Wechsel bei der GHS Drimborn: Annett Koch-Thoma sagt Adieu

Von: Stefan Herrmann
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Stabswechsel: Nach 43 Jahren verlässt Annett Koch-Thoma die GHS Drimborn, ihr langjähriger Stellvertreter Michael Geurtz übernimmt. In Kürze soll der 48-Jährige offiziell benannt werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Sie waren nicht nur in Sachen Musikgeschmack ein in Aachen wohl selten anzutreffendes Tandem. Mit 43 Jahren an ein und derselben Schule, davon seit 2001 als Leiterin, dürfte mit Annett Koch-Thoma, 65, ein Unikat der städtischen Schullandschaft nun in den Ruhestand wechseln.

Den Posten übernimmt ihr bisheriger Stellvertreter Michael Geurtz, 48. Immerhin ist auch er schon seit 20 Jahren einzig und allein an der Gemeinschaftshauptschule (GHS) Drimborn tätig.

Gemeinsam zum Stones-Konzert

Praktischer Nebeneffekt: Viel ändern muss Geurtz zumindest beim Wandbehang im Schulleiterbüro nicht. Gleich zwei Poster der Rolling Stones begrüßen den Besucher nämlich beim Eintritt. „Die haben wir vor einigen Jahren von einem gemeinsamen Konzertbesuch mitgebracht, als die Stones in Köln aufgetreten sind“, erinnert sich Geurtz. Wie viel Rock‘n‘Roll steckt also im Schulalltag der GHS? „Jede Menge!“, sagt Koch-Thoma und lacht. Sie selbst verabschiedet sich mit den Sommerferien sozusagen in den Backstage-Bereich und Geurtz tritt ins Scheinwerferlicht.

Die andernorts übliche große offizielle Verabschiedungsfeier wird es für Koch-Thoma nicht geben. Sie hat es schlichtweg nicht gewollt. Aber eine Party mit den rund 40 Kollegen ist geplant. Und die ein oder andere Überraschung. . . Mehr will Koch-Thoma nicht verraten. Was sie nicht verbergen kann: Die GHS Drimborn ist über Jahrzehnte hinweg eine Herzensangelegenheit für sie gewesen. Kein Wunder, schließlich hat sie ihr eigenes Berufsleben komplett bestimmt. Umgekehrt gibt es die Hauptschule am Tierpark – gegründet im Jahr 1968 – auch nur wenige Jahre länger als Lehrerin Koch-Thoma.

Man könnte auch sagen: Annett Koch-Thoma ist das Gesicht der GHS Drimborn. Auch wenn sie selbst es wohl nie so ausdrücken würde. Aber es liegt nicht zuletzt an ihr, dass die Einrichtung in einer Zeit, in der der Niedergang des Systems Hauptschule vielerorten herbeigeredet und letztlich auch besiegelt wird, gut dasteht – auch und gerade in der entscheidenden Disziplin: beim Zuspruch der Schüler. Davon entscheiden sich nämlich konstant viele, die GHS Drimborn zu besuchen (siehe Box). Seit Jahren hält die Hauptschule ihre Schülerzahl von etwa 400. Allerdings: Es gab eine Zeit, in der sogar 500 Schüler den Drimborn besuchten.

„Die Hauptschule generell hat ein Imageproblem“, ist sich Geurtz der künftigen Herausforderungen bewusst. Aktuelle Zahlen des Landes untermauern das: So wird es im Schuljahr 2015/16 in NRW nur noch 450 Hauptschulen geben. Vor vier Jahren waren es noch 601. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Hauptschüler um 32 Prozent auf 117 500.

Hin zur Sekundarschule

Vieles konzentriert sich auf den Namen. Die Hauptschule hat schlichtweg einen schlechten Ruf. Nicht zuletzt deswegen möchte Geurtz den Weg hin zu einer Sekundarschule weiter forcieren. Mit Politik und Verwaltung sei man deswegen immer wieder im Kontakt. Allerdings: Die Reaktionen seien bisher zwar freundlich, aber zugleich auch eher zurückhaltend. Das Thema steht nicht oben auf der politischen Agenda.

Für Geurtz geht es hier in Teilen eh vor allem um ein Etikett. Denn das Paket, was allein die GHS Drimborn anbietet, hält er für umfassend und gefragt. Die Schule genießt in Aachen einen hervorragenden Ruf, was die Berufsorientierung angeht. Es existieren zahlreiche Kooperationen mit namhaften Unternehmen. Die Schülerquote, die nach ihrem Abschluss direkt eine Lehrstelle finden, ist durchaus respektabel. Zuletzt lag sie in einer 10er-Klasse bei gut 50 Prozent.

Die Beschulung von Flüchtlingskindern, Integration, Inklusion – Hauptschulen machen oftmals schon seit Jahren das, was aktuelle politische Entscheidungen für das gesamte Schulsystem vorsehen. An der GHS Drimborn zum Beispiel gibt es integrative Lerngruppen im sechsten Jahr. Acht Kinder mit Förderbedarf sitzen in einer 20-Schüler-Klasse. Dafür hat die GHS sukzessive mehr Sozialpädagogen-Stellen erhalten. „Der Betreuungsschlüssel war sehr gut“, sagt Koch-Thoma.

Die flächendeckende, an allen Schulformen eingeführte Inklusion – also der gesetzliche Anspruch auf einen Platz an einer Regelschule – hat aber dazu geführt, dass auch die knappen Ressourcen an Sozialpädagogen auf die Fläche verteilt wurden. Für die GHS Drimborn bedeutet das: Derzeit stehen 3,5 Planstellen zur Verfügung. „Es waren einmal mehr“, bedauert Koch-Thoma.

Für all das und vieles mehr, ist Geurtz überzeugt, sei die Hauptschule der richtiger Lernort für viele Schüler – unter welchem Titel sich das in Zukunft auch abspielen möge. „Es geht nicht um den Namen Hauptschule, sondern um die Pädagogik dahinter“, betont er. Seine langjährige Chefin Annett Koch-Thoma wird alle Veränderungen an „ihrer“ Schule sicher auch aus der Distanz verfolgen. Womöglich mit einem Stones-Song in den Ohren und der Erinnerung an 43 wilde und spannende Jahre an der Rock‘n‘Roll-Hauptschule Drimborn.

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