Wasser im Keller: „Burgherr“ fährt schweres Geschütz auf

Von: Matthias Hinrichs
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Sehen Stawag respektive Stadt in der Pflicht: Bernhard Siepen und sein Sohn Michael haben den Schaden in ihrem Haus nahe der Eupener Straße gründlich dokumentiert. Foto: Andreas Herrmann
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Sehen Stawag respektive Stadt in der Pflicht: Bernhard Siepen und sein Sohn Michael haben den Schaden in ihrem Haus nahe der Eupener Straße gründlich dokumentiert. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Inzwischen sind zumindest die gröbsten Schäden dank fleißiger Heimarbeit beseitigt. Trotzdem oder eben darum: Auch gut drei Wochen nach einem gigantischen Guss, der Anfang des Monats über dem Grenzland niederprasselte, hat Bernhard Diepen den sprichwörtlichen Kanal voll.

„Das Wasser kam in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni“, berichtet der gelernte Architekt, der sein Privathaus vor 36 Jahren am Grindelweg nahe der oberen Eupener Straße gebaut hat. Und diesmal konnten auch die wohlweislich installierten Drainagen direkt unterm Hang zum Aachener Wald die nassen Massen nicht bändigen. Sogar übers Toilettenfenster bahnte sich der Regen den Weg ins Souterrain.

Zum Glück schnell reagiert

Dort tüftelt Siepen, seines Zeichens Vorsitzender und kreativer Kopf der Gesellschaft für Internationale Burgenkunde (GIB), vor allem an seinen Präsentationen von Modellen berühmter historischer Trutzbauten. „Wir können von Glück sagen, dass wir das Desaster früh entdeckt haben“, seufzt der gebeutelte Hausbesitzer. Und: „Gott sei dank waren die neuesten, in jahrelanger Arbeit gefertigten Modelle mittelalterlicher Schiffe nicht mehr hier.“ Sie wären wohl völlig unplanmäßig ins Schwimmen geraten.

Heftiges Geschütz fährt der passionierte „Burgherr“ daher jetzt gegen die Hüter der kommunalen Kanäle auf. Denn auf Nachbauten veritabler Wasserburgen mögen Siepen und seine Vereinskollegen sich auch künftig nicht beschränken, wie Zyniker anmerken könnten. „Die Stawag“, wettert er, „kommt ihrer Verpflichtung zur Säuberung der umliegenden Leitungen und Gullis nicht im erforderlichen Maß nach – trotzdem werden wir beziehungsweise unsere Versicherung wohl für den Schaden aufkommen müssen.“

Den schätzen Siepen und sein Sohn Michael auf mindestens 5000 Euro. Den Teppich im Kellerbüro mussten sie herausreißen. Jetzt haben sie etliche kostspielige – und lärmträchtige – Lüfter geordert, um durchnässte Böden und Wände zu trocknen. Ans Arbeiten in Sachen Burgenhobby sei derzeit nicht zu denken. Und er könne noch froh sein, dass zumindest die Computer in der Schaltzentrale des GIB verschont geblieben seien – im Gegensatz zu etlichen, teils unersetzbaren Papierdokumenten.

Zwecks weiterer Schadensbegrenzung hatten die Siepens und ihre Nachbarn gleich am Morgen nach der fatalen Flut die „völlig verstopften“ Kanaldeckel vor ihren Grundstücken in Eigenregie gesäubert. „Stadt und Stawag waren nicht einmal bereit, noch einmal mit uns zu reden“, schimpft er. Stattdessen habe die Versicherung des Energieversorgers ihm prompt beschieden, dass die Kanäle vertragsgemäß zwei Mal jährlich gereinigt würden – die Überschwemmung sei auf „höhere Gewalt“ zurückzuführen, eine Haftung folglich ausgeschlossen.

Dabei habe ein inzwischen pensionierter städtischer Rechtsexperte ihn wissen lassen, dass die Säuberung mindestens vier Mal jährlich zu erfolgen habe. „Aus unserer Sicht wäre dies das Mindeste, wenn man bedenkt, dass wir über Steuern und Gebühren schon genügend zur Kasse gebeten werden“, meint Siepen. „Und es kann ja nicht sein, dass den Bürgern zugemutet wird, die schweren Eisendeckel selbst zu stemmen, um sie von Schlamm und verrottetem Blätterwerk zu befreien.“ Angesichts der allgemein wachsenden Hochwassergefahr müsse die Stawag jetzt eben verstärkt aktiv werden. Denn: „Auf kurz oder lang könnte das Problem auf viele Bürger zukommen“, meint Siepen.

Stawag-Sprecherin Eva Wußing betonte am Montag auf Nachfrage, dass das Unternehmen seiner Reinigungspflicht gemäß den einschlägigen Verträgen mit der Stadt nachweislich nachgekommen sei. „Wir haben großes Verständnis für den Ärger“, sagte sie. „Wenn wir wegen eines akuten Notfalls etwa über Polizei oder Feuerwehr informiert werden, rücken wir auch sofort aus. Aber letztlich wird die Häufigkeit der Säuberungen durch die Stadt festgelegt.“

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