Wahlkampf bis zum letzten Brötchen

Von: Albrecht Peltzer
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Will für die SPD ein Direktmandat holen: Karl Schultheis tritt im Wahlkreis Aachen I unter anderem gegen Ulla Thönnissen (CDU) an. Vor fünf Jahren hatte er die Nase deutlich vorn. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Für seinen Landtagswahlkampf hat Karl Schultheis einen „gebrauchten“ Slogan reaktiviert. „Klar! Karl“ heißt das Motto. Ein gutes oder ein schlechtes Omen? Mit diesem Slogan hat der Sozialdemokrat die Direktwahl zum Oberbürgermeister der Stadt Aachen gegen Marcel Philipp verloren. Schultheis sieht das extrem locker. „Mein damaliges Ergebnis war sehr gut“, sagt der 64-Jährige.

Aber: „Nicht alle politischen Kräfte, die mich von ihren politischen Inhalten her hätten unterstützen müssen, haben das getan.“ Klar, Karl. Die Niederlage gegen den Christdemokraten Philipp, die die Sozialdemokraten seinerzeit vor allem auf die vornehme Zurückhaltung der Grünen bei der Unterstützung des roten Kandidaten zurückführten, schmerzt in der Rückschau vielleicht doch mehr als zugestanden.Die Liste „zieht“ wohl nicht

Karl Schultheis bewirbt sich im Wahlkreis Aachen I (Nord) um ein Landtagsmandat. Es wäre seine sechste Wahlperiode in Düsseldorf. Aber er muss das Mandat direkt holen. Ein Luxusproblem der SPD in NRW: Die holt meist so viele Mandate direkt, dass die Reserveliste so gut wie gar nicht zum Zuge kommt. Wie groß ist Schult-heis‘ Optimismus? Er selber spricht von „Zuversicht“. Immerhin: Vor fünf Jahren lag er mit 40 Prozent sehr deutlich vor der christdemokratischen Kontrahentin Ulla Thönnissen (30,8 Prozent). Ans Verlieren denkt Karl Schultheis denn auch gar nicht, zumindest nicht offiziell. „Ich kämpfe um das bestmögliche Ergebnis.“ Und: Der Landtag brauche so viel Sozialdemokratie wie möglich.

Nachkriegszeit

Für sein Treffen mit der AZ hat Schultheis die Kockerellstraße vorgeschlagen. Vor Haus Nummer 20. Natürlich mit Bedacht. Hier ist Schultheis in den 1950er Jahren aufgewachsen. Die Nachkriegszeit, der damalige Aufbruch haben ihn geprägt, sagt er. In vielerlei Hinsicht. Ein armes Viertel war das im Schatten des Rathauses. Viele Häuser zerstört, heute steht kaum noch eins von damals.

Die Familie lebt seinerzeit im Hinterhaus, beengt. Aber es gibt positive Energie. Schultheis‘ Vater ist Kfz-Mechaniker, der später einen eigenen Betrieb leiten wird. Sein Fokus liegt auf der Ausbildung und Förderung junger Menschen. Gerade solcher, denen ein Start in eine erfolgreiche Bildungs- und Berufsbiografie nicht gerade in die Wiege gelegt ist. Dieses bildungspolitische Engagement hat Karl Schultheis übernommen. „Motiviert“ sei er gewesen. Damals und heute.

Daran hat sich nichts geändert. Bildung, Chancengleichheit sind daher vom Beginn seiner politischen Laufbahn bis ins 21. Jahrhundert „sein“ Thema. „Die SPD hat die Bildungstür aufgemacht“, sagt er selbstbewusst. Bildung als Wahlkampfthema? Kommt das aktuell an? Na klar, sagt Karl Schult-heis. Stichwort Studium. Da geht es um Gebührenfreiheit, um Nachbesserungen im Bachelor- und Masterstudium. Zu wenig Zeit für Kreativität bleibe den Studierenden heute. Und damit zu wenig Zeit, Bildung breiter, auch abseits des eng gesteckten Lehrplans zu ermöglichen.

