Wanderarbeiter besetzen Campingplatz

Von: Robert Esser
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Verwahrlost: Wildpinkler gehören noch zu den harmlosen Auswüchsen auf dem Aachener Campingplatz. Foto: Andreas Herrmann
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Sachschaden steigt: Erst wurden Toiletten verdreckt, dann demoliert, Türen wurden aufgebrochen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Schlägereien, Diebstähle, Sachbeschädigungen, Einbrüche, Vermüllung, illegale Autorennen: Seitdem bis zu 50 überwiegend irische Wanderarbeiter Teile des Aachener Campingplatzes am Branderhofer Weg besetzt haben, sind Polizei und Ordnungsamt dort regelmäßig im Einsatz.

Bloß: Die ungebetenen Gäste – die nicht nur mit Kind, Kegel und Caravan, sondern auch mit Baufahrzeugen angereist sind – weigern sich, den Platz zu verlassen. „Und die Polizei sieht es offenbar nicht als ihre Aufgabe an, den Platz zu räumen“, ärgert sich Werner Schlösser. Der Geschäftsführer der Aachener Kur- und Badegesellschaft (Kuba), die den Campingplatz betreibt, stellt fest: „Der Platz wird seit einigen Wochen Stück für Stück auseinandergenommen.“

Gerade in der Vorweihnachtszeit sind die 46 Campingparzellen, die Platz für bis zu 150 Wohnwagen und Caravans bieten, meistens komplett ausgebucht. Übernachten dürfen Besucher dort höchstens drei Nächte lang, für 15 Euro pro Tag. Der Platzwart berichtet, dass sich die Iren seit Wochen weigern, Campinggebühren zu entrichten, und große Areale im hinteren Bereich blockieren.

Von dort seien Stromleitungen illegal angezapft worden. Die Toiletten- und Duschanlagen seien derart verschmutzt und demoliert worden, dass sich die Kuba gezwungen sah, das Sanitärhaus zu schließen. Daraufhin sei die Tür aufgebrochen worden. Worauf die Kuba nun das Wasser abgestellt hat – was wiederum weder bei der Iren-Gruppe noch den anderen Aachen-Besuchern gut angekommen sei.

Der Platzwart schildert, dass er von einem Pritschenwagen mit irischem Kennzeichen, dem er sich in der Campingplatz-Zufahrt in den Weg gestellt habe, sogar angefahren worden sei. „Hier ist Krieg“, sagt ein Anwohner am Montag. Er beobachtet gerade, wie die Stadt mal wieder große Müllberge von dem sonst so gepflegten Camping-Areal im Herzen Burtscheids wegkarren muss. Nachts werde man durch Gegröle aus dem Schlaf gerissen – oder durch röhrende Motorengeräusche der Autos, mit denen sich Camper auf den geschotterten Wegen Rennen lieferten.

Der Polizei liegen laut Kuba mehrere Strafanzeigen vor. Derweil muss der Platzwart mit ansehen, wie mehr und mehr Camper – die sich von den Wanderarbeitern belästigt und bedroht fühlen – aus Aachen abreisen. Am Montag war nicht einmal die Hälfte des Areals belegt, ein knappes Dutzend Wohnwagen und Fahrzeuge mit irischen Autokennzeichen standen immer noch am Branderhofer Weg.

Und weil derzeit weder Duschen noch Toiletten auf Aachens ehemaligem Vorzeige-Campingplatz benutzt werden können, zahlen die verbliebenen touristischen Camper nur noch reduzierte Übernachtungsgebühren. Zu deren Schutz musste Schlösser nun Sicherheitspersonal engagieren, das nachts über den Platz patrouilliert.

Da weder Polizei noch Ordnungsamt die Wanderarbeiter – „die gegen so ziemlich alle Regeln unserer Campingplatzordnung verstoßen“ – zur Abreise bewegen, beantragte Schlösser auf Anraten der Ordnungshüter vor Gericht eine Einstweilige Verfügung. „Die wurde aber vom Richter abgelehnt“, erklärt Schlösser. Weil das Gericht die Campingplatz-Besetzer als „Mietnomaden“ einstufe, verweise es auf den langwierigen Klageweg.

Bis eine etwaige Räumungsklage durchgesetzt werden könnte, würden allerdings Monate vergehen. Was dann noch von dem laut www.aachen-camping.de „1,2 Hektar großen ebenen Gelände im romantischen Gillesbachtal“ übrig ist, bleibt abzuwarten. Notfalls müsste der gesamte Campingplatz gesperrt werden, hieß es.

Auffällig ist, dass die irischen Gäste – denen laut Polizei dort noch keine Straftaten nachzuweisen waren – teils in teuren Limousinen und hochexklusiven Caravans in Aachen angerollt sind. Kuba-Chef Schlösser: „Wir werden jetzt alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um diese Herrschaften loszuwerden.“

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