Was kommt unterm Strich heraus?

Von: Robert Esser
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Weniger Verkehr: Die Abpolleru
Weniger Verkehr: Die Abpollerung der Antoniusstraße war ein erster Schritt zur Ausgrenzung. Eine Halbierung der Prostitutionsmeile wird nun konkreter, die komplette Auslagerung noch nicht. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Unterm Strich ist bislang nichts rausgekommen. Sagt Hans-Dieter Schaffrath. Wenn der Ratsherr der Freien Wählergemeinschaft (FWG) über die Bemühungen spricht, den Bordellbetrieb aus der Antoniusstraße zu verbannen, sieht er Rot.

„Seit zehn Jahren wollen Politik und Verwaltung eine städtebauliche Aufwertung des Bereichs Büchel erreichen”, ärgert er sich. „Leider sind die Erfolge bisher mehr als überschaubar.”

Die Folge: „Die Kleinkölnstraße und weitere Einkaufstraßen in unmittelbarer Nähe werden dadurch total heruntergewirtschaftet”, moniert der FWG-Ratsherr. „Und dies mitten im historischen Herzen der Altstadt. Das ist doch ein Skandal!” Und weil nach Ansicht Schaffraths nichts passiert, was die Misere dort beenden könnte, sollen die großen Parteien nun angesichts seines neuen Ratsantrages Farbe bekennen.

Schaffrath fordert einen politischen Beschluss darüber, die Verwaltung mit einer „Rahmenplanung Großraum Büchel” zu beauftragen. Sie soll „Vorschläge erarbeiten, die es ermöglichen, den Bordellbetrieb in der Antoniusstraße einzustellen”. Dann werde man ja sehen, welcher Politiker mit seinem Votum tatsächlich endlich konkrete Schritte einleiten will, um das horizontale Gewerbe auf die grüne Wiese zu verbannen, sagt er.

Halbierung der Rotlichtmeile

Bereits im Sommer 2009 hatte der damalige Oberbürgermeister Jürgen Linden die „Halbierung” der Rotlichtmeile angekündigt und für 2011 in Aussicht gestellt. Seit Monaten liege der Antrag auf Ausdehnung der Sperrgebietszone jetzt bei der Bezirksregierung Köln, hieß es am Montag aus der Aachener Stadtverwaltung. Ergebnisse gebe es noch keine, nicht mal Signale der Bewilligungsbehörde, die das neue Sperrgebiet - und damit die Verkleinerung der Prostitutionszone - absegnen muss. Das stimme so nicht, widerspricht hingegen die Bezirksregierung Köln auf Anfrage der Aachener Zeitung.

„Wir haben der Stadt Aachen schon im Januar 2011 schriftlich mitgeteilt, dass wir der Ausweitung des Sperrbezirks in der Antoniusstraße zustimmen würden”, sagt Pressesprecherin Freia Johannsen. Allerdings: Vor einer Ausweitung des Sperrbezirks müsse am Büchel umgebaut werden. „Erst wenn die städtebauliche Aufwertung - etwa durch neue Geschäfte oder Wohnungen für Familien - realisiert ist, kann der Sperrbezirk ausgeweitet werden, weil dies dann dem Jugendschutz dient und die öffentliche Sicherheit und Ordnung fördert”, erläutert die Sprecherin der Bezirksregierung.

Zwei Bauvorhaben gibt es: Der Investor Strabag Real Estate wollte an Stelle des abrissreifen Parkhauses erst das Einkaufszentrum „Bel Etage” und nunmehr ein Zwei-Sterne-Hotel mit Ladenzeile auf das 4400 Quadratmeter große Grundstück setzen. Baubeginn seit Jahren offen. Doch dieses Bauprojekt ist Voraussetzung für die zweite Millionen-Idee, die direkt nebenan die Ecke Antoniusstraße/Nikolausstraße aufwerten soll.

Wo bislang nur ein trostloser Parkplatz ist, will der Seniorchef der Mayerschen Buchhandlung, Helmut Falter, seit anderthalb Jahren ein „signifikantes, architektonisch interessantes Gebäude in einem modernen industriellen Stil mit kleinen Geschäften und einfachen Wohnungen errichten”. Doch Falter möchte erst loslegen, wenn die Strabag wirklich baut - und die Abgrenzung zum Rotlichtbezirk Antoniusstraße zumindest per Sichtschutz gewährleistet ist. So dreht man sich im Kreis.

Baudezernentin Gisela Nacken hatte bereits Ende 2010 eingeräumt, dass Bordellbetreiber Klagen für den Fall angekündigt hätten, dass die Stadt den Rotlichtbezirk verkleinert. Bei einem kompletten Umzug auf die grüne Wiese dürfte ebenso erheblicher Widerstand zu erwarten sein. Und dies möglicherweise auch von anderen Gewerbetreibenden. Welches Autohaus - etwa an der Automeile Neuenhofstraße - wäre begeistert, wenn nebenan ein nagelneues Eros-Center in den Himmel wächst?

„Ich weiß jedenfalls, dass es bereits Investoren gibt, die sowas lieber heute als morgen bauen würden”, sagt Schaffrath. Und betont: „Der Stillstand ist nicht nachvollziehbar, der Büchel geht den Bach runter. Hier muss endlich etwas passieren.”
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