Die Überraschung von 1985

Das erste Landtagsmandat erringt Karl Schultheis 1985, was zu der Zeit schon eine deftige Überraschung war. Beide Landtagsmandate in Aachen gehen an die SPD! Neben Schultheis löst Hans Alt-Küpers damals das Ticket an den Rhein. Zwei Wahlperioden schafft Schultheis, dann verliert er am 14. Mai 1995 das Direktmandat an Rudolf Henke (CDU). Auch am 14. Mai 2000 zieht er gegen Henke den Kürzeren. Nicht besser läuft es am 22. Mai 2005, aber ein sehr guter Listenplatz – die Ausnahme von der Regel! – ermöglicht in diesem Fall die Rückkehr ins Landesparlament. 2010 und 2012 (der Landtag hatte seine frühzeitige Auflösung und Neuwahlen beschlossen) holt er den Wahlkreis wieder direkt.

In jeder Wahlperiode hat Karl Schultheis im Petitionsausschuss gearbeitet. „Aus Überzeugung“, wie er sagt. Bürgernähe oder „aktive Demokratiepflege“ sind seine Schlagworte. Das sei eine „sehr befriedigende“ Arbeit. Der Aufwand lohne sich auf jeden Fall, Hilfe für die Menschen vor Ort sei „Kern eines demokratischen Staates“.

Politischer Spagat

Seine politische Arbeit in den vergangenen Jahren ist auch eine Art Spagat. Rot-grüne Koalition in Düsseldorf, schwarz-rote Koalition im Stadtrat, dem Schultheis seit 1989 angehört. Wie passt das zusammen? Karl Schultheis will das nicht vergleichen. Politische Arbeit im Rat sei anders als im Land. Konflikte zwischen den unterschiedlichen Machtkonstellationen sieht er nicht. Und wie blickt er auf die Kontrahenten? „Armin Laschet macht alles mies“, so Schultheis. Der springe nur „wie ein HB-Männchen im Landtag herum“. Bei Laschet vermisse er „gute Vorschläge, die das Land voranbringen können“. Dass Laschet das Thema Sicherheit ganz nach vorne stelle, sei ja nicht schlecht. Im Gegenteil.

Aber Sicherheit sei mehr als nur zusätzliche Polizeistellen zu schaffen. „Da geht es auch um die Organisation gesellschaftlichen Miteinanders. Ich bin dagegen, Ängste zu schüren.“ In der Auseinandersetzung mit seiner direkten Kontrahentin Ulla Thönnissen setzt der Sozialdemokrat auf Themen. Eine „Gegnerschaft, die nicht ins Persönliche abgleitet“, sei das. Sein Slogan lautet: „Ich kämpfe nicht gegen Menschen, ich kämpfe für mich.“ Schultheis registriert ein „hohes Maß an Interesse“ bei den Menschen vor dieser Wahl. Die wollten über Politik diskutieren. Ziemlich umfassend. Da muss der SPD-Kandidat mitunter auch einmal zum Thema Trump Stellung nehmen. Weil‘s dem Bürger auf den Nägeln brennt. Schultheis wirbt im direkten Gespräch für sich.

Informiert über „politische Erfolge“. Der Einsatz für die Reichsabtei in Kornelimünster gehöre dazu. Oder für die Entwicklung der Campus-Projekte in Aachen. Schultheis nennt das Lehr- und Lernlabor auf Melaten. Dass mehr Unternehmen aus der RWTH heraus gegründet werden können, ist für ihn ein anstehendes Thema, wenn es denn zum sechsten Einzug ins Düsseldorfer Parlament kommt.

Zehn bis zwölf Stunden am Tag investiert Karl Schultheis zurzeit in Sachen Eigenwerbung. Das gehe „querbeet“, wo man die Wählerinnen und Wähler eben treffe. Zum Beispiel morgens um 6 Uhr am Bahnhof. Brötchen an Pendler verteilen. Dass auch Pannen dazugehören, schmerzt nur kurzfristig. Beim Brötchenverteilen fehlten jüngst die Brötchen, Lieferprobleme. Schultheis Appetit auf noch mehr Landespolitik hat das nicht geschmälert.

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