Warnstreiks: Keine Busse, Kitas dicht, Müll bleibt liegen

Von: Stefan herrmann, Hans-Peter leisten und Robert Esser
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Das stinkt zum Himmel: Am Mittwoch bleibt der Müll in den Tonnen, der Stadtbetrieb wird bestreikt. In Aachen ist indes (noch) keine Kundgebung der Streikenden geplant. Die demonstrieren in Köln. Weil kaum Busse fahren, dürfte es auf der Straße eng werden. Foto: Harald Krömer, stock/imagebroker

Aachen. Es wird eng. Rund 220.000 Menschen, die täglich mit dem Bus fahren, werden am Mittwoch zu Fuß, auf dem Fahrrad oder schlimmstenfalls mit dem Auto unterwegs sein. Die Gewerkschaft Verdi hat für Mittwoch zum Warnstreik aufgerufen.

Lahmgelegt werden unter anderem bis zu 218 Busse der 555 Aseag-Mitarbeiter (138 Busse sind von Fremdunternehmen angemietet), bis zu 57 städtische Kindertagesstätten, die Müllabfuhr und Teile der Stadtverwaltung. Erhebliche Belastungen für den Bürger sind damit unausweichlich. Der öffentliche Dienst fordert sechs Prozent mehr Lohn.

„Vom Streik betroffen ist der gesamte Linienverkehr der Aseag in Stadt und Städteregion Aachen“, teilt Aseag-Sprecherin Eva Wußing mit. Er ende voraussichtlich erst mit Betriebsschluss in der Nacht zum Donnerstag. Obwohl Auftragsunternehmen der Aseag mit ihren Busfahrern vom Streik nicht betroffen sind, könne ein planmäßiger Linienverkehr am Mittwoch nicht gewährleistet werden. Welche der 2100 Haltestellen von einzelnen der regulär 68 Aseag-Linien zumindest teilweise bedient würden, sei nicht absehbar hieß es. Man empfiehlt dem Umstieg auf andere Verkehrsmittel für „alle, die pünktlich zur Arbeit, Schule oder Uni müssen“.

Kein Jahr ist es her, dass Eltern durch einen wochenlangen Kita-Streik enorm belastet wurden. Am Mittwoch dürfte erneut das Improvisationstalent zahlreicher Mütter und Väter gefragt sein, wenn es darum geht, ihre Kinder unterzubringen. Denn sowohl ein Großteil der städtischen Kindertagesstätten wie auch städtische Gruppen des Offenen Ganztags dürften dicht bleiben. Allein in den 57 städtischen Kitas wären somit theoretisch 3781 Kinder mit ihren Familien betroffen. Im OGS-Bereich sind es weitere 1272 Kinder. „Da es sich um einen Warnstreik handelt, wissen wir im Vorfeld nicht, welche Einrichtungen betroffen sein werden“, erklärte Björn Gürtler vom Presseamt am Dienstag.

Notgruppen könne man wegen der Unvorhersehbarkeit nicht einrichten. Die Verwaltung appellierte daher schon vergangene Woche per Pressemitteilung an Eltern, deren Kinder städtische Kitas und die Offene Ganztagsschule besuchen, sich am Mittwoch nach Betreuungsalternativen umzusehen. Zudem wies sie darauf hin, dass für den Streiktag kein rechtlicher Anspruch auf Erstattung des Elternbeitrags besteht. Im Vorjahr hatte der Stadtrat hingegen eine freiwillige Erstattung der Beiträge beschlossen.

Ansonsten steht die Verwaltung vor mehr Fragezeichen als Antworten. „Wir können nur Vermutungen anstellen, wo der Warnstreik Folgen haben kann – dies mitzuteilen, wäre aber wenig hilfreich“, bitte Rita Klösges vom städtischen Pressebüro um Verständnis. Bei den Stellen des Bürgerservices rechne man aber mit weniger Personal. Wer also nicht unbedingt etwas erledigen müsse, solle seinen Besuch vielleicht verschieben. „Die für den Nachmittag fest verabredeten Termine haben aber unvermindert Bestand“, betont Klösges. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Es handelt sich schließlich um einen Warnstreik.“

Klare Kante zeigen hingegen die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter des Stadtbetriebs – soweit sie in die heutige Entsorgung eingespannt sind. Wie berichtet, werden heute weder Bio- noch Papier- noch Restmülltonnen geleert. Dies wird am Donnerstag nachgeholt, alle weiteren Abholtage verschieben sich wie bei einem Feiertag jeweils um einen Tag nach hinten. Auch beim städtischen Recyclinghof an der Kellershaustraße hängt am Mittwoch das Schild „geschlossen“ an den Einfahrttoren. Nicht versäumen sollte man, die Gelben Säcke an den Straßenrand zu legen. Da deren Entsorgung nicht in den Händen städtischer Mitarbeiter liegt, wird der Plastikmüll am Mittwoch wie geplant entsorgt.

Und das Theater Aachen? „Da wir die Situation nicht einschätzen konnten, haben wir uns frühzeitig für die Absage der ‚Deutschstunde‘ um 19.30 Uhr entschlossen“, erklärte Ursula Schelhaas, Pressesprecherin des Theater Aachen. Weitere Folgen seien aber vorerst nicht abzusehen. Die nächsten Aufführungen fänden wie geplant statt. Das gilt wohl auch für Verdi...

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