Weihnachtskonzert: Die lupenreine Schönheit der Stradivari

Von: Pedro Obiera
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Eindrucksvolle musikalische Momente: Beim Weihnachtskonzert überzeugten das Euro-Kammerorchester und die Cappella Aquensis, geleitet von Thomas Beaujean. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Thomas Beaujean kann es selbst nicht so recht fassen: „Sein“ Weihnachtskonzert zum 4. Advent im hell erleuchteten Krönungssaal des Rathauses hat 40 Jahre auf dem Buckel. Etwa genau solange leitet er das Euro-Kammerorchester und die Cappella Aquensis, zwei feste Säulen inmitten des üppigen Aachener Musiklebens.

Auch wenn die Konkurrenz in den letzten vier Jahrzehnten größer und stärker geworden ist, an der Qualität der klingenden Weihnachtsgaben und am Zuspruch des Publikums hat sich nichts geändert. Und so können sich Beaujean und seine instrumentalen und vokalen Mitstreiter erneut über einen rundum hochwertigen Abend freuen.

Zur Tradition gehört es mittlerweile, einen hochbegabten Stipendiaten der „Deutschen Stiftung Musikleben“ als Solist einzuladen. Das war diesmal der 24-jährige Geiger Tobias Feldmann, der mit Mozarts Violinkonzert in A-Dur nicht nur künstlerisch überzeugen, sondern sich auch selbstbewusst in Szene setzen konnte. Er brachte nicht nur eigene CDs mit, sondern auch eigene Kadenzen, die er stilistisch harmonisch der Musik anpasste.

Spieltechnisch bot er eine makellose Leistung, der warm-süße Ton seiner Stradivari erklang in lupenreiner Schönheit. Die Ecksätze wiesen den nötigen Drive auf, im langsamen Satz verlor er sich ein wenig in purem Schönklang, so dass sich der Satz etwas schleppend dahinzog.

Thomas Beaujean und das Euro-Kammerorchester lösten ihre Begleitaufgaben mit der nötigen Flexibilität und Versiertheit. Flankiert wurde das Mozart-Opus von zwei Orchesterstücken der entspannt-besinnlichen Art, die die Aachener Musiker mit dem nötigen Charme interpretierten.

Zunächst Edward Elgars kleine Streicherserenade, deren feines melodisches und klangliches Kolorit Beaujean mit Elan zum Klingen brachte, ohne es an Feinarbeit in Sachen dynamischer Schattierungen und durchdachter Phrasierung vermissen zu lassen. Das trifft auch auf die 5. Symphonie von Franz Schubert zu, deren gemütlich-klassischer Ton sicher getroffen wurde, ohne Frische durch Gemächlichkeit zu ersetzen.

Als Erinnerung an sein erstes Weihnachtskonzert vor 40 Jahren beendete Beaujean den Hauptteil des Programms mit zwei Chorsätzen aus Bachs Kantate „Wie schön leuchtet der Morgenstern“. Vor allem der extrem kunstvoll gearbeitete Eröffnungssatz stellt beachtliche Anforderungen an Chor und Orchester, nicht zuletzt an den Hornisten. Dass der festliche Eingangschor nahezu makellos gelang und die nötige Stimmung verbreiten konnte, spricht für das nach wie vor vorbildliche Niveau der beiden traditionsreichen Ensembles.

Nach drei weihnachtlichen Gesängen ging das Jubiläumskonzert zu Ende. Es folgte lang anhaltender Beifall.

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