Was passiert in Aachen, wenn es in Tihange kracht?

Von: Oliver Schmetz
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Das Bürgerforum befasst sich am Dienstag mit dem maroden belgischen Atommeiler. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der marode Meiler ist gerade einmal 60 Kilometer entfernt, doch wenn im belgischen Atomkraftwerk Tihange tatsächlich einmal alle Sicherungen durchbrennen sollten, dann ist man in Aachen alles andere als bestens vorbereitet.

Nach AZ-Recherchen gibt es bislang keinerlei konkrete Katastrophenpläne für einen schweren Nuklearunfall in dem belgischen Pannenmeiler, was vor einigen Wochen auch die Politiker im Aachener Stadtrat als dramatisch brandmarkten und in einer Resolution das Aus für das AKW Tihange forderten.

Am Dienstag beschäftigt sich das städtische Bürgerforum (17 Uhr, Ratssaal) mit dem heiklen Thema – und zwar auf Antrag des Aachener Bündnisses gegen Atomenergie. Die Initiative hat der Stadtverwaltung und der Politik dazu einen umfangreichen Fragenkatalog zugestellt: Mit nicht weniger als 61 Fragen will man in Erfahrung bringen, wie die Region auf einen schweren Atomunfall in Tihange vorbereitet ist.

Mit solchen Aktionen hat man bereits kürzlich Erfahrungen gemacht, allerdings eher schlechte. Denn als das Bündnis bei 37 Kommunen in der Region nachhakte, ob es Katastrophenpläne gebe, wie die Bürger im Notfall informiert würden und wer Ansprechpartner sei, waren die Antworten fast durch die Bank unbefriedigend.

Jetzt geht man in Aachen noch viel mehr ins Detail. So will das Bündnis zum Beispiel wissen, mit welchen Kontaminationen man in welchen Regionen rechnet und wann die Öffentlichkeit über solche Dinge informiert wird. Außerdem wird gefragt, wie die Bevölkerung im Krisenfall alarmiert und vor allem evakuiert werden soll und wie es um die Schulung und Ausrüstung der Einsatzkräfte bestellt ist – und ob diese auch wissen, was auf sie zukommen könnte.

„Würden im Ernstfall die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr auch unter Einsatz von Zwangsmaßnahmen zum Einsatz gezwungen?“, lautet eine Frage. Und: „Sind die Einsatzkräfte auch über mögliche Zwangsmaßnahmen informiert?“

Um solche Zwangsmaßnahmen geht es aber auch mit Blick auf die Bevölkerung, zum Beispiel bei der Ausgabe von Jodtabletten. Was passiert zum Beispiel, wenn es Aufstände gibt, weil diese Tabletten nicht für alle reichen und deshalb nur an Personen bis 45 Jahre ausgegeben werden? Würden dann Ältere „mit massiver Polizeigewalt daran gehindert, Tabletten zu erhalten?“, fragen die Aktivisten. Oder wäre für Aachen auch eine andere Regelung möglich?

Im Ratssaal wird Aachens Feuerwehrchef Jürgen Wolff dazu Rede und Antwort stehen, allerdings sollte man auch hier nicht mit zu umfassenden Antworten rechnen. Denn zum einen gibt es ja noch gar keinen konkreten Katastrophenplan mit Blick auf Tihange. Und zum anderen habe man den Fragenkatalog erst sehr kurzfristig erhalten, wie Rita Klösges vom städtischen Presseamt erklärt: „Vielleicht kann die eine oder andere Frage beantwortet werden, aber mehr ist in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen.“

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