Aachen - Waltraut Kruse: Erste Bürgermeisterin der Stadt wird 90 Jahre alt

Waltraut Kruse: Erste Bürgermeisterin der Stadt wird 90 Jahre alt

Von: Sabine Rother
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Flott und aktiv wie immer: Professorin Waltraut Kruse feiert am Donnerstag ihren 90. Geburtstag. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wacher kritischer Blick aus hellblauen Augen, frisch frisiert, dezent blondiert, zierlich und flott wie immer: Für Waltraut Kruse gibt es keinen Grund, untätig auf dem Sofa zu sitzen. Diesmal bedecken den langen Holztisch im Wohnzimmer nicht – wie sonst – fachliche Unterlagen sondern Gästelisten und Planungsnotizen, denn am Donnerstag feiert die Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie, RWTH-Professorin und langjährige CDU-Kommunalpolitikerin ihren 90. Geburtstag.

Zehn Jahre lang – von 1979 bis 1989 – war sie Bürgermeisterin der Stadt Aachen und damit in 750 Jahren Ratsgeschichte die erste Frau in diesem Amt. Waltraut Kruse hat in jeder Hinsicht Akzente gesetzt, ob nun in dem von ihr aufgebauten Westdeutschen Psychotherapieseminar (seit 1976) oder bei Umsetzung des Autogenen Trainings für Kinder.

Der Lehrauftrag für das kommende Semester wurde der Ehrenbürgerin der RWTH Aachen übrigens gerade wieder bestätigt.

Familie, Beruf, Politik – die Mutter von vier Söhnen sagt nach turbulenten Jahrzehnten: „Ich bin sehr dankbar, ein schönes Leben.“ Noch heute betreut sie Patienten. „Die Intuition wächst mit der Zeit, das ist wunderbar.“ Als guten Rat gibt sie jungen Leuten eine persönliche Einsicht mit: „Man darf nicht alles wollen, und man muss bereit sein, zu helfen, ohne an den Profit zu denken.“

Aus diesem Grund hat sie sich der Kommunalpolitik zugewandt. „Meine Mutter war 17 Jahre lang Ratsmitglied in Aachen, das wollte ich anfangs nie machen, und schließlich hat es mich doch gepackt“, sagt sie lächelnd.

NRW-Landtag oder Bundespolitik – dazu hatte sie keine Lust. Die Verbundenheit mit dem Alltag der Menschen war für Waltraut Kruse stets eine Kraftquelle. „Wenn ich Bundeskanzlerin Angela Merkel sehe, erkenne ich, dass es ihr schlecht geht, dass sie sich nur abrackert. Gern würde ich sie mal fragen, wann sie zuletzt einen Spaziergang gemacht hat.“

Das Älterwerden empfindet sie nicht als Belastung. Sie steht um 6 Uhr früh auf und genießt die täglichen Aktivitäten. Die Ursache für Frustration und Unzufriedenheit erkennt sie sehr klar: „Man muss Misserfolge verkraften können.“

Die Verwurzelung in der Familie, wo sie die Älteste von sechs Geschwistern war, ist Basis ihres Lebens. Trost und Ausgleich fand und findet sie in der Musik.

Was sie sich zum Geburtstag wünscht? „Dass sich meine Familie verträgt, wenn ich nicht mehr da bin“, sagt sie sachlich. Ein Geschenk, das sie glücklich und stolz sein lässt: Enkel Sebastian wird als Assistenzarzt Vater Thomas Kruse in der Walheimer Praxis unterstützen.

Der Geburtstag wird im kleinen Kreis gefeiert. Zum Himmelfahrtstreffen der Familie auf einem Landgut in Belgisch-Limburg kommen dann alle zusammen.

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