Aachen - WDR-Rundfunkchor begeistert in St. Foillan

WDR-Rundfunkchor begeistert in St. Foillan

Von: Thomas Beaujean
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Beim Auftritt des WDR-Rundfunkchors Köln unter der Leitung seines Chefdirigenten Rupert Huber war die Kirche St. Foillan zu klein, um alle Interessenten aufzunehmen.

Das Eliteensemble aus 40 Berufssängern war mit einem überaus interessanten Programm angereist, das Vertonungen des 130. Psalms „De profundis” über mehr als tausend Jahre bot. Was mit einem synagogalen Gesang begann, endete mit der Uraufführung einer Auftragskomposition des WDR.

Das auf WDR 3 live übertragene Konzert wurde von Michael Struck-Schloen mit klugen und informativen Texten moderiert. Die großen Stärken des Kölner Rundfunkchors manifestierten sich vor allem im zweiten Konzertteil bei der Wiedergabe der Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Arnold Schönbergs eindrucksvolle Vertonung des „De profundis” von 1950 erklang in einer intensiven, intonationssicheren, auch die Elemente des Sprechgesangs souverän meisternden Wiedergabe, die das enorme Stimmpotential dieses Ensembles voll zur Geltung brachte.

Konventioneller in seinen stilistischen Mitteln, mehr in der Tradition der katholischen Kirchenmusik stehend, war die Komposition des Ungarn Josef Maria Horváth, die als Soloinstrument eine Posaune einbezog und durch drei Interludien das Werk in vier größere Vokalabschnitte gliederte, die von meditativen, ruhigen Klängen über eine Fuge bis zu erregten Passagen höchst unterschiedliche Ausdrucks- und Stilebenen abdeckten. Bei der Uraufführung mit dem Posaunisten Hendricus Ries zeigte sich der Chor den hohen Anforderungen der Komposition überlegen gewachsen.

Begonnen hatte der Abend mit dem Chasan (Vorsänger in der jüdischen Gemeinde) Aaron Malinsky, der eine synagogale, freie Version des „De profundis” bewegend vortrug. Die Altistinnen des Chores waren mit der ungewohnten Aufgabe betraut, dem eine gregorianische Version gegenüber zu stellen. Josquin Desprez´ vierstimmige Vertonung kann man von Spezialensembles sicherlich kompetenter hören, zumal die Besetzung des Tenors mit Posaune, wiewohl authetisch im Stile der Zeit, zu klanglichen Ungleichgewichtungen führte.

Auf stilistisch sichererem Terrain fühlte sich der Chor bei Vertonungen von Heinrich Schütz, Christop Willibald Gluck und Felix Mendelssohn-Bartholdy, die allesamt klangschön und ausgewogen erklangen. Welches Stimmpotential der Rundfunkchor besitzt, zeigte sich auch an der Qualität der Wiedergabe der solistischen Partien, die aus dem Chor besetzt waren. Ein von Roderick Shaw gespieltes Orgelpositiv sorgte hier für die instrumentale harmonische Grundlage.

Hatte das Auditorium während des Konzertes auf Beifall verzichtet, so war der am Ende um so begeisterter.
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