Warmspielen für die Oscar-Verleihung

Von: Günter H. Jekubzik
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Premiere „Zwei Leben“: Im ausverkauften Apollo wurde das Publikum begrüßt von Produzent Dieter Zeppenfeld (links), Georg Maas (rechts) und dessen Schwester, der Journalistin Angela Maas. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Georg Maas lebt zur Zeit das Leben eines erfolgreichen Filmregisseurs: Premieren in Berlin, Hamburg, Köln. Nächsten Dienstag für eine Vorführung von „Zwei Leben“ nach New York jetten, um seinen Film den ersten Juroren des Auslands-Oscar und mehreren interessierten US-Verleihern zu präsentieren.

 Nachdem das Drama um eine Stasi-Agentin und ein verschlepptes Lebensborn-Kind als deutscher Kandidat für den Oscar nominiert wurde, erfahren der aus Aachen stammende Regisseur und sein in Aachen produziertes Werk eine enorme Beachtung in allen Medien.

Die ersten Vorführungen am Mittwoch in Aachen, ein Tag vor dem Bundesstart im Apollo, waren jedoch bislang emotionaler Höhepunkt der Tour: Zum Geburtstag von Georg Maas sangen ihm gleich drei ausverkaufte Kino-Säle ein Ständchen. Ein Familien-Treff der besonderen Art beim „Heimspiel“ von „Zwei Leben“.

Drei Vorstellungen ausverkauft

Wie schon bei der sensationellen Aachen-Premiere des Vorgänger-Spielfilms „NeuFundLand“ im Jahr 2004 strömten auch Mittwoch die Massen in einen Maas-Film: 580 Zuschauer wollten „Zwei Leben“ sehen, die drei parallelen Vorstellungen in allen Apollo-Sälen waren ausverkauft, eine Zusatzvorführung wurde am frühen Abend anberaumt.

Der Regisseur präsentierte den packenden Film um eine norwegische Familie, die von den Folgen der Nazi- und Stasi-Machenschaften erschüttert wird, zusammen mit seinem langjährigen Produzenten und Freund Dieter Zeppenfeld. Moderiert wurden die Vorstellungen von Georgs Schwester, der bekannten Journalistin Angela Maas, die sich „sehr stolz auf ihren kleinen Bruder“ zeigte.

Sie hörte als eine der ersten vor zehn Jahren bei einer Wanderung durchs Elsass von dieser Geschichte nach dem bis heute nicht veröffentlichten Roman „Eiszeiten“ von Hannelore Hippe. Mit dem teilt der Film nach jahrelanger, intensiver Drehbucharbeit durch den Autor Maas mittlerweile „keine identische Szene“ mehr, so Zinnober-Produzent Zeppenfeld.

Langjährige Weggefährten, Film- und echte Familie sowie Menschen, die während eines ausgedehnten Anlaufs bis zur internationalen Würdigung immer an Georg Maas geglaubt hatten, feierten nun ein besonderes Meisterwerk und seinen Macher.

Dabei war schon Maasens Spielfilm-Debüt im August 1991 ein historisches Ereignis, weil Jelzin gleichzeitig das Weiße Haus in Moskau gegen Putschisten verteidigte und das ZDF die TV-Premiere von „Atemnot“ wegen dieser Weltpolitik abbrach.

Selbst die kleine Schar international erfolgreicher Regisseure aus Aachen und Umgebung war an diesem besonderen Mittwochabend anwesend: Neben Grimme-Preisträger Bernd Mosblech („Alte Kameraden“) wollte auch Michael Chauvistré („Mit Ikea nach Moskau“, „Friede, Freude, Eierkuchen“) den Film sehen. Dass Chauvistré ebenfalls am Rhein-Maas-Gymnasium war, hat jetzt mal nichts mit der in Geschichte und (Medien-) Gegenwart sehr präsenten Familie Maas zu tun.

Georgs Großvater Albert Maas war vom Oktober 1946 bis zum November 1952 Oberbürgermeister der Aachens sowie Mitgründer der Aachener Volkszeitung. Der Enkel sieht sich durchaus in der Tradition derartigen politischen Engagements, wenn er eine von Peter Gabriel entliehene Idee als Kernaussage des Films betont: Wenn man anfängt, die Menschen in „Wir“ und „Die“ zu unterscheiden, ist dies die erste Grundlage für Kriege.

„Zwei Leben“ ließ auch sein Premieren-Publikum in Aachen nach dem Filmende erschüttert in minutenlangem Schweigen zurück. Also funktioniert der besondere Kunstkniff dieses großen Films, der diese „Wir/Die“-Unterscheidung unterläuft, indem die Identifikation mit der von Juliane Köhler brillant gespielten Katrine immer neu justiert werden muss.

Was in der Entstehung immer als Risiko gesehen wurde - so dachte Maas selbst „Die sind verrückt“, als er 2008 von dem OK der drei Produzenten hörte. Trotzdem, so berichtet der Aachener Produzent Dieter Zeppenfeld, war der Film mit dem vorhandenen Geld nicht machbar. Das ganze Team musste einen Teil der Gage zurückstellen.

Feier auf der Terrasse

Was wiederum den Vorteil hatte, dass in einem Maße „alle mitgemacht und mitgedacht“ haben, wie es der Regisseur noch nie erlebt hat. Bis hin zum Star, der Bergmann-Legende Liv Ullmann, der auf einen eigenen Wohnwagen verzichtete, Kaffee für die anderen holte und auch anwesend war, wenn sie gar keine Szenen hatte: „Liv Ullmann war immer dabei und hat eine kleine Familie erzeugt“, zeigt sich Georg Maas begeistert von seiner Darstellerin und Regie-Kollegin.

Dass Ullmann auch in Hollywood für den Film kämpfen wird, verstärkt die Hoffnung auf das ganz helle Scheinwerferlicht: „Es gibt eine Chance, dass wir zumindest unter die ersten fünf kommen“, glaubt Dieter Zeppenfeld. Dass diese Film-Familie feiern kann, bewies sie bis spät in die Nacht auf der Terrasse. Auch damit ist sie also Oscar-geeignet.

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