Weichensteller des industriellen Umbruchs: Willi Jentgens ist tot

Von: hpl
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Von 1986 bis 2001 DGB-Chef in Aachen: Willi Jentgens starb mit 68 Jahren. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Gespräche mit Willi Jentgens waren stets eine Bereicherung. Weil der Gewerkschaftsmann stets eine wohltuende Balance zwischen seinen Herausforderungen als Arbeitnehmervertreter und den Erfordernissen des Wirtschaftslebens wahrte.

Aber auch, weil er als gelernter Schriftsetzer stets viele Dinge in der Medienlandschaft aufmerksam beobachtete. Willi Jentgens war ein Mann, der stets den undogmatischen Blick für das Wesentliche hatte. Auch das wird man nicht vergessen. Am Mittwoch der vergangenen Woche ist Willi Jentgens mit 68 Jahren gestorben.

Geboren wurde er am 2. Weihnachtstag des Jahres 1940 in Zweifall. Nach der Schulzeit ging er ins Druckgewerbe und hatte bereits als junger Mann Kontakt zur damaligen IG Druck und Papier. Zunächst ehrenamtlich tätig, absolvierte Jentgens eine Ausbildung zum Arbeitsrechtssekretär, was Mitte der 70er Jahre zugleich den Einstieg in die hauptamtliche Gewerkschaftsarbeit für ihn bedeutete.

Der erste Schritt auf der gewerkschaftlichen Karriereleiter war getan, der wichtigste folgte im November 1986, als er im Alter von 45 Jahren zum Vorsitzenden des DGB-Kreisverbandes Aachen gewählt wurde. Dieses Amt bekleidete er bis zum Herbst 2001, als er die Amtsgeschäfte in die Hände von Heinz Kaulen legte.

Willi Jentgens war maßgeblich an der Umstrukturierung des regionalen Wirtschaftsraumes weg von der traditionellen Großindustrie und hin zu vielen modernen kleineren Betrieben in neuen Branchen beteiligt.

Neben den Erfordernissen, die die Interessen der Arbeitnehmer betrafen, war sich Willi Jentgens stets der besonderen gesellschaftspolitischen Rolle der Gewerkschaften in ihrer historischen Rolle bewusst. Unter seiner Federführung initiierte der DGB Aachen ein Projekt zur Dokumentation der Zwangsarbeit unter dem NS-Regime in Aachen. „Es geht nicht um Schuldzuweisung”, warb er damals bei den betroffenen Unternehmen. Auch das ein Indiz für die hohe Sachbezogenheit, mit der der Familienvater seine Aufgabe versah.

Die Exequien finden statt am Montag, 2. Februar, 9 Uhr, in St. Rochus in Zweifall, anschließend die Urnenbeisetzung auf dem Friedhof Frackersberg.
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