Weihnachtsfeiern für einsame und wohnungslose Menschen

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
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Die Gründe sind so verschiedenen, wie die Menschen, die das Angebot des Jakobushauses annehmen. Foto: Andreas Steindl
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Café Plattform: Musik ist die einzige Sprache, die Menschen auf der ganzen Welt verstehen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. So verschieden sie auf den ersten Blick vielleicht sein mögen, so verbindet sie alle eines: Der Wunsch, den Heiligen Abend nicht alleine zu verbringen. Seien es der Arbeiter, der zwischen seinen Schichten keine Zeit und Muße hat, für sich alleine die Wohnung weihnachtlich herzurichten, oder der Student, der erst am zweiten Weihnachtstag nach Hause fährt.

Die Gründe sind so verschiedenen, wie die Menschen, die das Angebot des Jakobushauses annehmen. Unter dem Motto „Weihnachten anders“ feiern die Organisatoren Marita Delheid, Tobias Kölling und Michael Heiatz gemeinsam mit den Besuchern ein Weihnachtsfest, bei dem vor allem das Miteinander im Vordergrund steht, wie Gemeindereferentin von Sankt Jakob, Marita Delheid, erzählt: „Wir veranstalten den Nachmittag bereits zum zweiten Mal. 30 Gäste haben sich angemeldet, wobei die Tür auch für diejenigen offen steht, die spontan dazu kommen. Viele unserer Besucher sind alleine, arbeiten an den Weihnachtstagen im Schichtdienst, verbinden das Fest mit negativen Ereignissen oder sind nicht sesshaft. Hier erwartet sie ein Programm, bei dem zwar die christliche Botschaft im Vordergrund steht, aber diese nicht zu dick aufgetragen ist.“

Denn gerade die romantisch-familiäre Stimmung sei für manche Besucher schwer zu ertragen. Deshalb ginge es hier um das Zusammensein und die Gelegenheit, in lockerer Stimmung gemeinsam zu essen und sich auszutauschen, wie Delheid ergänzt. Die geschmückte Tafel strahlt im Glanz der Weihnachtsbaumlichter und nach und nach finden sich die Gäste ein. Man kennt sich zwar nicht, aber fühlt sich dennoch auf irgendeine Art und Weise miteinander verbunden.

„Haben Sie ein Klavier?“, fragt ein Besucher. „Ich bin musikalisch und kann gerne etwas auf dem Klavier spielen, das ist schöner, als Musik von einer CD.“ Delheid lacht. Ein Klavier haben sie sogar. Und wie ein altes Sprichwort sagt: Musik ist die einzige Sprache, die Menschen auf der ganzen Welt verstehen. Das wissen auch Tobias Malms und Gottfried Siegers. Bereits seit acht Jahren spielen sie im Café Plattform Weihnachtslieder für die Besucher.

100 wohnungslose und einsame Menschen haben sich fest angemeldet, wie Leiterin Simone Holzapfel berichtet: „Im Schnitt kommen jedes Jahr 120 Menschen zu uns, einige davon schon seit vielen Jahren. Selbst, wenn manch einer von ihnen wieder in einer eigenen Wohnung lebt, so bedeutet das nicht automatisch, dass er auch den Anschluss zu anderen Menschen gefunden hat und nicht mehr alleine ist.“ Neben Geschenken, die traditionell gespendet werden, ist das Weihnachtsessen dieses Jahr erstmalig von ehrenamtlichen Mitarbeitern zubereitet worden.

Es gibt Hirschgulasch mit Rotkohl und Knödeln und zum Nachtisch Crêpes. Während der Duft verschiedener Gewürze durch den Raum der Einrichtung zieht, stimmen Siegers und Malms das erste Lied ein. Für manch einen Besucher ist diese Situation nicht immer ganz einfach. „Hier treffen Emotionen, Sehnsucht und das Gefühl der Suche aufeinander. Da ist es mitunter schwer, alle in Weihnachtsstimmung zu bringen“, sagt Siegers. Im Festsaal der Offenen Tür des Josefshaus feiern indes Jung und Alt gemeinsam das Weihnachtsfest.

Und auch hier sind die Gründe für das Erscheinen vielseitig. Aber egal, ob es nun der Arbeitsplan ist, der einen hier hin bringt, oder eben der Wille, auf andere Menschen zu treffen und nicht alleine zuhause zu sitzen – wichtig ist alleine die Tatsache, dass man eben zusammen ist.

Und manchmal sorgen die widrigsten Umstände dafür, dass Geschichten und Menschen aufeinandertreffen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten. Vielleicht ist das ja auch ein Punkt, der die Magie von Weihnachten ausmacht.

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