Aachen - Was wird aus der Trümmerlandschaft?

Was wird aus der Trümmerlandschaft?

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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Schieflage: Die demolierte Stadtmauer zwischen Pfaffenturm und Studentenwohnheim soll im Sommer saniert werden.
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Spekulationsobjekt: Die Traumvilla an der Ecke Lütticher Straße/Hohenstaufenallee wird bald abgerissen.

Aachen. Wenn Villen und stattliche Stadtmauern in Trümmern liegen, sieht das selten schön aus. Dies bemängeln unsere Leserinnen und Leser, die dem Aufruf unserer Zeitung folgen und „hässliche Ecken“ der Stadt lokalisieren und benennen. Aber es gibt auch andere Beschwerden – zum Beispiel zum unkomfortablen Vorplatz des Hauptbahnhofs.

Eine Trümmerlandschaft hat unsere Leserin Eleonore Hettler an der Junkerstraße zwischen dem Neubau eines Studentenwohnheims und dem Pfaffenturm entdeckt: „Zu meinem Entsetzen sehe ich dort schon lange einen Teil der Barbarossamauer beziehungsweise historische Steine aufgetürmt liegen, der wahrscheinlich beim Neubau beschädigt und liegengelassen wurde“, schreibt sie und vermutet, dass die wertvolle Stadtmauer während des benachbarten Neubauvorhabens nicht speziell geschützt worden ist. „Demolierte historische Bausubstanz in der Stadt Aachen liegt brach, unglaublich“, ärgert sich unsere Leserin.

Die AZ-Recherche: Die Reparatur ist in Sicht. Den historischen Pfaffenturm aus dem Jahr 1444 hat die katholische Studentenverbindung Ripuaria vor drei Jahren für rund 250.000 Euro restaurieren lassen. Nebenan hat ein Eschweiler Investor bis Dezember 2015 ein fünfstöckiges Studentenwohnheim an die Bahnlinie gebaut – laut Leistungsbeschreibung des Bauunternehmens „einschließlich Teilabbruch von Bestandsbauten und Sanierung einer vorhandenen historischen Stadtmauer“.

Das Presseamt der Stadt weist darauf hin, dass „die Mauer – die zu äußeren Stadtmauer gehört und ab etwa 1300 errichtet wurde – an dieser Stelle nicht erst seit den Baumaßnahmen zerstört, sondern bereits seit vielen Jahren geschädigt ist, weil durch Bewuchs und Wurzelwerk Mörtelfugen angegriffen wurden und Teile der äußeren Mauerschale gesprengt wurden.“ Das war nur bislang aufgrund des davor liegenden Gebäudes nicht zu sehen. Die Sanierung des anschließenden, jetzt noch maroden Abschnitts wird gerade vorbereitet und soll nach dem Abschluss der archäologischen Voruntersuchung (Ende Juli, witterungsabhängig) beginnen – und dies vorzugsweise mit historischen Mauerteilen, die im Zuge des Neubaus gefunden wurden. Diese Arbeiten starten also eventuell bereits im kommenden August. Die Kosten schätzt die Stadt auf rund 40.000 Euro.

Villa in Ruine verwandelt

Seinen Unmut über den Zustand einer ehemaligen Villa an der Lütticher Straße 159, Ecke Hohenstaufenallee, bringt unser Leser Günter Radermacher zum Ausdruck: „Das Objekt wurde vor zwei Jahren angeboten und befand sich in einem ausgezeichneten baulichen und gepflegten Zustand. Mein Interesse für dieses Haus endete bei der Preisvorstellung. Der Erwerber dieses Hauses, das gleichzeitig als Blickfang für die Kreuzung am Amsterdamer Ring gelten kann, hat das Objekt nicht bezogen, sondern in einen Zustand versetzt, der an einen Tornado erinnert“, schreibt er. Fenster und Dachpfannen wurden herausgerissen, das schmucke Haus brutal „geplündert“. „Hier muss die Stadt Aachen tätig werden und im Rahmen der Möglichkeiten Sanktionen aussprechen, wenn der Hinweis in unserem Grundgesetz ‚Eigentum verpflichtet‘ noch Bedeutung hat“, fordert Radermacher.

Die AZ-Recherche: In der Tat wurde die herrschaftliche Immobilie in Hanglage mit 584 Quadratmetern Wohnfläche für drei Familien aus einem Erbschaftsfall für eine Millionensumme angeboten. Den Zuschlag erhielt ein Aachener Investor. Der will das Gebäude allerdings nicht weitervermieten, sondern komplett abreißen. Dem Vernehmen nach sollen dort – in durchaus gefragter und damit teurer Wohnlage im Südviertel – in einem größeren Wohnkomplex exklusive Eigentumswohnungen entstehen. Die Stadt erklärt dazu, dass man – so lange kein Denkmalschutz besteht – nicht vorschreiben könne, wie ein Immobilieneigentümer mit seinem Haus und Grundstück verfahre.

Ein Neubau muss sich lediglich „harmonisch in die Nachbarbebauung einfügen“, hieß es auf AZ-Anfrage. Dies gilt vor allem für die Höhe des neuen Bauwerks. Es kann aber sehr wohl sein, dass ein Baugrundstück dann (fast) bis zu den Grundstückgrenzen genutzt wird und sich somit die Wohnfläche des Neubaus im Vergleich zur ehemaligen Villa verdoppelt. Nur in so einem Fall rechnet sich die Investition des Projektentwicklers. Die öffentliche Hand kann darauf kaum Einfluss nehmen. Angeblich soll der Abriss noch dieses Jahr über die Bühne gehen – was erstmal noch mehr Trümmer für Aachen bedeutet.

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