Aachen - Was passiert mit den Bauruinen?

Was passiert mit den Bauruinen?

Von: Robert Esser
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Stillstand auf der Niersteiner Burg: Der Wiederaufbau in Laurensberg ruht seit Jahren. Foto: Robert Esser

Aachen. Vom Denkmal bis zur Bruchbude verläuft oft nur ein kurzer Weg. Von der Bauruine zurück dauert´s dafür umso länger - auch in Aachen. Vom Investorenkrach mit der behördlichen Denkmalpflege bis zur Insolvenz des Bauherrn reichen die Verfallsgründe.

Sogar an augenfälligen Standorten der Kaiserstadt. Und manchmal passiert dann so lange gar nichts mehr, bis einst denkmalgeschützte Prachtgemäuer (fast) von selbst zusammenfallen.

Etwa an der Lütticher Straße, Hausnummer 599. Dort bröckelt das Gutshaus Aachen-Bildchen aus dem Jahr 1752. Das war nach Aussagen von Maria und Heinz Merschmeyer, die gegenüber ihre Kfz-Werkstatt betreiben, bis vor wenigen Jahren aber noch gut in Schuss. „Wir hatten da unser Ersatzteillager, schon deswegen haben wir für ein dichtes Dach gesorgt”, erzählt Meister Merschmeyer.

2003 mussten die Mieter raus. Aber Denkmalpflege und potenzieller Investor konnten sich nicht auf einen Sanierungskompromiss einigen. Dann sei der erste Investor ab- und ein marokkanischer Käufer eingesprungen. „Der hat dann im Alleingang solange Wände eingerissen, bis Teile des Dachs einstürzten”, sagt Merschmeyer. Die Stadt sicherte das Haus per Bauzaun. Einsturzgefahr.

Und vor zwei Jahren - nachdem die Sanierung an Denkmalschutzfragen gescheitert war - wurden nach Auskunft der Stadt „die Denkmalschutzeigenschaften aberkannt”. Nun ist der Eigentümer aber nicht mehr greifbar und kein Investor in Sicht. Der Verwaltung seien die Hände gebunden, sagt Axel Costard vom Presseamt. „Es gibt keine Handhabe gegen Immobilienbesitzer, die ihr Eigentum verfallen lassen. Man kann sie nicht zur Sanierung zwingen.”

Einige hundert Meter weiter Richtung Innenstadt, gegenüber des sanierten Hochgrundhauses an der Lütticher Straße, verfällt indes eine stattliche Backsteinscheune unter Denkmalschutz. Die gehört der Stadt. Von 1959 bis 2009 lief darin eine Trafo-Station der Stawag. Mittlerweile sind Dach- und Mauerstücke eingebrochen. Angeblich hat die Stadt aber jemanden an der Hand, der die Ruine instandsetzen will. Geplant sei ein Ladenlokal, heißt es.

Hoffnung macht man sich nach drei Jahren Leerstand wieder mal für das Restaurant Drimborner Wäldchen. Eine ganze Reihe interessierter Investoren war jeweils kurz vor der Übernahme des Restaurants am Tierpark zurückgeschreckt. Jetzt ringt die Stadt mit einem Aachener Rechtsanwalt um einen „Gastronomiebetrieb mit gutbürgerlicher Küche”. Knackpunkt ist die Dimension der - lukrativen - Außengastronomie. „Einen Biergarten mit 600 Sitzplätzen wird die Stadt sicherlich nicht zulassen”, betont Edmund Feiter, Leiter des Immobilienmanagements. Derweil verwildert das Gelände. Mülleimer wurden abgerissen, Scheiben eingeschmissen, sämtliche Laternen demoliert.

Noch ramponierter ragen das Herrenhaus Gut Kaisersruh an der Krefelder und die Niersteiner Burg an der Laurensberger Straße hervor. Für das, was von Kaisersruh noch übrig ist, werden seit elf Jahren erfolglos Investoren gesucht. Die Niersteiner Burg will Eigentümer Albert Behren selbst vollenden. Vor zehn Jahren hatte er Teile des historischen Hofs nach Streitereien mit der Denkmalpflege kurzerhand selbst weggebaggert. 90.000 Euro Bußgeld kostete ihn das.

„Für die Stadt zählt eine denkmalgeschützte Mauer mehr als ein Mensch, der dahinter wohnen will”, klagt er. Dass der Wiederaufbau nicht vorankomme, liege nur am Widerstand der Behörden. Die Stadt weist dies zurück. „Es gibt in Aachen 3570 Baudenkmäler. Wir haben keine Möglichkeiten, uns um jedes intensiv zu kümmern”, sagt Costard. Für den Niersteiner Hof gelte dies aber sicher nicht. Auf einigen denkwürdigen Wegen dürfte also noch Zeit vergehen.
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