisher dazu geführt, dass der komplette Katschhof für eine Viertelstunde abgeriegelt wurde, weil es zu voll war. „Dieses Gremium ist eingespielt“, sagt der Chef des Ordnungsamts, Detlev Fröhlke, „bisher hat alles gut geklappt.“

Aber eine richtige Paniksituation hat man auf dem Weihnachtsmarkt glücklicherweise auch noch nicht gehabt. Für den Fall, dass in diesen hektischen Zeiten aus nichtigem Anlass Unruhe entsteht, habe man – auch das ist neu – jetzt auch eine „entwarnende Lautsprecherdurchsage“ eingespielt“, sagt Fröhlke.

Fast schon leid tun kann einem angesichts der aktuellen Ereignisse Klaas Wolters, Vorsitzender des MAC, der ankündigt, die Zahl der Durchsagen auf dem Markt zu erhöhen und die Beschilderung der Fluchtwege noch weiter zu verbessern. „Ich bin froh zu hören, wie toll das Sicherheitskonzept ist“, sagt er. Und er hoffe, dass alle in der Stimmung seien, um diesen Weihnachtsmarkt zu genießen.

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