Wartung der Glocken im Aachener Dom ist eine große Herausforderung

Wartung der Dom-Glocken: Mit feinem Gehör und großem Werkzeug

Von: Annika Kasties
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Hauptsache schwindelfrei: Glockenmonteur Christian Kerkhoff sorgt dafür, dass die acht Glocken im Aachener Dom fest und dennoch beweglich sind. Schließlich wiegen die Schwingungskörper mehrere Tonnen. Foto: Andreas Steindl
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Hauptsache schwindelfrei: Glockenmonteur Christian Kerkhoff sorgt dafür, dass die acht Glocken im Aachener Dom fest und dennoch beweglich sind. Schließlich wiegen die Schwingungskörper mehrere Tonnen. Foto: Andreas Steindl
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Ein Knopfdruck genügt: Dombaumeister Helmut Maintz zeigt, wie die Glocken von der Sakristei aus geläutet werden.

Aachen. Den Gang in die Muckibude kann sich Christian Kerkhoff an diesem Abend sparen. Seine Muskelkraft wird während der Arbeitszeit schon genug gefordert. Schließlich müssen Dutzende, zum Teil faustgroße Muttern nachgezogen werden. Und zwar mit Schraubenschlüsseln, die nicht nur eine Schlüsselweite von 55 Millimetern haben, sondern zudem noch im wahren Wortsinn ellenlang sind. Mindestens.

Dabei kommt selbst ein Profi wie Kerkhoff ins Schwitzen. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Radmutternschlüssel fürs Auto eignet sich für Radbolzen mit einem Durchmesser von 17 und 19 Millimetern.

Angesichts der Masse, die die massiven Schrauben an den Holzbalken im Glockenturm des Aachener Doms festhalten, ist die Größenordnung von Kerkhoffs Werkzeug nicht weiter verwunderlich. „Kaiser Karl“, auch bekannt als „Glocke 2“, hat immerhin einen Durchmesser von 1,60 Metern und wiegt stolze 2700 Kilogramm.

Damit diese auch weiterhin mit ihrem Geläut zu Gottesdiensten, Gebeten und besonderen Ereignissen laden kann, steht Kerkhoff gerne um halb fünf Uhr morgens auf, um mit seinem Kollegen Antonio Jimenez vom Münsterland aus nach Aachen zu fahren. Die Gelegenheit, im Glockenturm eines so bedeutsamen Gotteshauses wie dem Aachener Dom zu klettern, biete sich einem schließlich nicht jeden Tag. Um genau zu sein: einmal im Jahr.

Pünktlich zur Adventszeit stand am Montag erneut die routinemäßige Wartung der acht Glocken im Aachener Dom an. „Es wäre ja peinlich, wenn an Weihnachten ein Klöppel herunter- oder ein Motor ausfällt“, begründet Dombaumeister Helmut Maintz den bewusst gewählten Zeitpunkt. Denn während vor Jahrzehnten die Glocken noch mit großen Seilen – und entsprechendem Kraftaufwand – von Hand geläutet wurden, sorgt heute ein Motor für die entsprechenden Schwingungen.

Und wie bei jedem technischen Fortschritt, muss auch dieser regelmäßig auf seine Funktionstüchtigkeit geprüft werden. Und so ziehen die Glockenmonteure Kerkhoff und Jimenez an diesem Montag Schrauben nach, fetten Lager, überprüfen Kettenspannungen, Kontakte und Bremsen und nehmen die Mechanik der Läuteanlage eingehend in Augenschein. Und sorgen mit dem regelmäßigen „Testläuten“ dafür, dass die Besucher des Weihnachtsmarktes in den Genuss einer ganz besonderen Begleitmusik kommen.

Der Winkel gibt den Ausschlag

Über die Schulter blickt ihnen dabei der Glockensachverständige Norbert Jachtmann. Alle zwei Jahre wohnt der Krefelder – neben dem Bistum Aachen gehören auch das Bistum Essen und das Erzbistum Köln zu seinen Auftraggebern – der alljährlichen Wartung in Aachen bei und überprüft dabei den Zustand der Glocken und deren Klöppel sowie die Anschlagsfrequenzen und die sogenannten Läutewinkel. Denn die Art und Weise, wie der schwere Klöppel beim Läuten an die Innenseite der Glocke schlägt, sei ausschlaggebend für den Ton. Oder, wie Jachtmann mit poetischen Worten den Idealfall beschreibt: „Im Höhepunkt der Auslenkung küsst der Klöppel die Glocke.“ Klingt zärtlich, ist aber so laut, dass selbst ein gelernter Kirchenmusiker wie Jachtmann mit Ohrenschützern im Dom herumspaziert.

Damit der besagte Idealfall auch zur Weihnachtsmesse eintritt, ist bei der Wartung der Schwingungsträger nicht nur Muskelkraft und Augenmaß erforderlich, sondern auch ein geschultes Ohr. Denn auch wenn die Technisierung selbst in einem so historischen Bau wie dem Aachener Dom auf dem Vormarsch sei, könne eine Maschine die Aufgabe eines Glockensachverständigen nicht übernehmen, betont Jachtmann. „Man muss die Teiltöne der Glocken richtig hören.“ Während der Laie lediglich „ein Geräusch“ vernehme, hört der Sachverständige nach eigenen Aussagen beim Läuten der Glocken zunächst einen tiefen Summton, gefolgt von drei bis vier weiteren Tonlagen, die zu analysieren seien. Das könne eben nur das menschliche Gehör.

Doch auch ohne Zwischentöne verspricht Jachtmann: Nicht erst zur Weihnachtsmesse dürfen sich die Aachener über das Glockenläuten freuen. Und abgefallene Klöppel seien auch nicht zu erwarten.

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