Wegen Baufördermitteln: Stadt möchte Musikbunker kaufen

Von: Oliver Schmetz
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Für diesen Bunker und das Kriegsrelikt an der Junkerstraße (l.) würden knapp 1,1 Millionen Euro fällig. Foto: Steindl
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Kaufobjekt aus der Vogelperspektive: Die Stadt will jetzt doch selber den Musikbunker (1) kaufen, der an Goffartstraße (2) und Rehmannstraße (3) grenzt. Dann stünden laut Verwaltung die Chancen besser, für die Maßnahme Städtebaufördermittel zu erhalten. Foto: Steindl

Aachen. Bis zu 200.000 Euro plus Planungskosten will die Stadt ausgeben, um die Anwohner des Musikbunkers an der Goffartstraße mit einer durchaus umstrittenen Lärmschutzwand zu schützen. Doch das wird nicht reichen. Es sieht so aus, als müssten noch deutlich mehr städtische Gelder investiert werden, um den Fortbestand des Kulturhorts im Frankenberger Viertel langfristig zu sichern.

Denn hatte es in den vergangenen Jahren immer geheißen, der Verein Musikbunker wolle das Kriegsrelikt vom Bund kaufen, so soll nun die Stadt als Käuferin auftreten. Das schlägt die Verwaltung der Politik in einer nicht-öffentlichen Vorlage für die Sitzung des Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses am Dienstag, 14. Februar, vor. Und die Stadt soll nicht nur den Betonklotz an der Goffart-straße, sondern auch jenen an der Junkerstraße erwerben, der ebenfalls als Probenstätte für Musikbands genutzt wird. Kostenpunkt für beide Bauwerke zusammen: knapp 1,1 Millionen Euro.

Voraussetzung für den Kauf soll aber sein, dass die Transaktion mit Städtebaufördermitteln unterstützt wird. Mit solchen Landesmitteln können bis zu 80 Prozent der Kosten von städtebaulichen Maßnahmen finanziert werden. Die Stadt müsste im Idealfall also noch knapp 220.000 Euro berappen – plus rund 100.000 Euro an „Kaufkosten“, wie es in der Vorlage heißt.

Ob Geld aus Düsseldorf fließt, ist also ein entscheidender Knackpunkt für das ganze Projekt. Und diese Städtebaufördermittel sind auch der Grund dafür, dass nun nicht mehr der Verein als Käufer auftreten soll. Denn unter dieser Voraussetzung ist der Versuch, an die Fördertöpfe heranzukommen, im vorigen Jahr gescheitert. Zwar hatte es im Sommer, wie seinerzeit berichtet, noch so ausgesehen, als könnte ein Vorstoß der Aachener Landtagsabgeordneten in dieser Sache Erfolg haben, doch letztlich stellte man sich im NRW-Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr stur: Das Aachener Bunkerprojekt wurde im vergangenen Jahr nicht ins Entwicklungsprogramm aufgenommen.

Laut Vorlage wurden daraufhin erneut Gespräche mit der Bezirksregierung Köln geführt, die den Antrag seinerzeit unterstützt hatte. Und von dort gab es nun den Wink, dass im Jahr 2017 leichter Fördermittel fließen könnten, wenn nicht der Verein, sondern die Stadt die Bunker kaufe. Vom Prozedere her ist das kein Problem: Bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die die beiden Kriegsrelikte seit Jahren veräußern möchte, genießt die Stadt ein Vorkaufsrecht, wenn sie die Objekte aus kulturellen Gründen übernimmt. Das heißt: Anstatt die Bunker zum Verkauf auszuschreiben, bietet die Bima sie der Stadt zum Verkehrswert an.

Dieser beträgt für den 1942 erbauten und unter Denkmalschutz stehenden Bunker an der Junkerstraße mit seinen 1239 Quadratmetern Nutzfläche 275.000 Euro. Für den deutlich größeren Musikbunker an der Goffardstraße mit 3239 Quadratmetern Nutzfläche, der 1941 gebaut wurde und ebenfalls unter Denkmalschutz steht, würden 806.000 Euro fällig.

Auf der anderen Seite versprechen die Investitionen aber auch Einkünfte: Für die Junkerstraße werden die jährlichen Mieteinnahmen mit gut 9000 Euro angegeben. Und im Musikbunker im Frankenberger Viertel, wo 58 Räume teils von mehreren Bands zu einem Quadratmeterpreis von rund 6,90 Euro gemietet werden, ist die Jahresmieteinnahme exakt mit 29.768,52 Euro angegeben.

Die Entscheidung liegt nun bei der Politik. Und es ist wohl davon auszugehen, dass eine Mehrheit grünes Licht für den Bunkerkauf gibt. Denn zum einen herrscht in Aachen seit Jahren ein parteiübergreifender Konsens, den Fortbestand des Musikbunkers zu sichern – was zuletzt im Planungsausschuss noch einmal bekräftigt wurde. Und zum anderen ist just in diesem Gremium gerade erst ein Bebauungsplan auf den Weg gebracht worden, um die kulturelle Nutzung des Bunkers festzuschreiben. Das alles würde kaum Sinn machen, wenn die Eigentumsfrage nicht geklärt wird. Auch wenn nun zu den rund 200.000 Euro für eine Lärmschutzmauer mindestens gut 300.000 Euro für die Bunker selbst hinzukommen dürften.

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