Wasserschaden im Reiff-Museum: Alptraum kam über Nacht

Von: Matthias Hinrichs
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Sichtlich geschockt: Dr. Katharina Koop versucht nach dem Wasserschaden in der Bibliothek der Kunsthistoriker zu retten, was zu retten ist. Hunderte der zum Teil unersetzbaren Werke sind betroffen. Foto: Andreas Schmitter
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Sisyphusarbeit: Buchbinder Kurt Schnürpel trocknet zahlreiche feuchte Folianten Seite für Seite. Foto: Andreas Schmitter
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Maschinen statt Studenten: Während die Entfeuchter rattern, müssen viele angehende Kunsthistoriker auf die Fernleihe der Zentralbibliothek zurückgreifen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Dr. Katharina Koop lag wahrscheinlich in tiefstem Schlummer, als der Alptraum für ihre Zunft wahr wurde. Inzwischen kann die Leiterin der Bibliothek im RWTH-Institut für Kunstgeschichte an der Schinkelstraße trotzdem wieder lächeln.

„Zum Glück haben wir eine Menge Helfer“, sagt sie. „Es ist schon toll, wie viel Unterstützung wir in den letzten Tagen erhalten haben.“

Die kleine Katastrophe geschah in der Nacht auf Mittwoch. Vermutlich aufgrund eines Rohrschadens in der Fensterwand der Bibliothek im vorderen Teil des erst vor rund vier Jahren sanierten Reiff-Museums drang der Erzfeind des Papiers durch Decken und Wände, ergoss sich hektoliterweise über die Holzregale – und über hunderte der rund 1000, teils unersetzbaren kunsthistorischen Werke, die dort eigentlich auf fleißige Studenten im Prüfungsstress warten.

Als am Morgen die Reinigungskolonne anrückte, standen die Kugellampen in der Bibliothek bis zur Hälfte unter Wasser. Der Fußboden hatte sich in einen fünf Zentimeter tiefen See verwandelt, erzählt Katharina Koop. Und wirft einen traurigen Blick auf einen der vielen Folianten, die wohl nicht mehr zu retten sind – trotz der wackeren Bemühungen von Kurt Schnürpel, dem Buchbinder im Dienst der Fakultät für Architektur, welcher das Institut angehört. „Meist haben wir die durchnässten Einbände vorsichtig entfernt und säurefreies Vliespapier zwischen die Seiten gepresst“, erklärt Schnürpel – wohl wissend, dass er einen fast aussichtslosen Kampf gegen den (auch für Menschen hochgefährlichen) Buchschimmel führt. „Eigentlich müsste das Saugpapier jede Stunde ausgewechselt werden“, seufzt Koop. „Es wird uns wohl nichts übrig bleiben, als viele weitere Bücher wegzuwerfen. Einen großen Teil haben wir schon entsorgen müssen.“

Stadtarchiv hilft

Aber: „Viele der wichtigsten historischen Werke im Wert von bis zu 500 Euro konnten gerettet werden.“ Das verdanke sie der spontanen Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter im Stadtarchiv und – zunächst weniger naheliegend – dem Lagerleiter der Firma Zentis. „Die Kollegen vom Reichsweg sind mit Notfallboxen angerückt und haben 68 Bücher, in Spezialfolie gepackt, Richtung Jülicher Straße gebracht.“ Jetzt werden die kostbaren Schätze in einem Tiefkühlraum getrocknet, der normalerweise für kaiserstädtische Konfitüren reserviert ist – selbstverständlich nach gründlicher Prüfung der hygienetechnischen Voraussetzungen.

Auch die Wissenschaftler werden notgedrungen erneut ein Interimsquartier beziehen – vor rund vier Jahren war die Bibliothek an die Jakobstraße ausgelagert worden, weil das historisch einzigartige Reiff-Museum, erbaut anno 1881, saniert wurde. Wann sie zurückkehren können, ist ebenso offen, wie es in Kürze große Teile der Wände und Decken im denkmalgeschützten Gebäude sein werden. Sie müssen aufgestemmt werden, um Aufschluss über genaue Ursachen und Ausmaße des Wasserschadens zu gewinnen – und abermals zu sanieren.

Unwiederbringlich verloren sind freilich etliche kleine Kostbarkeiten wie zum Beispiel antiquarische Ausstellungskataloge, weiß Dr. Katharina Koop. Und lächelt tapfer weiter. „Letzte Nacht“, sagt sie nur auf die Frage nach ihrem wahren inneren Befinden, „hab‘ ich jedenfalls nicht geschlafen.“

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