„Warnschuss“: Erster Streik am Klinikum

Von: Daniel Gerhards
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Eine warme Suppe für einen heißen Arbeitskampf: Klinikumsmitarbeiter stärken sich beim gestrigen Warnstreik. Foto: Andreas Schmitter
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Arbeitskampf unter der Bettdecke: Mit einer einstündigen Mahnwache vor dem Uniklinikum protestieren rund 60 Mitglieder des Deutschen Beamtenbunds gegen hohe Arbeitsbelastung und für mehr Gehalt. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Richtig plakativ wollen sie es machen: Vor dem Uniklinikum stellen die Gewerkschafter der Jugendorganisation des Deutschen Beamtenbundes (DBB-Jugend) Pflegebetten auf – darin liegen Mitarbeiter des Klinikums, die sich von ihren Kollegen umsorgen lassen. „Wir wollen damit zeigen, dass es in der Pflege um Menschen geht. Im Klinikum brennt die Luft, weil auf den Stationen das Personal fehlt. Das müssen am Ende die Patienten ausbaden“, sagt Markus Schallenberg, NRW-Vorsitzender der DBB-Jugend.

Der DBB hält eine einstündige Mahnwache mit rund 60 Teilnehmern vor dem Klinikum. Am dort parallel stattfindenden Warnstreik der Gewerkschaft Verdi beteiligen sich rund 70 Arbeitnehmer. Bei der jüngsten Verhandlungsrunde Mitte Februar konnten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht annähern. Die nächste Tarifrunde steht am 7. und 8. März an.

66 000 Überstunden

Der DBB kritisiert unter anderem, dass sich im Klinikum 66 000 Überstunden angesammelt hätten, wobei für die meisten der 1800 Beschäftigten wegen der Personalnot kein Freizeitausgleich möglich sei. Zudem bemängelt der DBB, dass viele Beschäftigte über Jahre bloß Zeitverträge bekämen. „Im öffentlichen Dienst ist der prozentuale Anteil der befristet Beschäftigten doppelt so hoch wie in der freien Wirtschaft“, sagt Schallenberg. Das müsse sich ändern. Und auch Auszubildende sollen garantiert und unbefristet übernommen werden, fordert er.

Aktuell werde es schwieriger, junge Leute – gerade in der Pflege – an das Klinikum zu binden. „Nach der Ausbildung wechseln viele Kollegen zu kommunalen Krankhäusern“, sagt Sebastian Bernd, stellvertretender NRW-Vorsitzender der Jugendorganisation des Verbands der Landesbeamten, Arbeiter und Angestellten (VDLA). Die Arbeit im Uniklinikum verlange dem Personal mehr ab als in anderen Krankenhäusern: „Die Operationen dauern länger, und die Patienten sind schwerer krank als in kommunalen Krankenhäusern. Darum benötigen sie auch intensivere Pflege“, sagt Bernd.

Hinzu komme, dass die kommunalen Krankenhäuser besser bezahlen. Nach der Ausbildung habe ein Krankenpfleger dort nach Abzug von Steuern und Abgaben etwa 100 Euro mehr in der Tasche. Auch deshalb fordern DBB wie auch Verdi 6,5 Prozent mehr Lohn für die Landesbeschäftigten.

Insgesamt decken sich die Forderungen von Verdi und DBB. „2012 war ein wirtschaftlich gutes Jahr. Wir wollen jetzt ein Stück vom Kuchen abhaben“, sagt Verdi-Streikleiter Joachim Heer. Zudem sollen die Auszubildenden 100 Euro im Monat mehr bekommen.

Verdi-Mann Heer sagt, dass die Zahl der Urlaubstage, die der Arbeitgeber zugestehen will, im Klinikum derzeit stark diskutiert werde. Die Gewerkschaft fordert 30 Urlaubstage für alle. Heer sagt, dass die Arbeitgeber die Urlaubstage auf den gesetzlichen Anspruch begrenzen wollen. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Arbeitnehmer – bei einer Fünf-Tage-Woche – Anspruch auf lediglich 20 Urlaubstage haben. „Wenn unsere Forderung zurückgewiesen wird und nur noch der gesetzliche Urlaub gewährt wird, sieht es hier im Haus ganz fatal aus“, sagt Heer. Schließlich „gehen viele Mitarbeiter wegen der hohen Belastung schon jetzt am Krückstock“.

Trotzdem will die Gewerkschaft den Betrieb im Klinikum noch nicht vollends lahmlegen. Daher streiken einige Pflegekräfte nur halb so lange wie geplant. „Es ist ja erstmal ein Warnstreik. Wir müssen uns ja beim nächsten Mal noch steigern können“, sagt Heer.

Im Rahmen des Warnstreiks besuchen die Verdi-Streikenden die Mitarbeiter des Aachener Bombardier-Werks. Die Landesbediensteten drückten damit ihre Solidarität mit den Arbeitern und Angestellten des von der Schließung bedrohten Standorts aus. Bei allen Beschwerden über die Arbeit in der Pflege – so schlimm wie bei Bombardier ist die Situation im Klinikum sicher noch nicht.

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