Aachen - Ware gegen Ware, Besinnung gegen Hektik

Ware gegen Ware, Besinnung gegen Hektik

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Auf zum fröhlichen Geschenk-Umtausch: Nur bei der Anreise blieb mancher kurzzeitig auf der Strecke, der Andrang war groß. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Mit der silbernen Kette hat Thorben Becker voll ins Schwarze getroffen. Naja fast, zumindest. „Die ist wunderschön”, sagt Thorbens Freundin immer noch sichtlich entzückt, legt Bon und Schmuckstück auf den Verkaufstresen und fügt dann hinzu: „Aber leider zu kurz.”

Also wird umgetauscht. Jana Fraikin wollte das möglichst schnell erledigen, „damit ich sie schnell anziehen kann”, sagt die 20-Jährige. Deswegen ist das junge Pärchen gleich am Montag in die Stadt gefahren, dem ersten Tag nach Weihnachten, an dem die Geschäfte wieder ihre Pforten öffnen. Dass sie da nicht die einzigen sein würden, damit hat Thorben Becker gerechnet: „Aber dass heute so viel los ist, hätte ich dann doch nicht gedacht”, sagt der 19-Jährige.

Das Bild auf der Adalbertstraße unterscheidet sich nicht wesentlich von dem kurz vor den Feiertagen. Es ist voll, sehr voll sogar. Die Menschen schleppen prall gefüllte Einkaufstüten. In den Parkhäusern sieht es vom frühen Morgen bis in den späten Nachmittag nicht leerer aus. „Die einzigen, die nicht stark angefahren werden sind die an Hauptbahnhof und Eurogress”, meldet Herbert Sliwinski, technischer Prokurist der Apag, auf Anfrage, „alle anderen sind voll.”

Jana Fraikin und Thorben Becker werden ihren Parkplatz bald freimachen. Die Kette ist das einzige, was umgetauscht werden muss, sagt der junge Mann und sieht erleichtert aus. Die Sache ist schnell erledigt, wohl auch weil Helga Götzenich, die die beiden in der „Galeria Kaufhof” bedient, schon Routine hat. Wenn die Verkäuferin gefragt wird, ob der Kettenumtausch ein Einzelfall sei, dann lacht sie laut auf und schüttelt dann entschieden den Kopf.

Generell aber würde dieses Jahr weniger umgetauscht als im vergangenen, sagt „Galeria Kaufhof”-Geschäftsführerin Dorothee Uhle: „Nur wenn etwas zu klein oder zu groß gekauft wurde und dann meist Ware gegen Ware”. So wie die silberne Kette eben. Mit der Kundenfrequenz ist Uhle sehr zufrieden, Gutscheine und wohl auch Geldgeschenke würden an diesem Tag gerne genutzt.

Bei „Hunkemöller” ist es dagegen wohl eher die Gelegenheit. „Umtausch ist bei uns nicht relevant, es wird mehr gekauft. Und wir haben ja gerade auch den Schlussverkauf eröffnet”, sagt Kornelia Lohoff, die in den Räumen des Dessous-Spezialisten am Holzgraben Reizendes für Drunter verkauft. Generell werben viele Händler seit am Montag mit großen „Sale”-Schildern für kleine Preise. Vielleicht hat auch deswegen die Hektik schon wieder vorweihnachtliche Formen angenommen.

Nach dem Fest, ist vor dem Fest. Das ist zumindest die Devise bei „Teddy & Co.” an der Buchkremerstraße. „Wir verpacken sogar noch als Geschenk”, sagt Verkäuferin Marlies Simons, „oft an Leute, die die Kinder erst nach Weihnachten sehen.” Und mit Umtausch hätte das Spielzeuggeschäft traditionell wenig zu tun. „Kinderwünsche sind ja meist sehr konkret”, sagt Simons.

Die Innenstadt jedenfalls ist schnell wieder zur Normalität zurückgekehrt, die Besinnlichkeit scheint auf drei Tage fest terminiert, und auf dem Dach eines großen Bekleidungshändlers am Willy-Brandt-Platz werden schon die Weihnachtsbäume abgebaut. Unten angelt ein Mensch in Mülleimern nach Leergut. Auch er will wohl etwas umtauschen.
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