Warten auf den Sonnenuntergang: Gemeinsames Fastenbrechen

Von: Edda Neitz
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Aachen. Die Begrüßung unter den Frauen in der Bilal-Moschee ist herzlich und freundschaftlich. Auch dieses Jahr feiert der christlich-islamische Frauengesprächskreis das gemeinsame Fastenbrechen im Ramadan, auch Iftar genannt.

„Das gemeinsame Fastenbrechen ist für uns eine besondere Form der Gastfreundschaft”, sagt Eva-Maria El-Shabassy, Vorsitzende der islamischen Fraueninitiative an der Bilal-Moschee. Es ist eine schöne Tradition, die ebenso aufmerksam gepflegt wird wie andere Veranstaltungen dieses Kreises.

Zusammen mit Inge Flachskampf von der evangelischen Kirchengemeinde Aachen und Hannelore Peters von der katholischen Frauenseelsorge organisiert El-Shabassy bis zu fünf Veranstaltungen im Jahr zu religiösen und gesellschaftlichen Gesprächsthemen. Es war die Zeit des Golfkrieges als die Frauen, die den jährlichen Weltgebetstag gestalten, feststellten, dass sie ihre muslimischen Nachbarinnen kaum kennen.

Miteinander ins Gespräch kommen und erfahren, wie sie als christliche und muslimische Frauen ihr alltägliches und religiöses Leben praktizieren, ist das Anliegen dieses Gesprächskreises, der seit 18 Jahren besteht.

Bis zum Sonnenuntergang, der an diesem Tag erst kurz vor 21 Uhr ist, bleiben die Speisen des Buffets, das die muslimischen Frauen vorbereitet haben, mit Tüchern und Alufolie bedeckt. Gastfreundschaft ist das Thema des Abends. Mit Zitaten aus der Bibel und dem Koran wird die Diskussion zum Thema angeregt. Den etwa 20 Frauen, die sich hier treffen, geht es nicht um ein gegenseitiges Belehren, sondern sie wollen mehr voneinander erfahren. Dabei entdecken die Frauen immer wieder, dass sie so verschieden nicht sind. Ihre Wünsche und Sorgen sind oft die gleichen. Auch beim Thema Gastfreundschaft stellen sie fest, dass diese in beiden Religionen zu den wichtigen Säulen zählt.

Dass der Fastenmonat Ramadan im Islam eine besonders heilige Zeit ist und dass die Muslime neben dem Verzicht auf Nahrung zwischen dem Morgengrauen und dem Sonnenuntergang sehr viel Wert auf das tägliche Fastenbrechen am Abend legen, hat Heidi Moers erst wirklich erfahren, seit sie an diesem Fest teilnimmt. „Oft hat man nur Vorurteile gegenüber den Gepflogenheiten und Wertvorstellungen anderer Kulturen. Man muss miteinander sprechen und miteinander erleben, dann kann kommt man sich auch näher”, erklärt Moers, die seit fünf Jahren zu den Treffen des Gesprächskreises kommt.

Als das Fastenbrechen eingeleitet wird, wird die Stimmung in der Frauenrunde noch etwas ruhiger, fast andächtig. Es werden Datteln und Wasser gereicht, der Vorhang zum Gebetsraum der Männer wird beiseite geschoben und einige muslimische Frauen nehmen am Boden Platz, um zu beten. Erst danach wird das Buffet eröffnet, das mit herzhaftem Bulgursalat, pikant gefülltem Börek und leckeren Süßspeisen wieder viel bietet. Aber wie geht das, leckere Speien vorbereiten ohne sie abzuschmecken? Kosten sei erlaubt und wer es ganz ernst nimmt, der schluckt die Nahrungen nicht, sondern nimmt sie wieder aus dem Mund, lautet die pragmatische Antwort.
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